Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 343 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Tagesgeschichte. 343 Chronik. Zur TWMchjchte. Deutschland. Preußen. In der Sitzung des Herrenhauses vom 14. Juni erklärte Herr v. Senfft- Pilsach: „Die Menge von Fortschrrttszeitungen, welche von jüdischen Literaten geschrieben werden, sind unsere größte Calamität. Diese stehen in Verbindung mit dem enormen Geldreichthum eines fremden Volkes, welches in ganz Europa verbreitet ist, in Massen immer mehr bei uns einwandert und in kurzer Zeit große Vermögen aus preußischem Geld sich erworben hat. Man spricht auch von der öffentlichen Meinung.*Meine Herren! Ich kann hier im Hause nicht das rechte Wort wählen, mit welcher Art Weibsbild ich die öffentliche Meinung vergleichen möchte." — Ein Commentar ist überflüssig. Hannover. Eine israelitische Delegirten- Versammlung hat beschlossen, die Synagogengemeinden zu veranlassen, daß sie Petitionen an die Ständeversammlung richten, um das passive Wahlrecht, welches den Juden durch Verordnung vom Jahre 1855 entzogen worden ist, wieder zu erlangen. Frankfurt a. M. Bei den jüngsten Wahlen zu der ständigen Bürgerrepräfentation sind zum ersten mal auch zwei Juden in das Collegium gewählt worden. Würtemberg. Bei der Debatte in der Ständeversammlung über den Staatsbeitrag zur israelitischen „Central-Kirchenkasse" wurde von einem Abgeordneten der Ständeversammlung darauf aufmerksam gemacht, daß die zu ausgedehnten Rechte der israelitischen Oberkirchenbehörde vielen Israeliten zum 'Anstoß gereichen, worauf der Minister von Golther die Erklärung abgab, daß die Frage über die kirchlichen Verhältnisse der Israeliten bereits in Verhandlung sei und es sich darum handle, die Reform im Sinne einer größern Autonomie der Gemeinden eintreten zu lassen. Instand. England. Es circulirt ein Ausspruch Sir- Moses Montesiore's über den Tod Lincoln's. „Abraham Lincoln", lautet derselbe, „hat die Sklaven von ihren Fesseln befreit und fiel; ich wollte, Gott hätte mir die Kraft und Energie dieses Mannes verliehen, damit ich die Bande meines Volks lösen könnte, ich würde gern einen Tod wie dieser Abraham erleiden, es war der Tod des Gerechten. Nun sind die Schwarzen frei und werden, so Gott will, es bleiben; o, vermöchte ich das von Israel zu sagen! Im Lande des gewaltigen Zaren, in Marokko, in hundert und tausend Ländern harren meine Brüder ihres Abraham Lincoln." Frankreich. Der zweite Artikel des neuen algierischenColonisations-Gesetzes lautet: „Der eingeborene Israelit ist nichtsdestoweniger Franzose, er führt fort nach seinem persönlichen Statut regiert zu werden. Er kann zugelassen werden in der ^and- und See-Armee zu dienen. Er kann zu Civil-Aemtern in Algerien ernannt werden. Er kann auf sein Verlangen zugelassen werden zu den Rechten eines französischen Bürgers; in diesem Fall wird er nach.französischem Gesetz regiert." Schweiz. Die Vorschläge, die der Bundesrath der Bundesversammlung bezüglich der Verfassungsrevision machte, sind: 1) Recht zur Niederlassung für die Schweizerbürger ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntnis 2) Recht zur Niederlassung gleich allen Schweizerbürgern für die naturalisirten Schweizerbürger. 3) Einsetzung der niedergelassenen Schweizerbürger in das Stimmrecht in Gemeindeangelegenheiten überall, wo die Eingesessenen des Eantons dasselbe genießen, und unter den gleichen Bedingungen, jedoch erst nach einem Aufenthalt in der Gemeinde von zwei Jabren. 4) Schutz der Niedergelassenen gegenüber der doppelten Inanspruchnahme von seiten des Niederlassungs- und Heimatscantons. 5) Gleichstellung der Schweizerbürger ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntniß mit den Bürgern der Eantone, in welchen sie sich befinden, sowol in der Gesetzgebung als im gerichtlichen Verfahren. 6) Freie Ausübung des Gottesdienstes für alle Religionsbekenntnisse, sofern solche weder in ihrem Zweck noch in ihren Mitteln sich als rechtswidrig oder staatsgefährlich erzeigen. 7) Wahlfähigkeit aller stimmberechtigten Schweizer in den National- und Bundesrath, jedoch mit der Bestimmung, daß Geistliche aus dem geistlichen Stande austreten müssen. Persomlnachnchten. Krkrolog. Herr vr. I. Wallerstein (Zögling des breslauer Seminars) ist von der Gemeinde Danzig zu ihrem Rabbiner und Prediger gewählt worden. Herr Ernst Wehli in Prag hat nach sechzehnjähriger Wirksamkeit sein Vorsteheramt niedergelegt. Unter den zahlreichen Anerkennungszeichen, die dem Scheidenden geworden, ist namentlich ein ehrendes Anerkennungsschreiben der k. k. Statthalterei des Königreichs Böhmen hervorzuheben.