Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 323 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen. 323 gefallen wird, uns seinen Willen darüber erkennen zu geben, so laut, so öffentlich, so über alle Zweifel und Bedenklichkeit hinweg zu erkennen zu geben, als er das Gesetz gegeben hat." Wenn sich ein Mann als Prophet legitimiren will, indem er unversehrt durchs Feuer geht, sagt Albo Jkarim 1, 18, so kann ihm kein Glaube beigemessen werden, denn nicht nur kann dies Blendwerk oder Zauberei sein, sondern durch Gottes Willen auch durch fromme Männer bewerkstelligt werden. So wurde auf R. Elieser's Geheiß ein Baum entwurzelt und ging ein Strom rückwärts: man gestand ihn: Heiligkeit zu, ohne ihm in der religiösen Praris Folge zu leisten. Darum hatten die später» Propheten niemals das Beiwerk der Wunder, um den Ausbau der Thora zu befestigen. Nur die geschichtlichen Bücher der Heiligen Schrift bringen hier und da noch einige Wunderberichte, die aber mit der eigentlichen Sache des Glaubens nichts zu schassen haben, und das Blich Jona zeigt, daß nicht einmal die Weissagung lind ihre Erfüllung zum wahren Prophetenthum gehört, lind daß Gottes Vergebung jedem reuigen Sünder wird, auch wenn > ihm der strafredende Prophet den Untergang verkündet hat. Nachdem Herr Strauß über den Wunderbegriff gesprochen, bespricht er den Begriff des „Mythus", nach welchem das Christenthum die Messiasvorstellung, die es in Jesu verwirklicht sah, nicht blos überhaupt, sondern auch schon näher bestimmt in der jüdischen Theologie jener Zeit vorgefunden habe. „Man hat sich", sagt der Verfasser S. 153, „dagegen gesträubt, weil hierbei die älteste Christengemeinde nicht eigentlich productiv sich verhalten, sondern die Erzeugnisse fremder Productivität sich lediglich angeeignet haben würde. Aber warum wären denn voll den Wundern Mosis und der Propheten im neuen Testament nur die freundlichen und wohlthätigen, nicht aber die zahlreichen Strafwunder nachgebildet, als weil der Geist Christi ein anderer als der eines Moses und Elias gewesen war?" Der erleuchtete Verfasser wird es uns zugute halten, wenn wir ihm sagen, daß er hier, wie alle von Vorurtheil gegen den Mosaismus befangenen Christen, diesem unrecht thut, indem dieser allerdings, was wir nicht erst nachweiseil müssen, einen Gott der unendlichen Liehe lehrt; daß er die Strafe dem Sünder auf der Ferse folgen läßt, ist eben ein Product der Liebe: „Wie der Vater seinen Sohn züchtigt, so züchtigt der Herr, dein Gott, dich!" Und wie, sagt Jesus nicht: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet, denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden" «Matth. 7, 1. 2). Und wie, sind das Kundgebungen der Liebe, wenn er sagt: „denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen Wider seinen Vater, und die Tochter wider ihre Mutter, und die Schnur wider ihre Schwieger, und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein" 10, 3ö. 36); während die Propheten die Messiaszeit als die Zeit des Friedens, wo kein Volk wider das andere das Schwert zücken und das Herz der Väter sich den Herzen der Kinder zuwenden werde, bezeichnen? Und ist die Weissagung: „Doch ich sage euch, es wird der Sodomer Land erträglicher ergehen am jüngsten Tage denn euch", nicht eben eine erschütternde Strafandrohung? Doch genug hiervon. Strauß führt fort zu sagen: „Und die Lehren vom Glauben, von der Sündenvergebung, von der wahren Sabbatheiligung, die wir in die wunderbaren Heilungsgeschichten des neuen Testaments verwebt, der Gedanke, daß der Tod ein bloßer Schlaf sei, dm wir in den Todtenerweckungsgeschichten ausgeführt sinken, sind ja ebenso viele christliche Originalideen, die jenen Erzählungen, mag auch ihr Stoff aus dem Alten Testament oder der jüdischen Messiaserwartung genommen sein, als neue, bessere Seele eingehaucht worden sind." Wir müssen leider ausrufen: guock verbn, tot erroros! Der Mosaismus hat das Glauben, nur kein vernunftwidriges, hat die Sündenvergebung, aber durch keine Vermittlung, kennt die Ideen der wahren Sabbatheiligung. Wenn es Matth. 12,3 heißt: „Habt ihr nicht gelesen, was David that, da ihn hungerte, und die mit ihm