Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 384 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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384 Jllustr. Monatsh. für die ges. und sprach zu ihm: Lieber Freund! Willst du auf einen oder zwei Tage die Kleider mit mir wechseln? Du würdest mich zu Dank verpflichten, wenn du mir gestatten würdest, deine Kleider zwei Tage zu tragen. Das Gute, in seiner Harmlosigkeit und Güte auf nichts Arges sinnend, willfahrte und wechselte die Kleider. Aber cs vergingen Tage, Wochen und Jahre, das Böse ließ sich nicht wieder sehen und streift seitdem in der Welt umher und betrügt durch den Schein des Guten die Menschen, gibt sich für das Gute aus und stürzt die Menschen ins Verderben. In der Hochzcitsredc ist das Weib der Gegenstand seiner homiletischen Betrachtung, in welcher er auch jenen Gerechtigkeit widerfahren läßt, welche das Weib eben nicht als der Güter höchstes Gut betrachten. Jemand, sagt er, suchte sich ein sehr kleines Weibchen aus; man fragte ihn nach der Ursache, und er gab den Bescheid, daß man unter den Uebeln das kleinste wählen müsse. Die jüdische Kanzelrede hat auch das Eigenthümliche, daß die Exegese darin vertreten, ja der eigentliche Boden ist, auf welchem die Rede sich aufbaut; so ist cs natürlich auch in diesen Reden der Fall. Man sollte aber glauben, daß bei dem vielseitig gebildeten Leon da Modena die wissenschaftliche Exegese vorwalte, daß Philosophie, Philologie u. s. w. darauf Einfluß habe. Allein Leon verwahrte sich in der Schaburtrede dagegen: „Die Worte der Thora", sagt er, „müssen selbständig gedeutet werden, ohne Zuhülfenahme irgendeiner externen Doctrin, nicht wie bei andern Disciplinen, wo eine der andern hilft. Wende und kehre die Thora wie du willst, du findest alles darin." Leon da Modena beurkundet in seinen Reden die hohe Stufe der freien Geistesrichtung, auf welcher er stand, er kämpft gegen Mysticismus und Aberglauben; das Thema seiner Purimpredigt ist die Nichtigkeit der Astrologie. Dem astrologischen Unfug war zuerst Maimuni cntgegengetreten. Er schrieb auch eine antiastrologische Epistel (1194) an die Gemeinde zu Marseille. „Ich weiß", sagt er, „daß ihr im Talmud und den Interessen des Judenthums. Midraschim Stellen finden könnt, welche von dem Einfluß der Geburtssterne reden; es ist aber nicht billig, erkannte Wahrheiten fallen zu lassen und sich an die Worte einzelner Gesetzeslehrer zu halten." Gleichwol waren die Maimuni'schen Aeußerungen nicht im Stande, seine Nachfolger iir ihrem astrologischen Glauben, Sinnen und Trachten zu erschüttern. Ihren Höhepunkt erreichte die astrologische Schwärmerei im 14. Jahrhundert unter den Rationalisten in Spanien, in der Provence und in Italien. Aber auch in den folgenden Jahrhunderten bezeichnte inan Israels Leiden und Erlösung aus den Stellungen der Planeten, und beim Volk galt allgemein das Sprichwort: Alles ist den Sternen unterworfel,, selbst die Thorarolle im Hechal. Gegen diesen astrologischen Aberglauben ist nun die Purimrede gerichtet. Er beruft sich auf Jeremias, welcher der abergläubischen Furcht vor Himmelszeichen mit Nachdruck entgegentrat (Jer. 10, 2), auf Jesaias, welcher der Ohnmacht der Himmelstheiler und Sternenseher spottet (Jes. 47, 13), und gegei, jene Talmudstellcn, welche der astrologischen Zeitweisheit nicht widerstehen konnten, führt er die talmudischen Stellen an, welche gegen alle siderische Wahrsagerei opponiren. Wo aber die buchstäbliche Bedeutung nicht eben gegen die Astrologie spricht, da gibt er ihr eine solche mit Hülfe der Auslegung. So heißt es z. B. im Midrasch zu Balak: Die Israeliten unterscheiden sich von den heidnischen Völkern durch Kost, Wohnung und leibliches Leben. Das, sagt Leon da Modena, ist nichts anderes als eine Opposition gegen den Ausspruch: Kinder, Leben und Nahrung hängen nicht vom Verdienst, sondern von den Sterilen ab (Bcr. 64, 1). Nichtsdestoweniger beruft sich Leon in seinen Reden nicht selten auf den Sohar. Er ermahnt seine Zuhörer, besonders in der letzten Nachtwache zu beten, »veil es im Sohar heißt, daß sich Gott um diese Zeit mit den Frommen unterhalte (Sabbat Tcschuba). Alls jeder blinde entsteht ein Dämon, auch dafür citirt er den Sohar (Elegie ans den Rabbiner Katzen-