Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 399 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen. ZS9 Uebersetzung plausibler: „Es geht ein Stern auf aus Jakob, und es erhebt sich ein Komet aus Israel." Diese Auffassung des Schebet als Parallele zu Kochab hat Hai Gaou (Art. 8k. 11). Mit besonderm Aufwand von- Scharfsinn und Gelehrsamkeit benutzt der Verfasser die Lebensgefahr und Lebensrettung Mosis für die des Jesuskindes. Der Verfasser zeigt dann sonnenklar, daß die beiden Kindheitsgeschichten bei Matthäus und Lukas schlechterdings nicht zu vereinigen sind. Ebenso interessant sind die Mythenquellen von Moses und Samuel für die frühe Reife Jesu; von der Versuchung, welcher das Volk in der Wüste unter Mose'S Anführung erlegen war. So hat denn der Verfasser mit kritischem Blick und ausgebreitetem Wissen siegreich nachgewiesen, daß die Geschichte der Geburt und Kindheit Jesu durchweg aus dogmatischen Vorstellungen herausgesponnen wurde, und die Ausbildung der mythischen Geschichte Christi genetisch dargethan. Das zweite Kapitel handelt von der mythischen Geschichte des öffentlichen Lebens Jesu. Mit Meisterschaft werden diejenigen Stücke aus der Geschichte des öffentlichen Lebens vorgenommen, bei denen die mythische Bildung mit einer gewissen Anschaulichkeit nachgewiesen wird. So JesuS und sein Vorläufer; Jesus und seine Jünger, welche Situation mit der des Elia und Elisa verglichen wird. Die zweite Mythengruppe behandelt JesuS als Wunderthäter. „ES sind", sagt der Verfasser S. 427 „zur Erzeugung der evangelischen Wundergeschichten von vornherein zwei Factoren thätig gewesen, die inan als einen idealen und einen realen Factor unterscheiden kann. Was in der Jcsaianischen Stelle von geheilten Blinden, Tauben, Lahmen gesagt ward, daS ist, inan mag eS auslegen, wie inan will, doch auf keinen Fall von wunderbarer Wiederherstellung, sondern irgendwie uneigentlich und ideal zu nehmen; dagegen sind die Thaten des! Elia und Elisa als wirkliche reale Wunj derhandlungen erzählt, und die spätere! jüdische Volksvorstellung erwartete des-! gleichen von dem Messias." Daß die Juden jemals von dein Messias erwarteten, er werde Kranke heilen und Todte erwecken, ist uns nicht bekannt. Aus der ganzen Begebenheit bei Elia geht nur zu deutlich hervor, daß der Knabe scheintodt gewesen und durch die animalische Wärme, vielleicht auch durch die Wirkung des animalischen Magnetismus, erkräftigt durch das Gebet des heiligen Mannes, ins Leben zurückgerufen wurde. Daß der Knabe bei Elisa nur scheintodt war, geht selbst aus den Worten der Talmudisten hervor. Sie fragen: „Der Sohn der Schunamitin, hätte er verunreinigt?" und die Antwort ist: „Ein Todter verunreinigt, aber nicht ein Lebendiger.*) Dagegen wird dem Verfasser über die Darstellung der Seewunder und der wunderbaren Speisung und deren Mythenbildung aus dem Alten Testament niemand die höchste Anerkennung versagen. Ebenso meisterhaft ist die dritte Mythengruppe: „Die Verklärung und der Einzug Jesu in Jerusalem." Zu der vom Verfasser S. 523 allegirten Stelle fügen wir noch Midrasch Wajechi hinzu: „Er bindet an den Weinstock seinen Esel und an die Rebe seinen jungen Esel, bis der kommen wird, von welchem es heißt: „arm und reitend auf einem Esel". Was der Verfasser S. 525 vermuthet, findet sich da schwarz auf weiß. Wir empfehlen noch dem Leser die folgenden kritischen Untersuchungen über die mythische Geschichte des Leidens, Todes und der Auferstehung Jesu. Eine Legion von nicht zu vereinigenden Widersprüchen zwischen den Synoptikern und dem vierten Evangelium deckt der Verfasser auf, die geschichtliche Unmöglichkeit der erzählten Situationen beweist er bis zur Evidenz, den Ursprung der Mythe thut er auf eklatante Weise dar, sodaß wir ihm den Tribut der Verehrung und Bewunderung nicht versagen können. Rur das hätten wir hinzuzufügen, daß der Hohepriester Kaipha, welcher auf Jesus fahndete, auf eigene Faust handelte; von einem richterlichen > Verfahren konnte damals keine Rede i sein, ein geregeltes Synedrium gab!es nicht. Ordnungslos und in unge- *) Siehe Philippson z. St.