Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 324 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Juventhums. warm? Wie er zum Hause Gottes ging und nahm die wchaubrote und aß, und gab Mich denen, die mit ihm waren, die doch niemand durste essen als die Priester allein?" so haben ja die Rabbiner gerade daraus deducirt, daß der Sabbat bei der geringsten Lebensgefahr weichen müsse. David sprach: Gib mir, daß wir nicht Hungers sterben, --- Zstr: Jalkut Samuel 21. Wenn es Luc. 14, 5 heißt: „Welcher ist unter euch, dem sein Ochs oder Esel in den Brunnen fällt, und er ihn nicht alsbald herauszieht am Sabbattage?" so lese man darüber Sabbat 25, Maimunis -7-71 7i'rr:r:. Bezüglich des Todes unter dem Bild des Schlafs erinnern wir an den biblischen Ausdruck: „er entschlief zu seinen Vätern". Charakteristisch ist der Ausdruck ückitn „Bett" für Sarg. Doch wir gehen weiter. Hat nun der große Kritiker die Geschichte Jesu negativ behandelt, so geht er zum Positiven über. Er zeigt die ersten Ansätze des Unhistorischeil, wie sich über jeder Schicht allemal wieder eine neue gebildet hat, wie jede dieser Schichten nur der Niederschlag der jeweiligen Vorstellungen der Zeit und des Kreises, innerhalb deren sie sich bildete, gewesen ist, bis endlick mit dem Johanneischcn Evangelium ein Ruhepunkt cintrat, über welchen hinaus eine weitere Steigerung und zugleich Vergeistigung nicht mehr möglich, aber auch nicht mehr Bedürfniß war. Als Vorbereitung negirt der Verfasser die vulgäre Meinung, welche die Entstehung des Christenthums als das größte Wunder bezeichnet. Wir unsererseits bemerken, daß die Rabbinen in der einstigen Entstehung der Messiaszeit ein Wunder erblicken, zu welchem Gott noch vor der Schöpfung den Keim gelegt, um die Natur nicht zu unterbrechen (Pesachim 54); darum betrachteil sie das Christenthum nur als eine Entwickelungsphase des Judenthums und nicht als die eingctretene Messiaszeit. Der Herr Verfasser zeichnet nun, da er zum eigentlichen Leben Jesu übergeht, den Entwickelungsgang des Judenthums bis auf einen Punkt mit ebenso wahren als lebendigen Farben; dieser eine Punkt betrifft die Schilderung der Pharisäer, die er unbilligerweise ins Schwarze malt, ohne eine Quelle dafür aufzuweisen. Abgesehen davon, daß der Herr Verfasser die neuern Forschungen ignorirt, so geht schon aus Josephus, der ihm als Quelle diente, nichts weniger hervor als daß die Pharisäer „durch ihr ganzes Treiben das Volk zu dem Wahn verführten, als ob es mit dem Aeußern abgethan wäre, als ob, wenn sie ihm nur erst durch recht pünktlichen Ceremoniendienst genuggcthan hätten, ihr Gott gewiß ein Einsehen haben und ihnen mittels des Messias zur höchsten sinnlichen Wohlfahrt, zu einer Stellung über allen andern Völkern verhelfen würde" (S. 174). Nein! die Pharisäer hielten zwar auf die Ceremonialgejetze und vervielfältigten sic, aber nicht darum, weil sie die Aenßerlichkcitcn siir die Seele der Religion hielten, sondern weil sie sie als das Gefäß betrachteten, in. welchem und durch welches der innere Gehalt der Religion aufbewahrt werden müsse; weil sie sie als die Schale für den Kern, als die Hülle für das Wesen betrachteten. Gerade die Pharisäer waren es, welche die Religion vor Starrheit bewahrten lind ihr eine Entwickelung vindicirten, indem sie die Vorschriften der Thora nach dem Geiste der Zeit auffaßten und auslegten. Horen wir einmal, wie Josephus die Pharisäer kennzeichnet: „Ihre Lebensart war im allgemeinen einfach, ursprünglich entfernt von Weichlichkeit und Ucppigkeit; sie zeichneten sich durch Hartnäckigkeit und Konsequenz aus in allen Dingen, welche sie durchzusetzen trachteten. Sic schrieben alles, was geschieht, der Betimmuug zu, dennoch wäre dein Menschen Freiheit des Willens gegeben, die seine Handlungen leite und ihn zum Guten öder Bösen führe" sAnt. 18,1.3). So auch Jüdische K. II, 8, 14. „Sie schreiben alle Handlungen des Menschen theils der göttliche!: Einwirkung aus das Gemüth des Menschen, theils der Gottheit zu; rechtschaffen zu handeln oder nicht, liege, sagen sie, größtenteils in der Menschen Macht, doch sei die göttliche Einwirkung auf das Gemüth des Menschen zu allem beför-