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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 321

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 321 (sequence 57)
Language
German
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Recensionen. 321 Es wird sodann auf Grundlage der Papias-Angabe: „Matthäus schrieb in hebräischer Sprache die Sprüche auf, es verdolmetschte sie aber ein jeder, so gut er konnte", bewiesen, daß die Redaction des Matthäus durch wiederholte Redactionen nach und nach zu Stande gekommen sei. Bon der Schrift des Marcus gibt Papias dagegen eine Beschreibung, die auf unser Marcusevangelium gar nicht paßt; sein Verhältniß zu Petrus wird in nichts aufgelöst , und so auch das Verhältniß des Lucas zu Paulus. Es werden dann äußere Zeugnisse für die Evangelien geprüft. Strauß kommt zu folgendem Resultat: Sichere Spuren, daß unsere drei ersten Evangelien in ihrer jetzigen Gestalt vorhanden gewesen, begegnen uns erst gegen die Mitte des zweiten Jahrhunderts, mithin ein volles Jahrhundert nach der Zeit, in welcher die Hauptbegebenheiten der in denselben enthaltenen Geschichte spielten, und daß dieser Zeitraum zu kurz sei, um das Eindringen ungeschichtlicher Elemente in alle Theile der evangelischen Geschichte denkbar zu machen, wird niemand mit Fug behaupten können. Nicht besser geht es dem dem Johannes zugeschriebenen Evangelium, wobei besonders die verschiedenen Standpunkte zwischen dem Evangelium und der Offenbarung hervorgehoben werden. Der Verfasser geht sofort auf die Evangelien nach ihrer innern Beschaffenheit und ihrem Verhältniß untereinander über, prüft die verschiedenen Hypothesen hierüber und zeigt, daß die Frage, wie drei verschiedene Verfasser doch so durchgängig, oft bis auf die Worte Hinalls, übereinstimmen können lind oft wieder so bedeutend voneinander abweichen, eine Frage, die von Lessing bis Schleiermacher ventilirt wurde, noch immer nicht gelöst ist. Noch bedeutender war das Problem über das Evangelium Johannes, welcher Jesus grundverschieden von den welchem der Einsiedler Sebastian auf dem Brettfal schreibt: „Was das mir zugeschriebene Werk «Deutsche und afrikanische Sklaven» anbelangt, so würde mich dasselbe allerdings sehr interessiren zu lesen, aber geschrieben habe ich's gewiß nicht." Synoptikern darstellt, sodaß Bretschneider gegen die Echtheit des erstern auftrat und eine Masse Verhandlungen hervorries, bis endlich er, Strauß, zu der ebenso genialen als consequenten mythischen Auffassung gelangte. Das Wunder ist der fremdartige, der geschichtlichen Behandlung widerstrebende Bestandtheil in den evangelischen Erzählungen von Jesu; der Begriff des Mythus ist das Mittel, wodurch wir denselben aus unserm Gegenstände entfernen lind eine geschichtliche Ansicht von dem Leben Jesu möglich machen. Von diesen Begriffen handelt sofort der Verfasser. Indem der Verfasser den Wunderbegriff definirt, zeigt er, daß die Geschichtsforschung die Wunder schlechterdings nicht anerkennen kann. Der Verfasser beruft sich darauf, daß der Christ zwar die Wunder der jüdischen nnd christlichen Urgeschichte glaublich, die der indischen, ägyptischen, griechischem Mythologie aber fabelhaft lind lächerlich findet, der Jude die Wunder des Alten Testaments anerkennt, die des Neuen aber von sich weist. Darüber müssen wir jedoch Folgendes bemerken: die Wunder des Alten Testaments sind ebenso mannichfach ausgefaßt worden wie die des Neuen. Wie Leibniz das Wunder gleichsam wie einen Keim faßte, der, von Gott schon bei dem Act der Schöpfung in die Welt gelegt, ohne ferneres außerordentliches Zuthun von seiner Seite in der Entwickelungsreife der durch jenen Act gesetzten Ursachen und Wirkungen eben dann aufgehe, wann das Wunder geschieht, so glaubten einige Rabbinen die Wunder in der letzteil Stunde des sechsten Schöpfungstages im voraus von Gott dem Gang der Natur eingeordnet und geschaffen. In der nachtalmudischen Periode gab es Männer, die dem Rationalismus huldigten und die Wunder als ganz naturgemäße Erscheinungen betrachteten, die nur von den Verfassern der Schrift als Wunder aufgefaßt wurden; auch die Kritik hatte ihre Vertreter, welche diese Berichte als Erzählungsweise (inockn8 narraucki) aus kindlicher Urzeit ansahen. Jndeß wollen wir hier nur die Urquellen beider Religionen,

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