Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 318 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. verfälscht und daher für beweisunfähig erklärt oder so ausgelegt werden, daß das Göttliche und Uebernatürliche daraus verschwindet. Diese Regeln lassen sich auf Folgendes zurüäführen: Als allgemeiner Grundsatz wird obenan gestellt, daß die Heilige Schrift nach denselben kritischen und exegetischen Regeln behandelt werden müsse wie alle andern Bücher des Alterthums, daß daher a) in kritischer Hinsicht 1) die Heilige Schrift nicht zu betrachten sei als eine Sammlung von Gott eingegebener Bücher, sondern, mit Ausschluß des dogmatischen Merkmals, das sogenannte Alte Testament als eine Sammlung der jüdischen Literatur vor Christo, und das Neue als eine solche über Christum; 2) daß in Bezug auf die Echtheit der einzelnen Bücher vorzugsweise die innern Gründe entscheidend, die äußern aber denselben untergeordnet seien; 3) daß die Weissagungen auf einen spccicllcn Gegenstand in ferner Zeit unecht und entweder kurz vor oder erst nach dem Erfolg verfaßt; 4) daß die Wunder entweder von dem Verfasser irrig aufgesaßt oder ungenau erzählt, oder später erdichtet worden, und daher im letzten Fall ein Grund der Unechtheit des Buches seien; und daß b) in exegetischer Hinsicht 1) die Heilige Schrift nach denselben allgemeinen Regeln ausgelegt werden müsse wie alle andern Bücher des Alterthums, und jedes einzelne derselben, gleich diesen, nach besonder»; 2) daß die aus dem Alten Testament allegirten Stellen im Neuen Testament von Christo und den Aposteln nicht nach ihrem wahren Sinne, sondern nach einer damals bei den Juden üblichen irrigen Auslegungsart, also irrig erklärt seien; 3) daß man bei der Auslegung die Glaubenslehren der Philosophie oder Vernunft unterwerfen und nur diejenigen als zum Wesen des Christenthums gehörend betrachten müsse, welche die Philosophie oder Vernunft annehmbar finde, die übrigen aber als jüdische Zeitmeinungen davon auszuscheiden habe; 4) daß die Weissagungen, welche auf eine ferne Zeit gehen, entweder allgemein, d. h. ohne Bezug auf einen bestimmten Gegenstand auszulegen seien, oder speciell, wenn der Erfolg dem Propheten nahe gelegen, oder aber als nach dem Erfolg verfaßt und im letzter» Fall als Geschichte, eingekleidet in die Form der Weissagung; 5) daß man die Wunder entweder natürlich erklären müsse, wenn ihr Erzähler denselben gleichzeitig, oder mythisch, d. h. erdichtet, wenn er später gelebt habe, und im letztem Fall als Einkleidung der Dichtring in die Form der Geschichte. Diese rationalistische Auslegung zerfällt wieder in vier Arten: 1) Die historische Auslegung von Seniler und Eichhorn, nach welcher man das Neue Testament aus den jüdischen Schriften damaliger Zeit erklären und dasjenige ausscheiden müsse, was ihnen entnommen. 2) Die moralische Auslegung von Karrt, nach welcher man die christlichen Urkunden durchgängig zu einem Sinne deuten müsse, welcher rnit derr allgemeinen praktischen Regeln der Vernunftreligion übereinstimme. Wunder und Weissagungen will er von der Auslegung ausgeschlossen haben, weil oder insofern es für die Moral keinen Werth habe. 3) Die psychologische Auslegung von Paulus, nach welcher behauptet wird, daß die Evangelisten manches irrig aufgefaßt und anderes nicht genau erzählt hätten. Er stellt daher die Regel auf, daß man sich im Geiste in die Zeit der erzählten Begebenheit versetzen und Nachdenken müsse, wie sich dieselbe wol wirklich zugetragen haben könne, und danach dann das Irrige der Angaben berichtigen und das Fehlende ergänzen. So macht er die äußere Begebenheit des Zacharias (Luc. 1, 11) zu einer innern, zu einem Traum, und dessen Stummheit zu einer Verschwiegenheit; läßt bei Matth. 17, 27 den angegebenen Umstand, daß Petrus in dem Munde des Fisches einen Stater finden werde, außer Acht und denkt einen nicht angegebenen hinzu, nämlich: daß Petrus den Fisch um einen Stater verkauft habe. 4s Die mythische Auslegung von De Wette und Strauß. Diese hat ihren Namen davon, daß ihre Urheber die biblische Geschichte nicht als wahre, sondern als erdichtete oder als Mythen betrachten