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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 341

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 341 (sequence 77)
Language
German
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Pädagogische Briefe. 341 Zephan. 1, 8, „Söhne des Königs", kann nach Knobel auf die Söhne der Vorgänger Josiah's oder sogar auf seine eigenen beiden ersten Söhne, also auf die Zeit vor dessen 12. Jahr bezogen werden; nach Philippson kann der Prophet nur die Söhne Josiah's und nur in erwachsenem Zustande meinen und darum nur nach dem 12. Jahre gesprochen haben. Daß der Prophet gegen den Götzendienst eifert, haben sehr viele (Knobel findet darin blos „seine Annahme bestätigt") als das wichtigste Argument für die Zeit vor dem 12. Jahre des Fosiah angesehen, da nach der religiösen Reform, die zuvörderst die Abschaffung des Götzendienstes 'zum Zwecke hatte, der Prophet nicht mit so strengen Worten denselben batte rügen können. Indessen dürfen die Worte „die Reste des Baal" (1, 4) nicht leicht übersehen werden; ich glaube, daß sie sehr treffend auf die Zeit nach dem 12. Jahre des Josiah deuten. Was Knobel dagegen einwendet, ist apologetischer Natur und kann durchaus nicht überzeugen. Haggai. Dieser Prophet lebte nach der babylonischen Gefangenschaft. Nach der Ueberschrift des nach ihm genannten Buches war er im 2. Jahre des Darius (vermutlich Hystaspes) wirksam. Der Inhalt des Buches stimmt mit der angegebenen Zeit überein. Secharjah. Er weissagte um dieselbe Zeit wie Haggai; dieser trat im sechsten, Secharjah im achten Monate des 2. Regierungsjahres des Darius auf. ° Male achi. Er ist der letzte der zwölf kleinen Propheten, sowol der Ordnung als der Zeit nach. Unstreitig füllt seine Wirk-! samkeit in die Zeit nach Haggai und Secharjah; der Wiederaufbau des Tempels, zu! welchem diese beiden aneifern, ist unter ihm bereits vollendet. Unterrichts- und MWgrsche Mete von vr. Samuel Mühsam. ii. Es gibt, lieber Freund, directe Mittet, das Kind heranzubilden, und indirecte. Die Schule erzieht direct, das Aelternhaus indirect. Der Zweck ist bei beiden derselbe: Während die Schule das Kind mit Kenntnissen bereichert, auf daß es sich und der Menschheit nützlich werde, räumt das Aelternhaus alles aus dem Wege, was das Kind verhindern könnte, nützlich zu werden. Was der Schule der Unterricht ist, das ist analog das Beispiel der Aeltern in der häuslichen Erziehung. Man will den directen Mitteln der Schule einen größern Antheil an der Entwickelung der Kindesseele zuschreiben, als den indirecten des Aelternhauses. Das ist ein Jrrthum, den zumeist die Aeltern hegen, und besonders solche, die über ihre Pflichten als Erzieher ihrer Kinder nicht ganz im Klaren sind; sie sorgen für gute Lehrer und rüsten das Kind mit Lebensregeln aus, die sie als die Ergebnisse ihrer vieljährigen Erfahrung gesammelt und erprobt. Das allein, glauben sie, sei ihres Berufes, das allein das Nothwendigste. und Ersprießlichste für das Kind. Wäre das Kind eine Maschine, die nach Willkür in Ruhe oder Bewegung erhalten werden kann, dann hätten die Aeltern vielleicht recht, den Unterricht, den das Kind genießt, als die erste und wichtigste Bedingung für seine geistige Fortentwickelung anzusehen; indessen ist das Kind mehr als Maschine, und der Unterricht ist nicht allmächtig. Ersiehnngswesen. Ich wage es zu behaupten, daß das Beispiel der Aeltern, also das indirecte Mittel in der häuslichen Erziehung, von größer::: Einflüsse auf das Kind ist als alle directen Lehren, die ihm die Schule gibt. Das werden mir die Theoretiker streitig machen. Die Theorien der Pädagogik stehen aber dev Praxis der Erziehung gerade so gegenüber, als Theorie und Praxis auf andern Gebieten, d. h. die Erfahrung weist zuviel Abweichungen von der Regel auf, als daß . sie von der Theorie als Ausnahmen dürften bezeichnet werden. Die Theorie lehrt: Die eigentliche Erziehung ist nur die, wo mit Absicht und Bewußtsein auf das Kind gewirkt wird; mittels einer solchen muß das Kind seiner Menschlichkeit entgegengeführt werden. Die Eonsequenz ist, daß die Theorie, wenn sie nicht in Widerspruch gerathen soll, alles, was nicht mit Absicht und Bewußtsein geschieht, für die Entwickelung des Kindes als nebensächlich betrachten muß, also auch das Vorbild, das dem Kinde geboten wird. In der Praxis stellt sich die Sache anders heraus. Wer mit unparteiischer Hand in die tägliche Erfahrung hineingreift, wird finden, daß Kinder, welche von den tüchtigsten, gewissenhaftesten und musterhaftesten Lehrern sind erzogen worden, dennoch blos, sozusagen, die Reife des Geistes, nicht aber die des Herzens davongetragen. Ist etwa jene Klasse Menschen selten, die alles, sogar große Gelehrte eher sein können als Menschen? Dem oberflächlichen Auge bleiben solche Misgeburten der Erziehung Probleme, deren einzig mögliche Lösung in einer pessimistischen Weltanschauung liegt. Welche Versündigung gegen die Menschennatur! Blättert nur nach in der

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