Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 369 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Warschau zur ihre Kraft zermalmen und ihre Bestrebungen lähmen. Was je eine Waffe trag fürs Vaterland, je ein Lied sang oder ein Gebet flüsterte, je einen Gedanken hegte von Freiheit und Unabhängigkeit, wird ausgerottet werden. Dorthin, wo das Leben aufhört lind die Natur zu Eisklumpen zusammenrinnt, werde ich jene betten, die jetzt brennenden Kopfes ihrem Verderben entgegenrennen. Ich werde ihren Wohlstand vernichten, Polen in ein großes Gefängniß verwandeln und ein fürchterliches Gericht halten über die Schuldigen!" „Durchlaucht", sagt der alte Mann, eingeschüchtert durch die Heftigkeit, in die der Generalstatthalter verfiel, „ich bitte zu bedenken, daß ich nicht meine Gesinnungen vertrat. So denkt die Jugend und Nnerfahrenheit. Gewiß, die Illusionen werden zerrinnen ..." „Beim ersten Kanonenschuß, der in Warschau einschlägt; ich weiß es; aber dann wird die späte Reue nichts mehr fruchten, dann wird der Richter sprechen und der Henker arbeiten! Um eben dies Blutvergießen zu ersparen und meine Gefängnisse für gefährlichere Verschwörer frei zu halten, habe ich Sie herbestellt. Nun wissen Sie, um was es sich handelt. Sie haben Verstand, Erfahrung und Einfluß, handeln Sie nach Einsicht!" Und damit verabschiedet der Statthalter den alten Mann, der rücklings die Thüre erreicht, außen von giftigen Blicken jener empfangen, die, Anhänger der polnischen Sache, glaubten, der Jude habe dem Fürsten irgendeinen Hochverrath hinterbracht. In der Antichambre des Fürsten wartet ein mit Orden reichdecorirter Polizeibeamter auf das Erscheinen Goldheim's. Kaum seiner ansichtig geworden, ergreift er ihn heftig am Arm lind zieht ihn in den dunkelsten Winkel des weiten Saals. „Sie kennen mich nicht mehr?" redet er ihn an. „Nein, Herr!" erwidert Goldheim, fein Gesicht prüfend. „Ich habe hier erfahren, daß der Mann drinnen im Cabinet des Statthalters Goldheim heiße, ehemals in Wilna Zeit der letzten Bewegung. 369 lebte, einen Sohn und eine Tochter habe und in der Xstraße wohne. Ist es so?" „Ja!" „Folgen Sie mir!" Unten im großen Hofraum angclangt, fährt er fort: „Sie kannten einst einen Beamten der Bank, der infolge eines leichtsinnigen Lebens eine bedeutende Geldsumme unterschlug, der sich an Sie um Hülfe gewendet, die Sie ihm voll Edelmuts, und Hochherzigkeit augenblicklich bewilligten?" „Das war Herr Kurilvw." „Der bin ich und schätze mich glücklich, jetzt die Wohlthat zu vergelten, die Sie mir damals in so hohem Grade erwiesen. Ich habe eben eine Entdeckung gemacht, die mir das Schicksal Ihrer Familie in die Hand gibt. Sie haben mich vor fünfzehn Jahren gerettet, ich rette Sie jetzt." „Ich verstehe Sie durchaus nicht", bethcuert Goldheim verwundert und erschrocken. „Keine Verstellung, Freund, Sie sehen, daß ich es wohl meine. Ich Hütte können die zufällig gemachte Entdeckung an hoher Stelle rapportiren, mir eine reiche Belohnung oder Beförderung holen und Sie ans Beil liefern. Daß ich es nicht that, möge Ihnen als Beweis meiner aufrichtigen Dankbarkeit dienen." „So wahr mir Gott helfe, ich weiß nicht, was Sie andeuten wollen." „Sie wissen nicht, daß im Betlocale Ihres Hauses eine geheime Presse arbeitet, von Ihrem Sohne, Ihrer Tochter und einem ehemaligen Buchdrucker der ärarischen Druckerei bedient?" Goldheim kommt es vor, als ob der Boden sich zu seinen Füßen öffnen würde. „In meinem Hause?" ruft er; „mein Sohn? meine Tochter?" „Stille, um Gottes willen! Eilen Sie nach Hause. Feuer kann alles vernichten. Seien Sie rasch. Fn einer Stunde erscheint bei Ihnen die Polizei." Und damit eilte der Beamte fort, und Goldheim stürzte in höchster Angst in seinen Wagen.