Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 322 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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322 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. das Alte und Neue Testament, reden lassen, um sie nach dieser Richtung hin zu vergleichen. 1) Die Wunder des Alten Testaments sind auf einen Zeitraum und zu nationalen Zwecken beschränkt. Sie beginnen mit der Befreiung Israels aus Aegypten und hören mit der Niederlassung des Volks in Kanaan auf. Um diese nationalen Zwecke zu realisiren, von der Befreiung des schwachen Volks bis zur Eroberung des Landes, mußten außergewöhnliche Ereignisse Vorgehen. 2) Die Wunder des Alten Testaments dienten wol auch dazu, um die Gotteslehre im Volk Israel der damaligen Zeit wurzeln zu machen, aber es war das nicht Hauptcharakter und Hauptmotiv der Wunder, denn die Lehre Gottes mußte durch sich selbst sprechen, und als Gott auf Sinai-Horeb sich offenbarte, war das ganze Volk Zeuge. „Wunder und außerordentliche Zeichen", sagt Mendelssohn, „sind nach dem Judenthum nicht Beweisinittel für oder gegen ewige Vernunftwahrheiten. Daher sind wir in der Schrift selbst angewiesen, wenn ein Prophet Dinge lehrt oder anräth, die ausgemachten Wahrheiten zuwider sind, und wenn er seine Sendung auch durch Wunder bekräftigt, ihm nicht zu gehorchen, ja den Wunderthäter zum Tode zu verurtheilen, wenn er zu Abgötterei verleiten will. Denn Wunder können nur Zeugnisse bewähren, Autoritäten unterstützen, Glaubhaftigkeit der Zeugen und Ueberlieferer bekräftigen, aber alle Zeugnisse und Autoritäteil können keine ausgemachte Vernunftwahrheit umstoßen, nicht Zweifelhafte über Zweifel und Bedenken hinwegsetzen" (Jerusalem 262 st Und auch die Wunder geschahen ja öffentlich, angesichts des ganzen Volks und der sie umgebenden Völker. Das Volk, für und auf welches dieselben wirken sollten, war Zeuge. 3) Im Alten Testament besitzt kein Mensch die Kraft, ein Wunder zu bewirken, jedes Wunder ist eine That Gottes; er schrieb Moses, der das Wunder nicht vorauswußte, die Manipulation desselben vor. Niemals gab Gott die Kraft, Wunder zu thnn, der Person, es ist immer Gott selbst, der es verrichtet; einen Menschen von Wunderkraft kennt das Alte Testament nicht, Moses und die Propheteil sind immer nur Menschen. „Die Wunder", sagt der König Kosari zum Jsmaeliten, „müssen in Gegenwart und zwar vor den Augen vieler Menschen geschehen und ihnen nicht blos durch Erzählung und Tradition überkommen sein; es ist ferner nöthig, daß sie mehreremal die Sache genau und sorgfältig untersuchen und prüfeil, um so keinem Zweifel Raum zu lassen, als sei dies etwa nur Blendwerk oder Zauberei. Und auch dann ist es noch fraglich, ob man zu der so wichtigeil Ueberzeugung gelangen wird, daß der Schöpfer dieser oder der künftigen Welt, der Engel, der Himmel, der himmlischen Lichter sich diesem unbedeutenden irdischen Wesen, dem Menschen, mittheile, mit ihm spreche, seine Bitten erfülle, seine Bedürfnisse befriedige", worauf derJsmaelit ihm bemerkte, daß die biblischeil Wunder so öffentlich geschahen, daß an eine Täuschung oder Blendwerk nicht zu denken war (Kosari 1, 8, vgl. 1, 83). Maimuni betrachtet die Thaumaturgic als ganz secundäres Moment, als Nebensache, die gar nicht dazu diente, um Moses zu legitimiren, weil ja Zauberei im Spiel sein konnte. „Die Wunder", sagt er, „geschahen nur, um momentane Bedürfnisse herbeizuschaffen und augenblickliche Calamitäten zu beseitigen. Daß man an Moses' göttliche Sendung und an die ganze Offenbarung glaubte, geschah, weil das ganze Volk sich persönlich und augenscheinlich davon überzeugte. Will dann ein Prophet das Gesetz aufheben und sich durch Thaumaturgie legitimiren, so wird er gerichtet" (Maimuni, „Grundsätze der Thora", S. 8). Gestützt auf diese Stelle sagt Mendelssohn: „In der That sehe ich nicht, wie diejenigen, die in dem Hause Jakob's geboren sind, sich auf irgendeine gewissenhafte Weise vom Gesetz entledigen können. Es ist uns erlaubt, über das Gesetz nachzudenken, seinen Geist zu erforschen, hier und da, wo der Gesetzgeber keinen Grund angegeben, einen Grund zu vermuthen, der vielleicht an Zeit und Ort und Umstände gebunden gewesen, wenn es dem allerhöchsten Gesetzgeber