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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 401

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 401 (sequence 57)
Language
German
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Recensionen. 401 lichen Lehre nicht vertreten sind, lagen nicht, wie der Verfasser S. 626 sagt, in der jüdischen Votksthümlichkeit begründet; umgekehrt, das Judenthum nimmt den ganzen Menschen in Anspruch, in allen seinen Verhältnissen und Beziehungen, während das Christenthum nur den Menschen als Einzelwesen heiligen will. Wir sind zu Ende und trennen uns vom Verfasser mit einem Gefühl inniger Verehrung und unbegrenzter Achtung. Nicht nur materiell ist das Buch vortrefflich, sondern auch formell: man lernt daraus deutschen Fleiß, deutsche Tiefe, deutsche Forschung, man lernt die Methode daraus, wie man einen Gegenstand historisch-kritisch behandeln muß, und wie inan sich vor Einseitigkeit im Studium bewahren kann. Vergleichen wir Strauß' Werk mit Renan's Buch, so müssen wir ehrlich und aufrichtig sagen: Renan's Buch hält mit dem Werk von Strauß gar keinen Vergleich aus, obgleich jenes in Frankreich großes Aufsehen und den Zorn der ganzen Klerisei erregt hat. Renan hat sich nichts weniger denn als consequenter historischer Kritiker bewährt; er verwirft die Evangelien und beruft sich auf die Evangelien; er behandelt sie wegwerfend und fußt auf ihnen wie aus eiuem Evangelium; während dagegen Strauß sich und seine Tendenz und Aufgabe niemals verleugnet, sondern consequent, logisch und systematisch sein Studium über die Evangelien und den Helden derselben beginnt und vollendet. Wenn wir Renan aus- und durchgelesen haben, wissen wir nicht recht, was wir uns unter Jesus denken sollen, wir wissen nicht, war er ein aufgeklärter Kops, ein Heller Geist, der eine Sekte stiften und eine Kirche begründen wollte, oder war er ein gutmüthiger Landjüngling, der sich den Reichen und der Gelehrtenaristokratie in Jerusalem widersetzte; wir wissen nicht, war Jesus selbständig und sich selbst bestimmend, oder war er eine Puppe, die sich von unbedeutenden Männern und Weibern leiten ließ und gegängelt wurde, während er bei Strauß als durchaus selbständig in seinem Wollen erscheint, das Ceremonialgesetz zu abrogiren und die Moral als Herrscherin auf den Thron zu setzen. Mit Einem Wort, Renan verhält sich zu Strauß wie die Abenddämmerung, wo die Umrisse schwinden und die Gestalten zusammenfließen, zum Hellen Morgen, wo alles klar und deutlich vor unS tritt. Auch das Judenthum und die Judenheit gesteht eS und stimmt mit dem großen Strauß überein: Jesus war ein bedeutender Mann, ist ein wichtiger, welthistorischer Mann geworden; mag auch das wenigste, was über ihn lind von ihm berichtet wurde, feststehen, mag das meiste der geschwätzigen Mythe angehören: die meisten seiner moralischen Aussprüche wird und muß auch der Jude, der ja die Priorität dieser Sentenzen und Tendenzen beansprucht, unterschreiben; nur daß wir es nicht zugeben können, daß die Gesetze des Judenthums, die äußern rituellen und religiösen Handlungen bedeutungslos waren oder sind. Die Geschichte der neunzehn Jahrhunderte hat es bewiesen, daß das talmudisch - rabbinische Judenthum für die Erhaltung und Integrität der Gotteslehre eine solche Nothwendigkeit war wie die Aufrechthaltung der ganzen mosaischen Gesetzgebung, insoweit sie praktisch geübt und gehandhabt werden konnte. Pädagogik. ErziehrmgÄehre für israelitische Aeltern, Lehrer und Lehrmntszöglinge, von A. Lederer, Musterhauptschuldirector und Lehrerbildner in Pesth (Pesth, R. Lampel, 1865). Diese Schrift verdankt ihre Entstehung dem im Vorwort mit Recht hervorgehobenen Umstande, „daß die in neuererZeiterschienenenWerke über Erziehung und Unterricht größtentheils christlicher Tendenz sind und die israelitischen Lehramtszöglinge noch immer eines pädago gischen Lehrbuchs entbehren, das mit ihrem angeerbten Glauben, mit ihrer religiösen Ueberzeugung völlig übereinstimmt". Zugleich wollte der Verfasser „die Aufmerksamkeit der Aeltern und Erzieher auf die Nothwendigkeit einer vollständigen, lückenlosen und planmäßigen Erziehung der Kinder vom ersten Tag des Lebens an bis zum Eintritt ins Mannesalter lenken". Diesem Zwecke angemessen ist die Erziehungslehre in drei, den Perio-

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