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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 347

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 347 (sequence 3)
Language
German
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Leopold Kompert. 347 ich mich furcht'? Sucht Eure Heerstraße; ich aber muß da hinein, ich kann nicht anders. Und kaum hatte er dies gesprochen, war er auch schon weg. Wir meinten nicht anders, als daß ein böser Zauberer ihn in seinem Bann halte, wir dachten an den sinnreichen Junker von La Manch« und an die Höhle des Montesinos, wir beweinten sein Schicksal, denn wir hofften nicht mehr, ihn jemals wiederzusehen. Mit Mühe und Nvth suchten wir, so gut wir konnten, von dem finstern Orte wegzukommen. Wir tasteten uns durch und erreichteil nach unbeschreiblicher Anstrengung die Heerstraße; und wen sehen wir da? Unser Männlein schreitet da rüstig lind fürbaß weiter wie ein gemüthlicher Wanderer, der eben den Weg aus dem nächsten Dorf daher genommen hätte, und wie er uns erblickt, bleibt er stehen und ruft: Jetzt bi» ich ein reicher Mann; ich habe eineil Schatz entdeckt, ein ganzes Bergwerk. — Dukatemnünnchen! Dukatenmännchen! rufen wir ihm zu lind lächeln ungläubig, da uns seine Mittheilung von dem großen Schatz wie ein Märchen vorkam. Er aber nimmt sein Ränzlein vom Rücken, schüttet es aus und sagt: Da habt Jhr's, ungläubiges Volk! und was da aus dem Ränzlein hervorkollerte, war in der That nichts anderes als Helles, blankes Gold und glänzendes Edelgestein. Der Glanz blendete so sehr mein Auge, daß ich darüber erwacht bin, aber noch jetzt leuchtet» lnir vor den Allgen, ich weiß nicht wie. Und jetzt", fügte mein Freund hinzu, nachdem er die Erzählung dieses merkwürdigen Traums geendet hatte, „jetzt kannst du lachen, soviel du willst, wenn du hieran etwas lächerlich findest." Der Traum hatte mich wirklich ernst gestimmt, und um meinem Freunde zu zeigen, daß ich die Absicht habe, das Unrecht wieder gut zu machen, das ich ihm zugefügt, sagte ich: „Da gibt es gar nichts zu lachen, und der Traum ist auch eill bischen mehr tverth als fünfzehn Kreuzer!" „Wie so?" fragte mein wieder versöhnter Freund. „Das will ich dir gleich sagen", erwiderte ich. „Wer alle diejenigen waren, die an der räthselhaften Wanderung theilgenvmmen, das weiß ich nicht, das ist aber auch ganz gleichgültig; das Männchen init den Siebenmeilenstiefeln hingegen und mit den großen Schätzen, das kenn' ich ganz genau." „Jst's möglich?" fragte mein Freund, der sich vor Ueberraschung kaum zu fassen wußte, und dein ich es ansah, daß er mir meinen frühern Unglauben zurückzahleil wolle, denn er wiederholte bedeutsam die Frage: „Jst's möglich?" und fügte noch hinzu: „Wie man sich in einem Menschen irren kann! Sv wärst du also doch ein Traumdeuter! Schade, daß ich kein Pharao von Aegypten bin, der dir's mit einem Bieekönigthum belohnen kann!" „Laß diese Ironie", erwiderte ich, „und höre erst, ob ich dir dein räthselhaftes Männchen nicht richtig beschreiben kann. Ich will dir seine ganze Lebensgeschichte erzählen." „Die weißt du?" fragte er erstaunt. „Wie meine eigene", gab ich zur Antwort. Mein Freund ließ sich nun beruhigt nieder, und ich begann: „Boil Bergesketten umfriedet, die aus Erz gemacht und von Riesen gebaut sind, liegt im Norden ein Land, und das ist Böhmen. Daselbst heißt ein Ort Mim chengrütz, und in diesem Orte wurde am 15. Mai Ü-Z22 ein Knüblein geboren. Die Mutter dieses Knübleins, ineinst du, das war vielleicht eine gewöhnliche Frau, so wie die meisten Frauen sind? und der Großvater desselben, das war dir auch kein gewöhnlicher Mensch, so wie andere Großväter: die beiden haben das Knäblein gehütet und bewacht wie den Augapfel, und das mit Recht, denn daS Kind wuchs heran, und auch an dem Kinde zeigte sich's gar bald, daß es! kein gewöhnliches Kind sei. Der strengere Baker freilich meinte gar manchmal, die Mutter verzärtle das Kind durch allzu große Nachgiebigkeit; sie aber sagte: Laß du mich nur, ich weiß, was ich thue. Mit dem Kinde darf mail gar nicht anders reden! Und sein Großvater, das war ein Tausendkünstler, denn er verstand sich auf alles. Der konnte ebenso gut vorbe- 23*

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