Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 382 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. von Joseph S. del Medigo nicht nachrühmen läßt (Geiger, Melo Chofnaim S. 34). Wir verlassen, den bewunderungswürdigen, gelehrten Mann der Wahrheit auf dem Gebiete der Kabbala und des Mysticismus, und folgen ihm in das Lehrhaus, auf die Kanzel. Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts that sich der Menschheit eine neue reiche Zukunft auf, ward der Grund für eine neue ereignißfchwere Zeit gelegt. Das Byzantinische Reich ging unter, das Reich der Wissenschaft ging auf; die Türken eroberten Konstantinopel, und Gutenberg's unsterbliche Erfindung besiegte die Geister im Reich der Finsterniß; die Kirchenreform erwachte zur Strafe der hochmüthigen Inquisition und der Mamon der Neuen Welt zur Strafe der grausamen Spanier. So wurde Sitte und Gesittung, Denk- und Handlungsweise, Gesetze und Institutionen verändert und verbreitet, und die Civilisation schlug neue Wohnsitze auf. Diese Umstände blieben natürlich auf das Schicksal und die Stellung, auf die Cultur und Weltanschauung der Juden nicht ohne Einfluß, je nach den Ländern, in welchen sie lebten. Die ihres Vermögens beraubten, aus der Pyrenäischen Halbinsel vertriebenen Juden suchten eine Zuflucht und Freistätte in den Ländern, wo der Islam herrschte. Ein Theil ließ sich in italienischen, in der Folge auch in französischen, holländischen und deutschen Städten nieder. Der Jude brachte überall, wohin sein Fuß trat, statt irdischer Schätze die Güter der Bildung und Kenntnisse, die Schätze der Literatur mit. Die niederdrückende Wucht des Unglücks hatte in der Brust des Juden die Glut einer warmen Religiosität und eines unermüdeten Lerneifers entzündet. So hatte sich neben Bibelstudium, Grammatik, talmudischer Gelehrsamkeit, Philosophie und Kabbala auch eine Homiletik ausgebildet und eine Vortragsweise gestaltet, welche alle theologischen Gebiete und die darauf bezüglichen Schriften der jüdischen Vorwelt umfaßte und den Midrasch und die Haggadah bearbeitete als Texte und Anlehnungspunkte der neu entwickelten Ideen. Mehr als je wurden, besonders seit dem 16. Säculum, zum Theil in der Synagoge, öfter im Lehrhause, Sabbat- und Festvorträge üblich. In dem türkischen Reich und in italienischen Städten wurden Vorträge von Mitgliedern der spanischen und portugiesischen Judenschaft gehört. Obwol in Italien nicht an allen Orten das Predigen so häufig als im Orient und bei den spanischen Gemeinden üblich gewesen zu sein scheint, sind von den Vorträgen italienischer Redner bedeutende Proben und Sammlungen übrig, unter denen die des R. Jehuda Leon da Modena besonders hervorragen und ausgezeichnet sind. Er selbst erzählt (riti, S. 39), daß die hebräische «Sprache nicht so geläufig und allgemein verständlich war, als daß in der heiligen Mundart hätte gepredigt werden können, daher sowol die italienischen als die spanischen und portugiesischen Redner in der ihren Gemeinden verständlichen Landes- oder Muttersprache predigten; nur die Texte aus der Schrift oder dem Midrasch citirte man in der Ursprache. Leon da Modena's Reden zeichnen sich durch Anlage und geschickte Ausführung aus und zeugen von dem persönlichen Talent des Redners. In seinen Reden waltet ein ernster und häufig ein edler Geist. Die Reden, welche im Midbar-Jehuda abgedruckt sind, basiren auf einem doppelten Text, auf einem Bibelvers, welcher Rosse, und auf einer Haggadahstelle, welche Maamar heißt, und auf der Unterlage durchgreifender und allseitiger Bildung des Kopfes und eines hochstrebenden, für das Ideal des Judenthums begeisterten Herzens, dessen Sehnsucht dahin strebte, bas Erkennen und Wollen des Zuhörers zu hebeil und zu kräftigen. Das Auditorium des synagogalen Redners steht aber auf verschiedenen Entwickelungsstufen, welche Berücksichtigung erfordern. Diesen Umstand würdigte er als maßgebend zur Beachtung für die Grundsätze und Regeln der Homiletik. Zwei silberne Trompeten, sagt er in seiner Predigt für Sabbat Nachamu, verfertigte Moses; so er eineil modulirten Ton, eine Terua, ertönen ließ.