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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 383

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 383 (sequence 39)
Language
German
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Jehuda Arje da Modena als Gegner des Mhsticismus und als Prediger. 383 so war es ein Signal, daß sich die Angesehenen, die Häupter der Gemeinde, zu versammeln hätten; um aber die Gemeinde zu berufen, mußte der Ton einförmig, eine Telia sein. So auch auf dem Gebiet der Homiletik; für die Hohen und Begabten Combinationen und Mannichfaltigkeit; für das gewöhnliche Publikum Einfachheit und Leichtigkeit, Popularität und Faßlichkeit, um solchergestalt den Israeliten im Denken und Wollen und Thun in das höhere religiöse Leben einzuführen, fortzuführen und heimisch zu machen, damit Denken und Entschließen des Zuhörers durchaus himmlisch werde. Leon predigte an Sabbaten, Festtagen und bei sonstigen religiösen Veranlassungen. Die im Midbar Jehuda .enthaltenen Reden wurden am Sabbat Nachamu, an den Sabbaten vor und nach dein Neujahrsfest, am Wochenfest, am Sabbat vor Purim, bei Hochzeiten, Beschneidungen und andern Gelegenheiten gehalten. Was der Cult einerseits bewirken soll, nämlich das Gemüth ergreifen und in das höhere Leben einführcn, das soll die shnagogale Rede andererseits dadurch, daß sie, an den Cult sich anschließend, denselben erklärt und dem Israeliten zum Bewußtsein bringt, was er verehrt, daß sie die unbestimmte Gemüthsergriffenheit bestimme, leite und vollende. Leon's Reden haben eine entsprechende Disposition, da wird die gewählte Rede auseinandergebreitet und in organisch zusammenhängende Theile zerlegt. Die Predigt beginnt, wie schon gesagt, mit einem Vers aus dem verlesenen Abschnitt, an welchen sich eine Haggadahstelle schließt, geht dann voll einem einfachen Satz als ihrem Thema aus und construirt ein aus zwei Theilen bestehendes einheitliches Ganze, indem alle einzelnen Theile der Ausführung aus den Hauptsatz zurückweisen, wie sie von ihm abgeleitet werden. Eingeleitet wird die Rede durch den üblichen Reschut, das ist eine Licenz zum Vortrag, die der Redner sich gewöhnlich vom Publikum erbat; den Schluß bildet ein Gebet. Leon's Reden sind demnach faßlich, geregelt und gefällig. Um seine Zuhörer zu fesseln, benutzt er auch die Parabel, deren sich schon die jüdischen Redner in der grauesten Vorzeit bedienten, weil nichts so überzeugend und zugleich so fesselnd auf das Gemüth der Zuhörer zu wirken vermag als ein eben am rechten Orte glücklich angebrachtes Gleichniß, durch das der abstracteste Gedanke einen Körper erhält und so gleichsam mit den Händen greifbar wird, z. B. in der Predigt vor Rosch Haschana bespricht der Redner den Umstand, daß die Menschen nur aus Jrrthum und Verirrung, aus Mangel an Einsicht und Erkenntniß sündigen, gegen den Willen Gottes handeln und ihre ewige Bestimmung verfehlen. Eigentlich sollte der sündige Mensch nicht bestraft werden, weil er nur als Wahnbethörter seine Pflichten verletzt und vernachlässigt, wie unsere Weisen sagen: „Ein Mensch sündigt nur, wenn der Geist der Thorheit und Bethörung in ihn gefahren", er wird aber dennoch bestraft, weil er eben diesen verderblichen und verderbenden Geist in sich hat fahren lassen und ihm nicht aus allen Kräften entgegengearbeitet hat. So wird derjenige bestraft, der im trunkenen Zustande ein Verbrechen oder Vergehen verübt, obgleich er bei Ausübung der Unthat nicht zurechnungsfähig war, weil er sich durch den Genuß geistiger berauschender Getränke in den trunkenen Zustand versetzte und sich dessen nicht enthielt. Wie aber kommt es, fragt er, daß der mit Vernunft begabte Mensch das Gute nicht erkennt und es mit dem Bösen vertauscht, das Licht mit der Finsterniß verwechselt? Diese Frage beantwortet er durch folgendes Gleichniß. Das Gute und das Böse hatten im Anbeginn ein jedes seine eigenthümliche, es kennzeichnende Gewandung, sodaß sie beim ersten Anblick kenntlich waren; wer ihnen begegnete, wußte sie genau voneinander zu unterscheiden. Die Menschen befanden sich wohl dabei und konnten niemals vom Netz der Sünde umstrickt werben. Darüber grämte sich das Böse und härmte sich ab, weil ihm unmöglich war, irgendeine Acquisition zu machen. Es ersann daher folgende List. Einst traf es das Gute

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