Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 328

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 328 (sequence 64)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2417805-2417806-2417810--340-2418179
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

328 Jllustr. Monatsh. für die ges. dischen Leben wurzelnde Handlung erfunden, deren einzelne Phasen genau denen des benutzten Gedichts analog durchgeführt sind. Der Strophenbau ist streng beibehalten, und nur im Rhythmus hat sich der Verfasser die dem Parodiker zustehende Freiheit erlaubt. Die Sprache ist in manchen Strophen voll Leben, namentlich die erste Hälfte des Gedichts stießt ohne allen Zwang, natürlich ab; gegen das Ende tritt eine gewisse Mattheit ein. Die Strenge, die sich der Verfasser aufgelegt, kein einziges Moment des Gedichts unbenutzt zu lassen, ist aber nicht durchgängig mit vollständig zwangloser Behandlung zu vereinen. In welcher Weise der Verfasser zu Werke gegangen, möge z. B. folgende Strophe als Probe zeigen. Mein Kind! mein Kind! Gott ist gerächt. Er verloßt joi nie e Menschen, Sog' immer Krieschmä früh ün bei Nacht, Thir noch'n Essen benschen. „Mach Mutter mir 's Harz nit schwer, Mir helft gewiß ka Darvene mehr, Kümmt die Liebe über 'n Menschen, §>elft La Krieschmä ün La Benschen. E. K. Um-ck-Mm Erscheinungen auf dem Gebiet des jüdischen SchriftthumS. Das klassische Lchrifithmn zur jüdischen Theologie. Die Israeliten wurden schon bei ihrem ersten geschichtlichen Erscheinen von dem Riesengeiste ihres Gesetzgebers zu einem monotheistischen Priestervolk gebildet, und mit diesem aufgedrückten Priesterstempel, der zuweilen ein Kainszeichen geworden, hat das jüdische Schriftthum auf Jahrtausende hinaus ein theologisches Gepräge erhalten. Religion und Nationalität sind bei den jüdischen Monotheisten stets eng verwachsen, die Nationalität ging sogar ganz in der Religion auf, sodaß man sich einen heidnischen Israeliten gar nicht vorstellen kann. Eine natürliche Folge ist es daher, daß die jüdische Gesammtliteratur entweder einen ausschließlich theologischen Mittel- und Ausgangspunkt hat, oder nur im Dienst der Theologie entstanden ist. Wohl fehlte niemals den Juden ein schöngeistiges, pädagogisches, philosophisches, astronomischmathematisches, medicinisches und naturwissenschaftliches Schriftthum und wohl gab und gibt es noch jüdische Geister, welche den bannenden Zauberkreis, den die Religion um das Judenthum gezogen hat, keck und muthig durchbrochen haben und in ihrer Geistesarbeit sich aus andern Bahnen schrankenlos bewegen. Dessenungeachtet war jedoch stets der wichtigste und nationalste Theil der schriftstellerischen Thätigkeit, die große und einflußreiche Masse der Literatur-Production nur der Theologie gewidmet. Der Aufwand der riesigsten Interessen des Judenthums. geistigen Kräfte, die kritische Schärfe und die scharfsinnigsten Combinationen wurden nur dieser nationalen Disciplin zugewandt, und die Benutzung dieser Geisteserzeugnisse zu culturgeschichtlichen, archäologischen und sprachwissenschaftlichen Zwecken, was übrigens erst das Ergebniß des neuzeitlichen Geschichtssinnes ist, steht erst in zweiter Linie. Diese Motive veranlassen uns, in unserer Monats-Revue dem theologischen Schriftthum einen größern Raum zu gönnen, und zwar folgende vier Klassen der theologischen Schriften, insoweit uns Arbeiten aus denselben vorliegen, welche der jüngsten Zeit angehören, hier aMustellen: 1) Die biblischen und apokryphischen Schriften des sogenannten Alten Testaments, die mit dem ganzen sprachlichen oder archäologischen Apparat versehen sind. Diese Schriftengruppe der jüdischen Theologie, die im Grunde wie im Christenthum das wichtigste Schriftthum für diese Disciplin sein sollte, wurde jedoch durch Ueberwucherung der Traditions- Literatur in den Hintergrund gedrängt, sodaß die bibliographische Ueberschau sie nicht in die erste Reihe setzen kann. 2) Die traditionelle Literatur in der jüdischen Theologie, d. h. die Talmude, die kleinen Tractate und die Midraschim mit ihren sprachlichen, sachlichen und historisch-kritischen Erläuterungen. Diese Schriften bilden gegenwärtig „das classtsche Schriftthum zur jüdischen Theologie" und sollen unter dieser Überschrift hier als die wichtigste Schristenklasse der theologischen Literatur aufgeführt werden. 3) Die zahlreichen Werke der Decisoren (Sifre Poskim), die Novellen (Chidduschim) und Gutachten (Teschubot), welche sämmtlich die praktischen und halachischen Elemente, die rituellen Ergebnisse aus den vorhererwähnten Traditions-Schriften zur Darstellung bringen. Dahin gehören sodann auch die mannichsachen Versuche, die sich ergebenden Halachas zu codificiren, wie es Maimuni in Jad ha-Chasakah, Jakob ben Ascher in den vier Thurim, Josef Karo in Bet Josef (Schulchan Aruch) u. a. gethan. 4) Schriften, welche die Dogmatik und Ethik, die Religionsphilosophie und die Polemik, die Homiletik und Apologetik der jüdischen Theologie systematisiren und darstellen. Wir wollen hier in diesem Artikel die neueste Schriftengruppe der zweiten Klasse: Das alte traditio na l-classi sch eSchriftthum zur jüdischen Literatur in folgender Aufzählung zusammenzustellen und mit beigefügten literar-geschichtlichen Bemerkungen begleitet vorzuführen versuchen. 1) Neue „Stereotyp-Ausgabe des babylonischen Talmud (Talmud Babli)", nach den alten Editionen von Amsterdam und Frankfurt a. M. eingerichtet. Außer den dort bekannten Beigaben sind hier noch beigefügt die discussiven Novellen (Chiddusche Halachot) von Samuel Edeles und Salomo Loria, die Correctionen des Joel Sirkes zum Talmud und zu den äl-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.