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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 354

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 354 (sequence 10)
Language
German
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354 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. lichc Garderobe zusammmklaubt und das schwarze Maicrl hcrausstaffirt, daß er nach der Versicherung unsers Dichters aussah, „wie einer jener Könige aus frühern Zeiten, von denen die Sage geht, daß sic sich mit der Krone auf dem Haupt zu Bett legten!" Mit dem ergreifenden „Alt-Babele" haben wir vom preßburgcr Ghetto Abschied genommen. Kompert führt uns jetzt aus diesem engen Kreise heraus, um uns in einen noch cngern hineinzuführen. Es tönt uns daraus die Sprache seiner Heimat entgegen, wenn dies auch nicht ausdrücklich gesagt ist. Von Franzosen und langen Landtags- Herren haben wir hier nichts zu fürchten, aber desto schärfer lauern Neid nnd Haß innerhalb der dunkeln „Gasse". Er führt uns eine im Ghetto allgemein bekannte Gestalt vor, einen „Schleimet". Wir sagen, einen Schleimet, denn der Dichter, nach dessen eigenem, von tiefer Einsicht und Menschenkenntnis; zeugenden Ausspruche „der letzte Mensch, der einst zu dieser Welt hinausgehen wird, auch der letzte Schleime! sein wird", hätte alle Unbeholfenheilen und linkische Handlungsweisen aller Menschen, die vor ihm waren und nach ihm sein werden, zusammenfassen müssen, wenn er d en Schlcmiel zu zeichnen beabsichtigt haben würde. Sollte inan cs glauben, daß das Schicksal eines Menschen manchmal an keinem andern Dinge hängt als an einem unscheinbaren Nägelchen? Man kann lachen darüber und meinen, ein Nägelchcn sei höchstens gut genug, um einen Rock und, wenn's hoch kommt, das Bild eines Menschen daran aufzuhängen, aber so eine schwere Sache wie das Schicksal eines Menschen, eine Sache, die so schwer ist, daß sie ein starker Mensch sehr oft nicht rragen kann, sondern von der fürchterlichen Last zu Boden gedrückt, ja jämmerlich zertreten wird, so ein Schicksal sollte an einem „Nägele" hängen? Man kann, wie gesagt, lachen darüber, aber dennoch bleibt es eine ausgemachte Sache, daß Schlomeh Katz mit all seiner Pfiffigkeit doch niemals mit einem seinen Schlafrock bekleidet und mit einer silberbeschlagencn Pfeife im Munde aus dem Fenster dieses schönen Hauses herausgesehen hätte, wenn in der gebratenen Gans, die Anschel am Schabbes mit Weib und Kind in Friede und Freude verzehren wollte, um das Andenken an seine Hochzeit mit Esther zu feiern, nicht just ein Nägele wäre gefunden worden. Und das ist das Merkwürdige: ein Nägele an der Wand ist doch wenigstens fest und kann schon etwas aushalten; aber ein Nägele im Innern einer gebratenen Gans, wie soll inan da daran etwas aufhängen? Und gerade an diesem Nägele hing Auschel's Schicksal. Denn alles wäre sonst gut gewesen. Daß Anschel bei der Bar- Mizweh gerade beim „Leinen" vorn Scheinet herabgcfallcn, daß er die Bäuerinnen nicht gut in die Wangen zu kneipen verstand, daß er im Geschäft bald zu viel, bald zu tief in den Zeug schnitt, daß er beim Tode seines Vaters gezittert und der Schamcs ihn bei dem gebräuchlichen Traucrriß mit dem Messer in die Hand geschnitten, das alles hätte er verwunden. Ja daß ihm Schlomch Katz, sein ärgster Feind, sogar die Braut, die ihm vom „Schadchen" zugedacht war, vor der Nase weggeschnappt, ärgerte ihn gar nicht, obwol er in der ersten Aufwallung seines Zorns ihn „Schuft" geheißen; und warum sollte ihn dies auch ärgern? hatte er nicht seine Esther, und liebte er sie nicht, und wurde er nicht von ihr geliebt? Anschel hätte können der glücklichste Mensch von der Welt sein; und wenn man von seiner Esther in der Weiberschule auch sagte, sie wisse nicht, was Anstand sei, und wenn man sie auch für einen Krüppel hielt, daran brauchte ihm nichts zu liegen, er kannte sie.besser. Und wenn auch das Geschäft anfing herunterzugehen, und wenn er selbst die goldene Kette seiner Esther versetzen mußte, mit einem Worte, daß er überall als „Schleimet" bezeichnet wurde, er konnte sich über alles das hinaussetzen, und warum nicht? Hielt sie ihn doch für keinen Schleimet! Hätte sie ihn denn sonst genommen? Wer wird sich an einen Menschen ketten, von dem es feststeht, daß in seiner Hand Gold zu Blei wird, und wenn sie die ärmste war, ist sie auch

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