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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 358

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 358 (sequence 14)
Language
German
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358 Jllustr. Monatsh. für die ges. „Kindern des Randars" mit einem vollen Accord angeschlagen, aber nicht philosophisch erledigt wurde, auch diesmal wieder nur zart und leise berührt, ohne daß sich ein religionsphilosophischer Gedankenproceß vollzieht. Hieraus soll aber dem Dichter keineswegs ein Vorwurf gemacht werden. Seine Intention ist es ja gar nicht, das religiöse Problem zu lösen, und wir dürfen ihn ja nur danach beurtheilen, wie er das, was er machen will, machen kann, mit andern Worten, ob seine Ausführung seiner Idee entspricht, ob sie sie deckt. Denn fragen wir, warum sich Emanuel taufen lassen will, so haben wir hierauf keine andere Antwort, als: wegen Klara. Daß Emanuel außer diesem Motiv auch noch andere drängende Gewalten in sich fühlte, oder noch richtiger, daß er, abgesehen von seinem Mädchen, das ihn mit magischer Gewalt hinüberzieht, und unabhängig von seiner Liebe, durch innere Zweifel und Kämpfe dahin gebracht worden wäre, aus dem Bunde seiner Väter zu scheiden, davon ist gar keine Spur aufzufinden. Ist nun der ganze Entschluß von vornherein nur durch ein Gefühlsmoment hervorgerufen worden, so reicht hinwiederum ein Gesühlsmoment völlig aus, um ihn von der Ausführung seines Vorhabens abzubringen. So weit wäre also kein Vorwurf auszusprechen, sondern nur die Thatsache zu constatiren, daß Kompert es vorzieht, das religiöse Motiv in anderer Weise als in der Durcharbeitung eines Gedankenprocesses zu verarbeiten; er geht demselben, möchte man sagen, aus dem Wege. Verhehlen läßt sich aber nicht, daß bei allen Vorzügen des Details und bei aller Vortrefflichkeit der Darstellung eine völlige Befriedigung hiermit nicht erreicht wird. Ueberdies schließt die Geschichte mit einer Dissonanz. Nicht daß die traute, heimatliche Stube über die entfernte Geliebte den Sieg davon trägt, berührt unangenehm; im Gegentheil, man fürchtet, daß es denn doch anders kommen könnte; aber mit Wehmuth fragt man sich, nochdem man Emanuel gerettet sieht: Und was wird aus Klara? Freilich tritt sie, und das ist Interessen des Judenthums. gut, in der Geschichte nicht selbst handelnd auf. Wir kennen sie nur aus den an sie gerichteten Briefen Emanuel's. Dadurch ist unser Interesse an ihr ein geringeres, aber es ist nicht ganz beseitigt, wenn der Uebelstand hierdurch-auch gemildert ist. Die Gestalt des kleinen Benjamin bildet zu dein düstern Bild Emanuel's einen erfreuenden Gegensatz; ebenso wohlthuend ist die kräftige Gestalt des „Dorfgehers"; aber von leuchtender Schönheit, von alles vergoldender und verklärender Glorie ist sie, die Mutter nämlich, die den verlorenen Sohn in den Schos der Seinigen zurückführt. Den jungen Emanuel dürfen wir aber nicht so leicht vergessen. Er ist ein Arzt geworden und wirkt als vr. Prager thätig in seinem Beruf. Kompert hat dafür gesorgt, daß wir ihm noch manchmal begegnen werden. Am erschütterndsten hat Kompert das religiöse Motiv in der Geschichte „Eine Verlorene" behandelt. In den „Kindern des Randars" svwol wie im „Dorfgeher" wird das Motiv so weit entwickelt, daß der Bruch unvermeidlich erscheint, aber — er wird verhütet. Dort ist es° der Bruder, hier die Mutter, welche die Schwester oder den Sohn mit weit aufgethanen Armen aufnehmen und zurückführen. In der „Verlorenen" hingegen ist der Bruch vollzogen. „Ein Kind ist aus dem Hause gegangen", Dinah, die Tochter jüdischer Aeltern, die Schwester des Dorfjuden Joffes, existirt nicht mehr, sie ist gestorben, man ist um sie „Schiwe" gesessen; es lebt nur noch eine gewisse Madlena, das Weib eines Bauers, welches die ganze Woche unter schwerer Arbeit keucht und am Sonntag in die Kirche geht. Hier hat Kompert einmal die Frage mit beherztem Finger angegriffen und hat es versucht, den Riß, der im jüdischen Leben an: wehesten verwundet, in seinen Conscquenzen darzustellen. Mit feiner psychologischer Wahrheit aber hat er das eigentlich religiöse Motiv in das Gebiet des Socialen hinübergespielt; er hat, wenn man will, das religiöse Motiv in ein sociales verwandelt, da er es unter der Form eines solchen

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