Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 326

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 326 (sequence 62)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2417805-2417806-2417810--338-2418177
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

326 Jllustr. Monatsh. für die ges. lassen: „Adam", sagt der jüdische-Meister. zum König Kusari, „war unbedingt der vollkommenste Mensch, denn das Werk eines weisen, allmächtigen Schöpfers, der nach Wunsch zu der zu gebenden Form sich den Stoff wählen kann, muß unbedingt vollkommen sein, da hier keine schädlichen Einflüsse von väterlichem Samen oder von mütterlichem Blute, oder von Speisen, von Erziehung in den Kinderjahren, vom Wechsel des Klimas, des Wassers, des Bodens, stattfanden. Er ward geschaffen wie ein in der Blüte seines Lebens stehender Jüngling, vollkommen an äußern wie innern Eigenschaften. Er empfing demgemäß eine vollkommene Seele, einen der menschlichen Fähigkeit angemessenen und insofern höchst vollkommenen Verstand und außerdem noch einen göttlichen Geist, d. h. das Seelenvermögcn, wodurch er mit Gott und der übersinnlichen Welt in Verbindung trat und die Wahrheit ohne Unterricht durch ein leichtes Nachdenken erkannte. Darum nennen wir ihn Sohn Gottes und seine ihm gleichenden Nachkommen Söhne Gottes" (Kusari l, 95). Mit Bedauern bemerken wir aber, daß der geniale Verfasser in 34: „Das religiöseBewußtseinJesu nach den drei ersten Evangelien", von irriger Auffassung des Mosaismus befangen, diesem nicht Gerechtigkeit widerfahren läßt, um dem Stifter der christlichen Religion Originalität zu verschaffen und eine Charakteristik zu vindiciren. Es ist nämlich da von der Bergrede die Rede, welche von jeher als die Grundlage der christlichen Sittenlehre angesehen wurde, wie die Zehnworte das Echteste im Judenthum und die Grundlage der jüdischen Sittenlehre sind. Die Zehnworte fassen in der prägnantesten Kürze und im Lapidarstil alle Beziehungen und Verhältnisse des Menschen : zuerst die Anbetung und Verehrung, die Erkenntniß und das Bekenntnis des wahren Gottes, der unter keinem Bild und Symbol dargestellt werden kann; hierauf die Heilighaltung Gottes innerhalb der Menschenwelt und die Heiligung des Menschen in Gott; die Verehrung der Aeltern; die Heiligkeit des Lebens, der Ehe und des Ei¬ Interessen des Judenthums. genthums, die sich daran schließen; den Beschluß machen die Wahrhaftigkeit und die Unterdrückung aller bösen Begierden. Außerdem lehrt der Mosaismus, daß der Mensa) sich heiligen müsse, weil Gott heilig ist, daß Gott den Menschen in seinem Ebenbild geschaffen, daher Gott die wahre Quelle der menschlichen Pflichten ist und alle Motive zu deren Erfüllung in Gott liegen. Betrachten wir aber die Bergpredigt, so ist das Gute darin nicht neu, und das Neue nicht gut. Der Redner selbst verkündet darin, daß er nicht gekommen, das Gesetz aufzuheben, von dem kein Buchstabe oder Strichelchen vergehen werde. Die Bergpredigt empfiehlt die Tugenden der Sanftmuth, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Friedfertigkeit, Tugenden, die sich wie ein rother Faden durch das Alte Testament ziehen, nur daß da nicht wie in jener die Reichen lediglich Träger aller Laster und Unsittlichkeit, noch die Armen lediglich die Inhaber aller Tugenden und sittlichen Vorzüge sind! daß da nicht wie in jener die ihres Glücks stets unwürdig sind, die sich dessen freuen, und die Trauernden nicht immer zur Seligkeit und zum Himmelreich befähigt sind! nur daß es da nicht Grundanschauung des Staats und der Sittlichkeit, daß der, welcher seinein Bruder zürnt oder ihn Taugenichts oder Thor nennt, dem Mörder gleichgestellt ist! nur daß da nicht, „der ein Weib ansieht, um ihrer zu begehren", die Ehe gebrochen in seinem Herzen, und die Ehescheidung auf Buhlerei beschränkt ivktd! nur daß da nicht das Gesetz: „du sollst nicht falsch schwören", zu dem Verbot jedes Schwurs erweitert wird, welches Verbot durch das Beispiel Jesu selbst, Matth. 26, 63, und des Apostels, Röm. 1, 9, aufgehoben wird, obgleich die gedachten Handlungen vor dem Nichterstuhl der Moral nicht bestehen! nur daß da nicht gelehrt wird: „wer dir einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dein biete auch den andern dar", weil diese Lehre eine wirkliche Gefährlichkeit für alle Grundsätze und Uebung des Rechts sowie eine Schädlichkeit für die Sittlichkeit enthält! Wir begreifen daher nicht,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.