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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 378

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 378 (sequence 34)
Language
German
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378 Jllustr. MonaLsh. für die gef. Interessen des Judenthums. von drei Quartanten ausgedehnt, Hauptquelle der Kabbala. Auch R. Nechunja den Hakana stempelte man zum kabbalistischen Schriftsteller und machte ihn zum Verfasser der Bücher Pelia und Bahir, und endlich auch seinen Schüler Jsmael ben Elischa zum Verfasser der Perke Hecholot. Die größten Meister und Anhänger der Kabbala hatte das sechzehnte Jahrhundert. Es zeichneten sich darin aus: R. Moses Corduera, R. Isaak Luria und R. Chahim Vital, Verfasser des „Baumes des Lebens". Während die Kabbala sich bisher als eine theoretische Erkenntniß darstellte, die auch innere Heiligung erzeuge, und von den Erleuchteten nur als eine Wissenschaft, mit Verstand zu rasen und Methode in den Unsinn zu bringen, verlacht wurde, begann für die Auffassung derselben und dadurch für die ganze religiöse Bildung fast der ganzen Judenheit eine neue Epoche am Ende des sechzehnten Jahrhunderts durch die Schüler des R. Isaak Luria. Er war einer deutschen Familie entsprossen, daher mit dem Beinamen Aschkenasi, — Aschkenasi R. Jizchak, geboren 1534 angeblich in Jerusalem, hielt er sich die letzten Jahre seines Lebens in Safeth in Obergaliläa auf, ernährte sich vom Handel und studirte dabei fleißig Kabbala. Luria sagte, nur seine Seele stamme aus der reinen Welt, olarn kmtidnn, in ihm sei die Seele des R. Simon ben Jochai; er unterrichtete auch seine sechs Schüler auf R. Simon's Grab. Ein Kabbalist im Heiligen Lande war ein zu anlockendes Mittel, um dessen Werth nicht in klingende Münze umzusetzen. Nach seinem Tode wurde er als kabbalistischer Wunderthäter von den Aposteln der selbstbetrogenen Betrüger proclamirt. Der Heilige, der Moses überstrahlte, war ein Messias ben Joseph, der alles Sündhafte Herstellen, Kranke heilen, Todte erwecken, Geister bannen, mit Engeln und Verstorbenen Rücksprache nehmen konnte. So wurde die Kabbala zurvorgeblich praktischen Thaumaturgie ausgebildet und erzeugte Betrug, Charlatanismus und grenzenlosen Aberglauben. Bis zu "einer solchen schauerlichen Höhe hatte sich die Kabbala zu Ende des sechzehnten Jahrhunderts emporgeschwungen. An geschichtlichen Präcedenzen und Anknüpfungspunkten fehlte es der praktischen Kabbala nicht. Zu Maimuni's Zeiten um 1190 gab es schon solche kabbalistische Charlatane, mit kabbalistischmagischen Apparaten (More 1, 62). Auch der Gaon R. Hai kannte schon Schriften über die praktische Kabbala (Jellinek's Beiträge zur Geschichte der Kabbala, 2. Heft). Auch der Talmud kannte die heiligende Kraft der Amulete und der heiligen Namen. Die Kabbala hatte eine solche Gewalt erlangt, daß sie auch bei den Christen Eingang fand; seit dem fünfzehnten Jahrhundert mit der Erneuerung des Studiums der elastischen Alten und namentlich des Plato zieht sie die Aufmsrksamkeit der christlichen Gelehrten auf sich. Raimundus Lullus, der enthusiastische Liebhaber der Tiefen christlicher Wissenschaft, der auch, das Evangelium unter den Mohammedanern auf der Nordküste Afrikas verkündend, als Märtyrer fiel, erwähnt ihrer zuerst in seiner,Ar8 inaZna"; seine Mataphysik und Zahlenlehre insbesondere ward von Giordano Bruno und manchen andern spätem Gelehrten benutzt. Vorzüglich aber waren es Marselius Facinius, der berühmte Uebersetzer Plato's, Plotin's und anderer Platoniker, namentlich auch des Dionysius Areopagita, und die beiden großen Gelehrten Johann und Franz Pico von Mirandola, welche bei ihrer mit lebhafter Begeisterung ergriffenen Idee einer mosaischen Philosophie und einer gemeinsamen Ueberlieferung einer Uroffenbarung aus dem Paradies unter den Völkern, aus welcher alle religiösen und philosophischen Systeme, in denen ein höherer Wahrheitsgehalt, geschöpft hätten, auf die Kabbala ein großes Gewicht legten. Sie brachten ihre platonische Weltanschauung in Verbindung mit dem Neuplatonismus, mit verschiedenen der bessern Ideen des platonisirenden, allegorisirenden Juden Philo und anderer Gnostiker, namentlich aber mit der Kabbala, und fanden die also geschickt und geistreich combinirte Philosophie im besten Einklang mit der christlichen Religion, ja sie hiel-

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