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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 346

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 346 (sequence 2)
Language
German
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346 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. losigkeit und das Nichtssagende der Träume zu bezeichnen pflegt. Mein Freund schien mit dieser Ironie keineswegs zufrieden. Ich konnte dies sehr leicht an dem ernsten Ausdruck seiner Physiognomie ablescn; ich fühlte, daß ich mich rechtfertigen müsse, und deshalh sprach ich: „Hältst du mich vielleicht für einen Zeichen- oder Traumdcuter, daß du mir deinen Traum erzählen willst?"— „Ich habe dich zur Deutung desselben noch nicht aufgefordert", sprach mein beleidigter Freund, „aber davon bin sch überzeugt, daß dir der Traum ebenso merkwürdig Vorkommen wird wie mir; doch lassen wir es, du willst ihn ja nicht einmal anhören." Diese Wendung stimmte mich um. Ich weiß selbst nicht, wie es kam, aber ich brannte bereits vorBegierde, den Traum zu hören, und in der Furcht, mein erzürnter Freund könne jetzt den Empfindlichen spielen und fortgehen, ohne mir das Gesicht zu enthüllen, das er als so merkwürdig bezeichnet, sperrte ich rasch die Thüre ab und sagte: „Wir sind jetzt ungestört, du kannst beginnen. „Du willst also höre»?" fragte er fast ungläubig. — „Gewiß", antwortete ich, du mußt ja doch auch Scherz verstehen!" „Gut denn", begann er nun, „so höre. Wir gingen einen weiten, weiten Weg..." „Wer?" fragte ich. „Ich und noch andere", erwiderte er; „ich kann dir die Namen nicht nennen, denn ich kenne sie nicht, und kann dir die Personen nicht beschreiben, denn diese Aeußerlichkeiten sind in mir ganz weggewischt, so sehr bin ich gefesselt von dem, was sich ereignete. Genug, wir waren mehrere und gingen weit, sehr weit. Einer jedoch blieb oft zurück, während die andern vorwärts eilten, obwol eigentlich niemand das Ziel im Auge hatte, das wir erreichen sollten. Ost bog er seitwärts ein, bückte sich zur Erde und nahm etwas in die Hand, besah es prüfend, blies den Staub davon weg, schien sich damit zu freuen und steckte es vergnügt in die Tasche. Und wenn wir, die wir indessen einen großen Vorsprung vor ihm haben mußten, rückwärts blickten, um nach unserm Genossen umzuschauen — wo war der? — rein wie verschwunden; er war nicht inehr hinter uns, er war uns weit vor, und anstatt daß er uns einholen sollte, mußten wir uns abmühen, ihm nachzukommen. Während wir ihm nachgingen, hatte er wieder Zeit gewonnen zu etlichen Seitensprüngen, und nun konnten wir genau das frühere Schauspiel sich wiederholen sehen. Wieder bückte er sich zur Erde, hob etwas auf, drehte und wendete es nach allen Seiten, blies den Staub davon weg und steckte es in die Tasche. Sein Thun und Treiben war uns unverständlich, noch mehr die wunderbare Art und Weise seines raschen Weiterkommens; denn wieder hatten' wir ihn bereits lange Zeit im Rücken, und als wir nach ihm zurückblickten, um uns nicht allzu weit aus seinen Augen zu verlieren, da war wieder von ihm keine Spur, sondern er war uns wieder um ein gutes Stück voraus, gerade als ob er Siebenmeilenstiefel gehabt hätte. Einer von uns wagte endlich dem wunderlichen Menschen zuzurufen: Was machst du da, und was hast du da in der Hand? Hierüber erschrocken, ließ dieser etwas fallen, und wir sahen einen Glanz auf der Erde wie von funkelnden Rubinen. Die Kieselsteine schienen alle Strahlen der Sonne in sich eingesogen zu haben, nachdem er sie mit seinen Händen berührt und den Staub von ihnen weggeblasen hatte. Eine Antwort gab er nicht. Wir schritten schweigend weiter. Endlich kamen Nur an einen dunkeln Ort, es wurde immer finsterer, und es beschlich uns Bangigkeit. Hier muß ich hinein! rief das Männchen jetzt; da hinein muß ich in diese Höhle, das ist der Ort! — Wo ist hier eine Höhle? fragten wir; man sieht ja kann! ans zwei Schritte Entfernung! — Wenn Ihr nichts seht, sagte das Männlein, so kann ich nichts dafür; ich aber seh', wie am hell' lichten Tag, und es kann gar nirgends leuchtender sein, wie es mir da 'entgegenleuchtet. — Du fällst in einen bösen Sumpf! warnten wir; bleibe lieber mit den andern und laß uns die große Heerstraße aufsuchen. Wir haben uns verirrt und müssen sehen, wie wir da wieder herauskommen. Gr aber antwortete: Glaubt Ihr vielleicht, daß

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