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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 364

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 364 (sequence 20)
Language
German
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264 Jllustr. Monatsh. für dir gef. weit vernehmlicher hinein. Die heitern Melodien des Franzefußmotivs werden von manchem nicht nur traurigen, sondern auch erschütternden Mvllaccord unterbrocheil. Wir meinen hier die Flucht Bärele's, welcher nach Prag ging, um sich gänzlich der Leidenschaft des Spielens hinzugeben, da er Lisi nicht dahin zu bringen vermochte, ihr beleidigendes Wort zurückzunehmen; ferner die Reise der bekümmerten Mutter und des armen Mädchens, welche beide, ohne daß eine von der andern weiß, nach Prag gehen (Lisi, im wörtlichen Sinne), mn Bärele aufzusuchen. Mit einem freudigen, Hellen Schlußaccord endigt das Ganze, in welches die humoristischen Lichter scharf hineinfallen. Die Gestalten des behaglichen Ascher, für den die Welt nur insofern Interesse hat, als sie sich ihm in der Form eines „Franzefuß" präsentirt/ der behäbigen Hindel, die ihren: Gatten hierin nichts nachgibt, und Bärele's endlich, der ein so großes Genie auf diesem Gebiet entwickelt, daß er selbst seinem Vater noch ein Doublet vorgeben kann, sind trefflich gezeichnet. Zweimal hat Kompert die Leidenschaft des Spielens zun: Thema gewählt. Wir werden auf die Geschichte „Das Auge der Mutter" später zu sprechen kommen. Die Consequenzen, die sich aus dieser verderblichen Leidenschaft ergeben, sind in beiden Darstellungen ganz verschieden aufgefaßt und behandelt. Jnt„Fran- Hefuß" ist das Thema mit Humor behandelt, und der Ernst liegt in der Einsicht der Mutter, daß ihr bisheriges Erziehungssystem ein falsches gewesen, und in der Metamorphose, welche Bärele selbst durchmacht; und was diesen Bär gebändigt und gezähmt, ist nichts anderes als die Allgewalt der Liebe, welche siegreich über sein scheinbar verwildertes Gemüth hereingebrochen. Wenn im „Franzefuß" aus einem Bär ein durch den Einfluß der Liebe besänftigtes und gesittigtes Gemüth sich entfaltet, so wird uns in der „Prinzessin" ein umgekehrter und doch ähnlicher Proceß vorgeführt. Aus einem verzogenen, an den Brüsten der Participial-Construction des Herrn Julius Arnstcincr großgewaäffenen Mädchen Interessen des Judenthums. wird eine ordentliche Bäuerin, und wieder durch die Macht der Liebe zu Joseph, dem ehemaligen Corporal, der ihr so werth geworden, daß sie die Partieipial-Evnstruction und den Telemaquc ins Wasser wirft, um sich mit allen Fäden ihrer Seele von den früher» Thorheiten loszureißen und ihm ganz und allein angehören zu können. Die einzelnen Stadien dieses Processes zu verfolgen ist von höchstem Interesse; aber auch in Joseph erblicken wir eine solche Umwandlung, denn er war der. erklärte Feind der „Prinzessin", wie man das Mädchen spöttisch nannte, noch bevor sie aufs Dorf gekommen war; die wenigen Zeilen, die Rosa dem Brief ihrer Mutter beigefügt, waren für Joseph hinreichend, ihr den glühendsten Haß entgegenzutragen; und wie hat er sich geändert! wie lernen sich diese beiden Seelen verstehen! Julius Arusteiner könnte das gar nicht begreifen, wenn er cs mit ansähe, wie sich seine Schülerin, Rosa, Hannele Ehrenfeld'S Tochter, von einem gewöhnlichen Dorfjungen Unterricht ertheilen läßt; aber in der „Kille", in der er lebt, befindet sich ein anderer, der für dieses Wunder bessere Augen hat, und das ist unser längstbekannter vr. Prager; er versteht es, aus dem Briefe Rofa's alles herauszulesen, was auch nicht mit ausdrücklichen Worten darinnen steht; da er Arzt ist, so weiß er danach seine Verordnungen zu treffen, und er verordnet so lange, bis die Cur vollendet ist. Der Humor Kompert's zeigt sich in dieser Darstellung am meisten in der Art, wie er sich in die Gedankenrichtung und in die abspringende, geistreich sein wollende, aber pedantische Ausdrucksweise Julius Arnsteiuer's h.ineinzuleben versteht. Der Brief des Lehrers an seine Schülerin Rosa ist ein Muster in dieser Beziehung. Noch mehr Gelegenheit zu dieser Art Humor bot den: Dichter die letzte der hierhergehörigen Darstellungen: „Julius Arnsteiner's Beschau". Es ist uns leicht erklärlich, daß Kompert sich von dieser harmlos-komischen Figur sehr angezogen und. deshalb veranlaßt fühlte, sie einmal zum Mittelpunkt eines Gemäldes zu machen, nachdem er sie uns be-

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