Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 363 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Leopold Konrpert. 367. maulfertigen Leuten gegenüber es nicht der Mühe Werth hält, das Gold seiner Rede fließen ZN lagen, so ist das Schweigen ein schöneres Gold als das Reden; doch ist es von Schlacken noch nicht ganz frei; es liegt noch etwas von Hochmnth in diesem Schweigen. Nur da, wo es seine Wurzel im Gemüth hat, wo du beleidigt wirst und aus Schonung nichts erwiderst, wo du angegriffen wirst und aus Rücksicht dich nicht vertheidigst, wo ein Wort hinreichte, das Misverständniß aufzuklären, und du eben dieses eine Wort verschweigst, da ist das Schweigen mehr Werth als Gold. Unsere Schweigerin hat es gehalten bis zum Tode. Das Wort, das ihren Lippen entflohen, hat sie mit dem Tode bezahlt. Warum sie schweigen mußte? Darüber frage die dunkle Nacht, in der es ihr als Buße auferlegt wurde, ob sie dir das Geheimniß anvertrauen will. Betrachte dies räthselvolle Paar, die fliehende, beim jungen Rabbiner Naphthali Schutz und Rath suchende bräutliche Jungfrau, und wenn dir hier nicht alles klar wird, so können auch wir dir nichts weiter verrathen. Wir nehmen Abschied von dieser unheimlichen Gestalt und treten wieder hinaus in das freie Sonnenlicht, in welchen! wir freundlichere Gestalten erblicken. Gewöhnlich denkt man sich zwar unter einem „Min" keine hesonders erfreuende Gestalt; ein Min bedeutet in der Regel so viel wie ein Heuchler. So einer aber ist es nicht, den uns Kompert in seiner Geschichte „Der Min" vorführt. Bei ihm ist der Min etwas ganz anderes; es ist blos ein Mensch, der seinen eigenen Weg geht, ohne sich um die andern viel zu kümmern, wogegen er aber auch den andern den Einblick in sein eigenes Innere aufs sorgfältigste verschließt; ferner hat er zwei Augen im Kopfe, die fähig sind zu sehen, was auf dem Wege liegt, ohne daß er die andern erst zu fragen braucht, ob es so richtig ist und ob es nicht vielleicht eine Augentäuschung sei; kurz, Kompert's Min ist nichts anderes als ein auf sich selbst gestellter Mensch, und das ist Kobi, der für einen andern auf die Beschau geht und für sich selbst die Braut nach Hause führt. Und was für eine Braut! Alle Jungen der Gasse und nicht nur dieser Gasse, sondern aller Gassen weit und breit, würden alle zehn Finger ablecken, wenn sie Mirl, die Tochter von dem Randar Josel, bekommen könnten; aber das geht nicht so leicht. Und warum? Ist Mirl. vielleicht eine Art von Turandot, die ihren Freiern Räthsel auszulösen gibt und dann, wenn diese nicht gelöst werden, die Köpfe abschlagen läßt? Das wol nicht, aber er, der Vater Reb Josel, ist ärger als Turandot, er ist ein Wolf, ein Bür, ein Tiger, ein Elefant, ein Unmensch, ein Ungeheuer und weiß Gott, was noch alles dieser stieb Josel in Einer Person ist. Er ist es, der für seine Tochter die Nüsse aufzuknacken gibt, und wehe dem Bewerber, derchier schlecht besteht. Er wird zwar nicht geköpft, aber mit Spott und Schande zur Thüre hinausgeworfen. Und in dieses Haus soll Kobi einziehen; kann man sich vorstellen, was seine Mutter Perl für Sorgen ausgestanden hat, als der Sohn auszog, um das „Geschäft" abzuwickeln! Bei den alten Rittern war es Sitte, daß nur derjenige, der den Vater in offenem Kampfe besiegt hatte, den Blick zur Tochter erheben durfte, wie dies am lieblichsten in der „Gudrun" — der deutschen Odyssee — geschildert ist. Unser Randar war zwar kein alter Ritter, doch hatte er eine ähnliche Marotte. Wer Mirl bekommen sollte, mußte auch ihn zuvor besiegt haben, und wenn auch nicht mit Schild und Speer aus offenem Kampfplatz, so doch im „Franzesuß", im trauten Kämmerlein. Und der Min hat gesiegt und führt seiner Mutter die eroberte Tochter zu. Der Min ist ein herrliches Bild voll Thatkraft. Ueber die ganze Darstellung ist ein Hauch echter Liebenswürdigkeit und geistreicher Heiterkeit ausgegossen. Man könnte dasselbe auch vom „Franzefuß" behaupten, durch welchen, nach einer merkwürdigen Verkettung der Umstünde, Bärele, des reichen Ascher und der vornehmen Hindel Sohn, endlich die arme Nähterin Lisi zum Weibe bekömmt; nur spielt hier der Schmerz 24*