Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 380 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. nebst der Beobachtung der Natur auch die Vernunft dein Menschen gegeben sei, um über Gott nachzudenken, daß die Attribute Gottes nicht absolute Benennungen des unbegreiflichen Schöpfers, sondern nur relative Abstraktionen von dessen Manifestationen sind; die Sefirot sind daher ein Unding, geschöpft aus dem Sohar, der selbst keine Garantie bietet. Im achten Abschnitte lehrt er, daß man die Vorschriften der Thora beobachten müsse, obgleich man in ihren tiefen Sinn nicht einzudringen vermag; daß der Vorwurf der Kabbalisten, als ob die Antikabbalisten, welche die Gesetze nicht motiviren wollen oder können, keine rechte Juden seien, verwerflich ist. Abschnitt 9. Die Kabbalisten behaupten, daß nur sie in den Sinn der vorgeschriebenen Gebete eindringen, die Antikabbalisten aber nur leeres Zungenspiel treiben, und als Isaak den Scheschet gegen sie energisch auftrat, wurde er mit Schimpf und Schande von ihnen tractirt. Nein! ruft Leon. Ihr betet nicht zu Gott, sondern zu den Sefirot. Hat man doch vor Esra gar keine formulirten Gebete gehabt, und dennoch hat man mit Inbrunst und andächtig gebetet. Abschnitt 10 zeigt er, wie die Kabbalisten willkürliche Begriffe und Benennungen und den Fuß nach dem Schuh bilden. Sie greifen die Zahl 10 auf vermittels einer Analogie, nennen sie Sefirot, und gebeil jeder Sefiro einen Namen, wieder vermittels abenteuerlicher Analogie; sie gleichen den Alchemisten, welche jedem Mineral einen technischen Kunstausdruck geben, u'm andere zu mystisiciren. Die Kabbalisten coinbiniren die aus dem Sohar geschöpften Sefirot mit Tanaiten und Amoräern, obgleich in den Zeiten des 3k. Simon den Jochai noch keine Amoräer waren; ebenso lächerlich sind jene ihrer Entdeckungeil welche keine andere Basis haben als die Zusammenstellung der Anfangs- und Endbuchstaben, die 6oniLtrig,8—Zahlenwerth, die Cvmbinationen und Permutationen von Buchstaben. Abschnitt 11 geht er genauer auf den falschen Namen Kabbala ein und urgirt den Umstand, daß, wenn dieser Mhsticismus Tradition und der Sohar der Depositär derselben wäre, daun hätten Maimuni und die Geonim irgendwo ihrer Erwähnung gethan, was schon Elia del Medigo ausführlich geltend machte. Abschnitt 12 fährt er in diesem Sinne fort und beruft sich auf Saadia und Maimuni, welche die Schwärmereien des Mhsticismus sogar perhorrescirteu. Die Notiz aber, daß Maimuni am Ende seiner Tage sich der Kabbala zuwandte, ist falsch. Abschnitt 1Z citirt der Verfasser bedeutende Autoritäten, welche den Stab über deil Glauben an Seelenwanderung und ähnliche kabbalistische Dogmen brechen. So Saadia, Bedareschi, Isaak ben Scheschet, Jsserls, lind fügt sein Bedauern hinzu, daß auch im Christenthume die Kabbala mit ihren verdorbenen Früchten platzgegriffen. Abschnitt 14 argumentirt er, daß, wäre dieser Mhsticismus wirklich Tradition, dann müßte vollkommene Harmonie unter den Kabbalisten und in ihren Werken herrschen, nun aber differiren sie alle miteinander, mithin können ihre Theoreme auf traditionelle Autorität keinen Anspruch machen. Abschnitt 15 beruft sich der Verfasser auf den Umstand, daß die Kabbala nach dein Kanon: „Mündliches darf nicht niedergeschrieben werden", nur mündlich hätte fvrtgepflanzt, aber nicht ausgeschrieben werden dürfen; daß ferner über den Ursprung der Kabbala keine Gewißheit vorhanden sei; manche führen sie auf die Propheten zurück, manche erklären sie für platonische Philosopheme, und wieder andere sagen vermittelnd, daß die Propheten die Lehrer der griechischen Philosophen waren. Abschnitt 10 wird auf die schwankenden und auseinandergehenden Meinungen über die Autorschaft der kabbalistischen Werke hingewiesen. Abschnitt 17 wird nachgewiesen, daß R. Simon ben Jochai nicht Verfasser des Sohar sein konnte, indem der Aufenthalt in der Höhle nicht dazu angethan war, ein solches Werk zu verfassen, und ill keinem der talmudischen Werke des Sohar auch nur mit einem einzigen Worte Erwähnung geschieht. Abschnitt 18 wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Halachische im