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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 353

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 353 (sequence 9)
Language
German
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Leopold Kompert. 353 wie eine Klatschrose, wenn man ihr von der lästigen „Franzosenzeit" spricht. Ein Mädchen, das seine Jungfräulichkeit opfert, ist an und für sich kein erfreuend schöner Gegenstand; die Größe der Idee, für welche sie ihren besten Schatz in die Schanze schlägt, kann uns aber ihre selbstverleugnende That im erhabenen Licht darstellen, und wir werden sie bewundern, wenn wir uns von ihr auch nicht angezogen fühlen; wir werden durch den Anblick des Gewaltigen und Erhabenen für die Einbuße an reiner Schönheit entschädigt. Aber oann ist der tragische Untergang nach vollbrachter Heldenthat eine poetische Nothwendigkeit. Das behagliche Fortbestehen dieses Weibes, als ob sich mit ihr nicht das Gewaltigste ereignet hätte, was im Leben des Weibes eintreffen kann, macht uns hingegen einen peinlichen Eindruck. So viel über die Hauptperson. Im übrigen sind die Charaktere mit großer Naturwahrheit gezeichnet, und wir werden durch die vortrefflichen Details, worin überhaupt Kompert's Meisterschaft liegt, für die nicht nach unserm Geschmack durchgeführte Handlung reichlich entschädigt. Wenn „Judith die Zweite" erschütternd wirkt, so ist das „Alt-Babele" rührend; rührend nicht in dem misbrauchten Sinne der Rührkomödie, sondern rührend im guten und edeln Sinne, ergreifend, wie nur das wahre, echte Gefühl ergreifen kann. Nicht daß wir uns am Krankenbett eines Knaben befinden, der, für seinen Muthwillen und für seine wilde Ausgelassenheit gezüchtigt, die gebührende Strafe erleidet, ist es, was uns die Thränen ins Auge preßt, sondern das, was sich hier am Krankenbett vollzieht, die Wandlung und Läuterung eines jugendlichen Müdchenherzens, welches alle die Schicksale der wahnsinnig gewordenen Hendel mit unaufhaltsamer Macht erbarmungslos auf sich Hereinbrechen sieht. Nicht der kranke Bruder, sondern die mehr kranke Schwester ist es, die unsere volle Theilnahme in Anspruch nimmt. Das schwarze Maierl wird wieder gesund werden, Blut läßt sich wegwischen und abtrocknen, und die Wunde wird heilen, das fühlen wir. und wir sind beruhigt; aber Golde die Schwester, die an seinem Bett sitzt und von dem langen Landtagsherrn, der draußen vor der Thür steht, ungeduldig erwartet wird, sie ist es, die uns die beängstigende Frage auf die Lippe treibt: Wird sie fallen? oder ist es noch Zeit, sie zu halten, daß sie aufrecht stehen bleibt? Wird sie einst auch als eine Wahnsinnige über die Gasse rennen wie „meschugeh" Hendel, und werden auch ihr die Kinder einmal Nachrufen: Golde, wo ist dein Kind? Welch ein Wunder liegt doch in dem Worte des „Alt-Babele". Sowie das „Alt-Babele" beginnt ihr „Maißele" von Paltiel Wolf und von Hendel zu erzählen, was überkommt uns da plötzlich eine selige Beruhigung, ein sicherer Trost, eine verbriefte lind versiegelte Gewißheit, daß wir auch für Golde nichts mehr zu fürchten haben! Das zu erklären ist keiner im Stande, der das „Alt- Babele" in seinem ganzen Leben nicht selber sprechen gehört hat. Das „Alt- Babele" kann man aus keinem gelehrten Brich begreifen lernen, und wenn sich auch ein großer Professor hinsetzte und eine dicke Definition von so und so viel Druckbogen darüber schriebe; wer das „Alt-Babele" verstehen will, muß hineingehen ins Ghetto, drinnen muß er es aufsnchen und den Erzählungen und Geschichten mit offenen Ohren lauschen, und dann wied er das Wunder begreifen, wie wenn es ein Naturgesetz wäre; dann wird er Ursache und Wirkung ermittelt haben und einsehen, daß ein Enkelkind nicht verloren geht trotz allen Zuraten und Landtagsherren mit ihrem großen Glanz und ihrer großen Pracht, solange das „Alt-Babele" lebt, welches so gut und eindringlich zu sprechen vermag. In die ergreifende Darstellung hat der Dichter manchen humoristischen Zug einfließen lassen, der nur darum ein wirkliches Lachen nicht aufkommen läßt, weil man zu sehr von dein Ernst der Situation eingenommen ist. Wir meinen die Art und Weise, wie das „Alt- Babele", in Schrecken, daß ihr„Jnigel" ohne „Arbe-Kanfes" und ohne Kopfbedeckung daliege, schnell eine wunder-

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