Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 365 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jude» in Warschau zur Zeit der letzten Bewegung. reits zu wiederholten malen als Episodenfigiir vorgeführt. Wir haben oben bei „Eisik's Brille" von der irrenden Ritterschaft des Don Ouirvte gesprochen. Mit noch größeritt Rechte kann inan dies hier. Julius Arnsteiner ist eine Art Don Quirote, und seine irrende Ritterschaft ist die Participial-Construetion und deren richtige Anwendung. Run denke man sich dieses grannnatikalischc Gemüth von den Stürmen der Liebe erfaßt und denke sich die heftigsten Gefühlsausbrüche, man möchte sagen, mit Participial-Construction und ähnlichen nüchternen Ausflüssen der Pedanterie gespickt, lind man wird ungefähr eine Vorstellung von dem Bild bekommen. Kompert hat diese Figur mit großer Liebe behandelt, und wie wir über Jutins Arnsteiner auch lachen mögen, daß er in demselben Moment, tvo er seiner Schülerin Sali den Vorwurf macht, sie habe einen Mord begangen, dennoch nicht vergißt zu ermahnen, sie möge ihn gelegentlich daran erinnern, daß er ihr erkläre, was der Ausdruck: „in spanische Stiefel geschnürt", bedeute, oder was man sich unter einem „Wettrennen mit Hindernissen" zu denken habe n. dergl., so fühlen wir doch nichtsdestoweniger den Schmerz, der ihm von seiner undankbaren Schülerin Sidonia Winterfeld bereitet ward, und freuen uns hingegen herzlich, daß er in der kleinen Sali ein gutes, treues Weib erhält, das ihm in Liebe lind Achtling ergeben ist. Ja, sollen wir es gestehen, wir freuen uns sogar, daß ihm der Zufall seinen Lieblingswunsch erfüllt, indem er ihm in der Stube der Federschleißerin so unerwartet den großen „Adelung" in die Hände führt; am meisten aber freueil wir uns, daß Julius Arnsteiner auch darin mit dein Ritter aus der Mancha Aehnlichkeit hat, daß er wie dieser auch schließlich zur Erkenntniß gelangt. Aber nicht erst auf dem Todtenbett! Bewahre! Das hat alles die kleine Sali bewirkt, wenn er keine Versuche mehr macht, sie etwa noch in der Mhthologie zu unterrichten, denn er sieht ein, sie besitzt den „Jnstinct der Bildung". Mit diesein freundlichen Genrebild finden die „Neuen Geschichten aus dem Ghetto" ihren Abschluß, und wir haben jetzt noch die im Jahre l,A>i> unter dem Titel „Geschickten einer Gasse" erschienenen Novellen zu betrachten. - Lchlun sollst.' Die Mm ja WWclM M M her letzten HeiveMg. Novelle Leo Mrzberg - Frankel. l Fortsetzung. > „Se. Durchlaucht", sagt der Adjutant, dem man den feinen Kurländer ansieht, „läßt Herrn Goldheim ersuchen, unverzüglich ins Schloß zu kommen." Der alte Alaun selbst blickt erstaunt auf; auch er kann eine gewisse Unruhe nicht beherrschen, die noch gehoben wird, als sein Auge auf die entfärbten Gesichter seiner beiden Kinder fällt, und an den Adjutanten gewendet, sagt er: „Herr Oberst, ich bitte Sie, mir die Ursache des fürstlichen Befehles zu sagen." „Wenn ich sie wüßte, lieber Herr Goldheim. Mir ist der einfache Beseht geworden. Sie ins Schloß zu bescheiden, und belieben Sie sich unverzüglich dorthin zu begeben, da der Fürst nicht gern wartet." Nachdem der Offizier das Hans verlassen, eilt Herr Goldheim, sich für die Audienz vorzubereiten. 'Nun wirst sich Hermine schluchzend an Karl's Hals, und es dauert einige Minuten, bis sie ihren Schmerz in Worte kleiden kann. „Karl, Karl!" ruft das Mädchen, Vorwurf in Blick und Miene, „du Haft ein grenzenloses Unglück über unser Haus gebracht! Du hast durch deine unselige Betheilignng an dem Revolutionswerk deine Familie, unfern alten Vater geopfert, der nun abgeholt wird, deinen Leichtsinn zu büßen, lind bevor er dort ist, wird unser Haus umzingelt, die Druckerei aufgehoben und wir ebenfalls abgeführt werden!"