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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 370

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 370 (sequence 26)
Language
German
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370 ' Jllustr. Monatsh. für die ges. Aus dem Hause seines Vaters eilte Karl, das Herz und den Kopf voll, zu Aurelia, um ihr die Berufung des alten Goldheim zum Statthalter mitzutheilen und sich an ihrer Liebe und ihrem Heldenmuth aufzurichten. Die Thürc war verschlossen. Getäuscht und mismuthig tritt er den Rückweg an. Er fühlt sich unbehaglich, der Kopf brennt ihm, die Pulse arbeiten, gewitterschwer scheint ihm der Himmel über seinem Haupt zu hängen und eine Krisis im raschen Anzug zu sein. Schon ans halbem Wege kehrt er um, abermals klopft er an der Thüre seiner Geliebten — vergebens, und mit gesteigertein Mismuth verläßt er endlich das Haus, uin heimzukehren. Aurelia aber hat Karl's Klopfen gehört und ihn gesehen, doch antwortete sic nicht. Leise und rasch setzt sie eine Zerstörungsarbcit fort. Ihr hilft gleich emsig ein Herr, auf dessen Haupt sechzig Jahre ihren Schnee abgelagert haben. Sein wettergebräuntes Gesicht trägt tiefe Furchen, und eine dicke Schramme zieht sich quer über seine hohe Stirn. Das Äuge blitzt stechend und kalt wie ein Dolch, dem man gern ausweicht, wenn man nicht ins Herz getroffen sein will. Das kurze, stramme Haupthaar, die buschigen Brauen und der wildwuchernde, graumelirte Bart auf der dicken Oberlippe tragen wenig zur Lieblichkeit einer Erscheinung bei, der man sich ungern nähern möchte. Beide Personen sind beschäftigt, geheime Fächer und Behälter zu leeren, Papiere, Gelder, Karten, Pläne und Waffen in Kisten, Chatoullen und Rcisekoffer zu packen und alsdann jede Spur von Unordnung zu verwischen. Zuweilen unterbricht Aurelia ihre Arbeit, um durchs Fenster nach allen Richtungen zu blicken, und als sie sich vergewissert, daß keine Störung zu besorgen sei, kehrt sie wieder zu ihrer Beschäftigung zurück, reißt Röhren auf, die in der hohlen Wand eingebettet liegen, plündert wohlverwahrte Kästen und Schränke, die sie nach vollbrachter Räumung in den alten Stand zu bringen sucht. Interessen des Judenthums. Als sie einmal wieder an das offene Fenster tritt, um zu recognosciren, schnellt sie heftig zurück. „Goldheim!" ruft sie mit halbunterdrückter Stimme ihrem Besuch zu. „Er kommt?" „Er tritt eben ins Haus." Der Fremde ballt die Faust, seine Augen entzünden sich, er sieht wie ein gereiztes Thier aus, im Begriff, einen Feind zu zermalmen. Ein kräftiger Fluch fällt von seinen Lippen, und aus seinen Wink hört die Arbeit auf; kein Laut, keine Bewegung unterbricht die eingetretene Stille. Außen fallen zwei, drei Schläge auf die Thüre, man hört langsame Schritte, die sich zögernd entfernen, und dann beginnt drin in der Wohnung der jungen Dame die einen Moment unterbrochene Arbeit wieder. Jetzt ist sie gethan, und Aurelia zieht an einer Klingelschnur, deren schriller Ton einen alten Mann herbeiruft. „Sind sie da, Eustach?" „Seit einer halben Stunde." „Unterrichtet, verschwiegen und verläßlich?" fragt der Fremde. „Vollkommen, Herr!" „Führe sie her." Zwei Männer, eine Tragbahre, mittels deren man die Kranken in das Spital abholt, tragend, treten ins Zimmer und bleiben an der Thüre, während der alte Diener die auf dem Boden zerstreuten Packete sorgfältig in die Tragbahre legt, indem er die Stücke laut zählt und mit dem Raum möglichst ökonomisirt. Nach Beendigung dieser Arbeit überreicht der fremde Herr ihm einige Banknoten. „Du belohnst sie, folgst in einiger Entfernung und beobachtest scharf. Auf dem Wege ins Spital schwenken die Leute links ab und bringen ihre Last in das dir bezeichnte Kloster. Bis du hinkommst, bin ich bereits dort und nehme die Stücke in Empfang." Die drei Männer entfernten sich. Im Zimmer herrschte die frühere Ordnung. „Aurelia", sagte der Me Herr, „binnen einer Stunde werden unsere Leute hier beisammen sein; bis dahin hoffe ich jede Gefahr beseitigt zn haben, dann wird das Gericht tagen. Richte hier

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