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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 379

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 379 (sequence 35)
Language
German
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Jehuda Arje da Modena als Gegner des Mhsticismus und als Prediger. 379 ten diesen ihren Platonismus, in inniger Vereinigung mit den supernaturalen Lehren der Kabbala, deren Quellen sie sich mn hohen Preis bei damaligen Juden zugänglich gemacht hatten, für eins der wirksamsten Mittel, das Christenthum speculativ zu begründen und zli vertheidigeu. In dieser Gestalt brachte Joh. Reuchlin den Plato und zugleich mit ihm die Kabbala von Italien nach Deutschland; so wie im Judenthum stand auch im Christeuthum die Wiege der Kabbala in Italien; dort großgezogen, machte sie ihre Wanderung durch die Welt. Die Kabbala hatte aber an den erleuchteten Männern ihre Feinde. Wiewvl, sagt Zunz (g. V. 40, 8), starke Aeste der Kabbala in dem alteil Jndenthum ihre Wurzel, und schwache an berühmten Namen neuerer Zeit eine Stütze hatten, so konnten sich doch viele rechtgläubige und weise Männer nicht mit ihr befreunden; ihre Bücher und Lehren wurden angefochten und nicht selten angefeindet und verketzert. Man leugnete, daß irgendeiner die vorgebliche Überlieferung in den göttlichen Wissenschaften besitze, Widerrieth die Beschäftigung damit und tadelte selbst berühmte Lehrer wegen ihres zu weit getriebenen Vertrauens in kabbalistische Satzungen. Andere zürnten über die den Sefiros zugewandte Andacht, die sie für abgöttisch hielten, und erklärten angeblich Kabbalistisches für selbsterfunden und Misbrauch. Schon in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts versuchte R. Joseph ben Abraham aben Vakar eine Vermittelung der Kabbala, der Philosophie und der alten Ueberlieferungen, und gegen den Schluß des fünfzehnten schrieb der kenntnißreiche R. Elia del Medigo wider die Kabbala und die Echtheit des Sohar, an der schon viel früher gezweifelt worden. Leon da Modena wird von Zunz nicht genannt; dieser war es aber, der in seinem Buche „Der brüllende Löwe" die schlagendsten Beweise führt, daß die ganze Kabbala in ihrer jüngern Gestalt aus lügenhaftem Vorgeben über das hohe Alter des Sohar entstandene leere Träumereien enthalte, die nur als Ausartung des Judenthums anzusehen seien. Leon hatte in seiner frühesten Jugend aus dem Munde erleuchteter Lehrer lichtvolle Lehren erhalten; schon im Alter von zehn Jahren wurde er in Padua von Samuel Archewolti unterrichtet, welcher Grammatiker, Stilist, Dichter lind Verfasser mehrerer berübmter Werke war; im Geiste dieser Lehren war er herangewachsen, wirkte er. Im ersten Abschnitte seines „Brüllenden Löwen" erzählt Leon seinem Schüler Joseph Chamiz, wie oft er mit dem eigenen Schwiegersöhne, der der Kabbala ergeben, die er von Asaria da Fano lernte, kabbalistische Controversen hatte; wie er jedesmal in Zorn gerietst, wenn er die Aeußerungen der Kabbalisten hörte, daß der größte Talmudheros ohne kabbalistische Weisheit ein Gottesleugner sei; daß Maimuni's antikabbalistische Kundgebungen gefährlicher seien als die Doctrinen Aristoteles'; daß Abarbanel ein Ketzer war. Im zweiten Abschnitt motivirt er seine Antipathie gegen die Kabbala und geiselt die Arroganz der Kabbalisten, mit welcher sie behaupten, daß nicht jeder für die Kabbala geeignet sei, während sie, die Kabbalisten, auf dem Gebiete des Talmuds Ignoranten sind. Im dritten Abschnitt macht er die Kabbalisten lächerlich, welche selbst dem berühmtem Joseph Karo die Capaeitüt absprachen, einen I. Luria zu begreifen, obgleich er das Glück hatte, einen R. Moses Cordowera aufzufassen. Im vierten und fünften Abschnitte thut er dar, daß die sogenannte Wissenschaft der Kabbala weder den Namen Wissenschaft noch Kabbala, d. i. uoesptio, Tradition, verdiene; daß wol die Thora tiefe Geheimnisse involvire, welche jedoch zu enthüllen die Kabbala am wenigsten geeignet ist. Im sechsten Abschnitte spricht er von der Kühnheit der Kabbalisten, welche auf selbsterfundene und gemachte Begriffe, z. B. Azilut und Sefirot, ihre Doctrinen über das Wesen Gottes und der Schöpfung gründen und sich erkühnen, vermittels dieser Phantasmagorien die Zukunft vorherzusagen. Um Gottes Eigenschaften aber kennen zu lernen, müsse man, wie Abraham, die Natur betrachten. Im siebenten Abschnitte zeigt er, daß 25*

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