Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 325 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Recen fronen. 325 d erlich"; und ferner: „Sie glauben die Unsterblichkeit der Seele, daß die Seele in einer andern Welt gerichtet und nach Tugend oder Laster belohnt oder bestraft werde, daß die Seelen der Bösen auf ewig in jener andern Welt zur Bestrafung eingeschlossen bleiben, die der Frommen aber ins Leben zurückkehren" (Ant. 18,1.3). „Durch diese Glaubenslehre, durch die Sorgfalt, mit welcher sie fick der Erklärung und Deutung der Gesetze widmeten, durch den Schein der Frömmigkeit, den sie um sich zu verbreiten verstanden, durch die Aufmerksamkeit, welche sie allen politischen Bewegungen schenkten, wußten sie sich dermaßen in die Gunst des Volks zu setzen, daß sie den größten Einfluß auf das bürgerliche und öffentliche Leben gewannen und in der Geschichte des jüdischen Volks bedeutend hervortraten" l?Ant. 13, 10. 5). Wo ist da eine Spur, daß die Pharisäer die Partei „starrer und beschränkter Judenthümler" waren, die von den nationalen Ansprüchen nichts Nachlassen, den veränderten Zeitverhältnissen kein Opfer bringen will? Ein Blick in die Geschichte lehrt, daß gerade die Pharisäer Tempel und Staat preisgeben, der Uebermacht der Römer weichen und nur die Lehre retten und erhalten wollten. „Nimm dir Land und Tempel und gönne uns nur die Schulen!" war der Pharisüerruf, dein Rabbi Jochanan ben Saeai Ausdruck gab. Durch die Pflege der Lehre suchten sich die Pharisäer von den entarteten hierarchischen Priestern und vom Tempel zu emancipiren. Wenn Johannes der Täufer und Jesus „vom Aeußern auf das Innere, von der leiblichen Reinigung auf die Läuterung der Gesinnung zurückgingen" (S.189), so war dies essenisch und echt pharisäisch, denn der Essenismus war eben Pharisäismus in seinem Gipfel. Doch gehen »vir weiter. Sehr befriedigend und lehrreich ist das Kapitel von dem religiösen Bewußtsein Jesu und von der Unmöglichkeit, es aus dem vierteil Evangelium zu ermitteln. Trefflich sagt der große Psycholog: Das bekannte Wort: „Der Staat bin ich", findet jedermann empörend, weil es, was allen angehört, für Einen ausschließlich in Anspruch nimmt u.s.iv. Denken wir uns einen Mann, der hierzu mehr Recht gehabt hätte, einen Friedrich, einen Washington: selbst aus ihrem Munde würden wir ein solches Wort nur ungern hören, oder vielmehr, von einem Manne ihrer Art sind wir gewiß, daß es ihm nie einfallen tonnte, so zu reden. Den großen Friedrich macht uns der Ausspruch, daß der König nur der erste Diener Des Staats fei, ebenso ehrwürdig, als uns Ludwig XIV. durch jenes hochmüthige Wort verächtlich wird. Dem entsprechend aber ist uns JesuS in dem bescheidenen: „Was nennst du mich gut u. s. w." ebenso ehrwürdig, als er uns in dem Johanneischen: „Wer mich sieht, der siebet den Vater", oder: „Ich und der Vater sind eins", anstößig oder mindestens unverständlich ist. Wir unsererseits glauben, das sogenannte Johannes-Evangelium habe da das Vorbild des großen, aber bescheidenen MvseS ganz außer Acht gelassen, der zu den Empörern sprach: „WaS sind wir, daß ihr über uns murrt?" und von deni die Heilige Schrift nichts so sehr rühmt, als daß er der bescheidenste aller Menschen war. In der That konnte sich Jesus nach dem Evangelium Matthäi nicht eins mit Gott gedacht haben, denn er sagte ja: „Und wer etwas redet wider des Menschen Sobu, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den Heiligen Geist, dem wird eS nicht vergeben" i Matth. 13,32). Auch aüS dem Evangelium Marei geht hervor, daß sich Jesus mit dem Vater nicht eins dachte, denn dort beißt eS 13, 32: „Von dem Tage aber, da Himmel und Erde vergehen werden, weiß niemand, auch die Engel nickt im Himmel, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater." Auch das Evangelium Lucü dachte sich Jesus nur insofern als Sohn Gottes, als Gott den ersten Menschen aus seiner Schöpferhand hervorgehen ließ. Denn so heißt es Lucas 3, 38: „Der war ein Sohn Enos', der war ein Sobn Seth's, der war ein Sohn Adam's, der war Gottes." Um diese Stelle gehörig aufzufassen, wollen wir einen jüdischen ReligionSphilosophen reden