Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 331 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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Monats-Revue. 331 und Anordnung desselben, Verfasser und die Frage, ob dieser Midrasch schon bei seinem Entstehen niedergeschrieben wurde; 3) die Sprache des Sifra, die Art seiner Auslegungen und die Erörterung über die Zusätze im Lauf der Zeiten; 4) das Verhältnis des Sisra zu den Traditionsschriften; 5) welchem Autor das Sifra zugeschrieben wurde; 6) Gang des Werkes in Bezug auf die Agada; 7) Abraham ben David's Commentar über Sifra; 8) Stil und Methode des Commentars; 9) das Wesen der Glossen des Herausgebers. Aus diesen Forschungen ergibt sich, daß „ Sifra über Leviticus" ein uraltes traditionales Werk aus dem Anfänge des 3. Jahrhunderts ist, worin die Entwickelung und Herleitung der Halachas aus dem Schrifttext des 3. Buchs Mose, das an gesetzlichen Vorschriften so reich ist, gezeigt wird, während die Mischna und die Tosifta die Halachas schon abgelöst von der Schrift geben, ohne den Einblick in ihre Entstehung zu gewähren. Was der Sifra- Verfasser für die aus Leviticus zu schöpfenden Halachas geleistet, hat vorher bereits R. Jischmael unter dem Namen „Mechilta" für die aus Exodus gethan; diese Weise, aus der Schrift nach gewissen logischen Normen die Halachas zu entwickeln, war das erste exegetische theologische Studium, das die Sage schon auf Esra zurückführt. Dem Rabbi Akiba wird bereits eine solche Exegese des Fünsbuches für die Halacha und Agada (Midrasch-Halachot und Agadot), und dann ein Mischna-Werk zugeschrieben, und aus vielen späteren Spuren ist noch erkennbar, daß früher das ganze Studium der Tradition im Midrasch Ha-Tora bestanden hat. Der einfache talmudische Name Sifra im Talmud, das heißt Buch, weist bereits auf eine frühe Zeit, und der Beisatz debe-Rab daselbst zeigt uns, daß es in der Schule Rab's vorgetragen wurde, ohne daß man dadurch allein, wie Scherira es gethan, Rab als Verfasser anzunehmen hat. Aus vielen Stellen des Talmud aber, die aus Sifra entnommen sind, wird es klar, daß Rab wirklich der Verfasser und daß der Mischna-Verfasser Jehuda, der Lehrer Rab's, nicht den Halachas des Sifra entgegen sein konnte. Dazu kommt noch, daß alle darin angeführten Autoritäten nur bis auf Rabbi Chajja (nicht Chijja), den Lehrer Rab's, reichen und viele in Sifra anonym angeführte Stellen im Midrasch Rabba dem Rabbi Chajja zugeschrieben werden. Daß dieses alte Midrasch-Werk übrigens durch die Mischna und später durch den Talmud nicht sehr verbreitet war, wird man natürlich finden, und das ist auch der Grund vielfacher Einschiebungen und Zusätze wie auch der sprachlichen Aenderungen. Späterer Zusatz zu Sifra ist „Agadat Milluim", d. h. die „Barajta oder der Midrasch zu Lev. 8, 1—36", worin von Ahron's Amtseinsetzung (Milluim) gehandelt wird, in unserer Ausgabe (40) „Mechilta de- Milluim" genannt. Schon Reschi nennt dieses Stück die zu Sifra hinzugekommenen Barajta; Abraham ben David benennt es Agada, und Nachmani bezeichnet es als Tosifta. Umgekehrt fehlte aus unbekanntem Grunde in den alten Ausgaben der Midrasch zu den Abschnitten über die Jncestgesetze (Lev. 5,18—20), welche zu Sifra offenbar gehört und dem Rabed und Nachmani auch Vorgelegen haben. Der erste Commentator, welcher sie nach dem Jalkut aufnahm, war Ahron ben Chajjim in Korban Ahron (Venedig, 1609, Fol.); hier in dieser Ausgabe (Bl. 85, ck) find die einzelnen Agadas nach dem Rabed geordnet. Das Verhältniß des Sifra zur Mischna, Barajta oder Tosifta ist wie das der discussiven Ermittelung zum nackten Ergebniß und geht daher das Sifra der Mischna u. s. w. voran oder ist wenigstens gleichzeitig entstanden. Es würde uns jedoch zu weit führen, mehr über die Ermittelungen von Weiß in Bezug auf das Sifra zu reseriren; auch auf das, was er in Bezug auf den Commentator Abraham ben David (Rabed) zusammenstellt und ermittelt, kann hier nur hingewiesen werden, da hier die Erscheinungen nur die Revue zu passiven haben. Im allgemeinen können wir den Lesern sagen, daß es eine Musterausgabe ist, und daß der trefflichen kritischen Leistung des Herrn Weiß der ausgezeichnete prachtvolle Druck von Schloßberg entspricht, welcher durch Verlag dieses Werkes sich um die alte Lraditionale Literatur ein besonderes Verdienst erworben hat. 18) „Sifre debe Rab", d. h. der „älteste halachische und agadische Midrasch zum 4. und 5. Buche Mose". Nach Druckwerken und Handschriften herausgegeben, mit kritischen Noten, Erklärungen, Jndices und einer ausführlichen Einleitung versehen von M. Friedmann, Bibliothekar und Rector am Bet ha-Midrasch zu Wien. Erster Theil, Text, Noten und Erklärungen enthaltend. (Wien, Herzfeld und Bauer, 1864, 8. Preis 1 Thlr. 20 Sgr.) Diese kritische und sehr werthvoll- Ausgabe des Sifre (syrischer Plural für Sifrin) schließt sich der Weiß'fchen des Sifra würdig an, und fast scheint Friedmann noch mehr sich seiner kritischen Aufgabe bewußt. In seinen Kritiken und Erklärungen, genannt „Meir Ajin" werden neben den ausführlichsten und präcisesten Nachweisen auf die beiden Talmude, auf Tosifta, Mechilta, Sifra, Midraschim und Targumim noch die besten beglaubigten Lesewten und kritischen Correctionen wie auch die Erläuterung schwieriger Sätze gegeben. In feiner aus 7 Kapiteln bestehenden Einleitung gibt Friedmann die Quellen an, wodurch es ihm gelungen, einen kritisch geläuterten uud beglaubigten Text herzustellen, nämlich außer den Anführungen in der talmudischen und midraschischen Literatur noch durch das Sammelwerk Jalkut! Schim'oni, den „Lekach Thob" oder die kleine! Pesikta zum Fünfbuche und den fünf Megillot,! namentlich aber durch den handschriftlichen, in - der Hofbibliothek liegenden Commentar über Sifra und Sifre von Hillel ben Eljakim,