Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 377 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Jehuda Arje da Modena als Gegner des My sticisinus und als Prediger. 377 für Forschungen in den biblischen Urschriften sehr eingenommen, begünstigten derartige Unternehmungen. Vertheidigungeir des Judenthums gegen Vorwürfe und gehässige Verordnungen wurden gewagt. David Ascoti verfaßte sogar in lateinischer Sprache 1559 eine Schrift über Paul's VI. Verordnung, welche den Juden gebot, einen gelben Hut zu tragen. Eine Vertheidigung der jüdischen Religion schrieb auch 80 Jahre später Isaak Lombrosv, Arzt in Venedig. Salomo aus Rvrcia bei Mantua, schon 1588 durch Rechtsgutachten vorteilhaft bekannt, arbeitete nachmals viele Jahre an einer kritischen Ausgabe der Bibel, die er 1626 beendete. Seine noch immer werthvollen Leistungen wurden erhöht durch die Unterstützung des ungemein fleißigen Gelehrten, Kritikers und Dichters Menachem di Lonzano aus Palästina, welcher als Greis nach Italien kam und dem Norci wichtige Handschriften zusührte. Am eingreifendsten wirkte unser Leon Modenese. Er schrieb sehr vieles: Ein hebräisch-italienisches Wörterbuch, unter dem Rainen Galut Jehuda; eine llebersicht der jüdischen Gebräuche, von dem Franzosen Richard Simon übersetzt; eine Abhandlung gegen die Karaiten, unter dem Namen Schaagat Arje; eine andere gegen das Christenthum, -unter dem Namen Leb Haarje; eine gegen das Kartenspiel, dem er selbst sehr ergebeil war, welche von dem zwölfjährigen Knaben verfaßte Schrift „Weiche vom Bösen" genannt ward; eine Geschichte seines eigenen Lebens, in welcher er sein Glück und Geschick beklagt; Gebete für alle Tage der Woche Partim, von welchen viele in die Liturgie übergingen, so das -tum 8s an jedem Rüsttage der Neumonde; Gelegenheitsreden , Gelegenheitsgedichte, Einleitungen in anderer Werke u.s.w. Die wichtigsten seiner Werke sind: „Der brüllende Löwe" gegen die Kabbala, und seine Predigtsammlung „Midbar Jehuda". Mail versteht unter Kabbala — pondem hebräischen Wortekibol, empfangen, annehmem, also — aoooptio — eine geheime Ueberlieferung und Wissenschaft, welche eine Enthüllung des verborgenen Sinnes der Heiligen Schrift, eine Theo- Hilberg's Jllustrirte Monatshefte, l, 5. — August 1S65. svphie, eine Lehre von der Schöpfung verschiedener Welten als Lichtausflüsse aus dem einen absoluten Wesen, Ensoph, Urlicht, in immer weiter unvollkommenen Kreisen,bis zur Materie herab, von Adam Kadnivn, dem geistigen Urmenschen, von dem Abfalleder Geister, sodann der Menschenseelen, vom Erlöser, dem erwarteten Erretter und Befreier von Sünde lind Elend, vom künftigen Gericht, von der Auferstehung der Todten und einer Wiederherstellung der Dinge enthält, lind die neben vielen Blicken ill den großen Zusammenhang lind den allgemeineil Sinn der Offenbarungswahrheiten auch eine symbolische Zahlenlehre, ähnlich der pyrhagvräischen, jedoch bei vielem Vortrefflichen lind Probehaltigen manches abenteuerlich, ja märchenhaft Klingende in sich faßt. Die ältesten schriftlichen Quellen der Kabbala find das Blich Jezira und derSohar. Die Kabbala soll nach den berühmtesten Vertretern dieser Wissenschaft von Gott dem Mojes auf Sinai geoffenbart und als die Auslegung des Gesetzes, also esoterische Weisheit mitgetheilt worden und sodann durch eine ununterbrochene Weitergabe voil seinen Nachfolgern empfangen lind bis auf die Gegenwart fortgepflanzt sein. So behaupten sie namentlich, daß Hillel, der berühmte Lehrer Ganiliel's, zu dessen Füßen Paulus gesessen, ja selbst Paulus und Johannes kundige Kabbalisten gewesen seien und tief eingeweiht in diese Gvttesweisheit; an den beideil letzten tadeln sie nur, daß sie lehrten, daß der Meschiach Fleisch geworden lind von der Jungfrau geboren sei. Andere gehen selbst bis aus Abraham, den Vater der Gläubigen, zurück und behaupten, daß schon ihm die Kabbala, wie sie im Buche Jezira enthalten, für seine Nachkommen gevsfenbart worden sei. Außer dem kleinen Buch Jezira, Buch der Schöpfung, welches im zweiten Jahrhundert von R. Akiba niedergeschrieben sein soll, ist das Buch Sohar, Buch des Glanzes, von Rabbi Simon ben Jochai bald nachher begonnen und als Inbegriff der mündlichen Ueberlieferungen von der Schule desselben mehrere Jahrhunderte hindurch fortgesetzt und bis zum Umfang 25