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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 316

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 316 (sequence 52)
Language
German
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216 ' Jllustr. MonaLsh. für die ges. sich zu den Juden in der „Judith" wie Maulheldenthum und Schwatzerei zu wirklicher Thatkraft. Ludwig's Talent ist sehr bedeutend, aber die Sphäre des Talents darf nicht übersehen werden. Diese Sphäre ist für Ludwig der sociale Conflict. Innerhalb desselben ist er groß, sowie er heraustritt, ist er klein. Für die seinen Vorgänge des gesellschaftlichen Lebens hat er einen feinen psychologifchen Blick; die große weltgeschichtliche Anschauung und die Kraft zur Darstellung weltumgestaltender Ereignisse ist ihm versagt. Deshalb schätzen wir auch die beiden Erzählungen Ludwig's, „Die Heiterethei" und „Zwischen Himmel und Erde", sehr hoch. Sie liefern noch mehr als der „Erbförster" den Beweis, was für ein tiefer Seclenmaler der Dichter ist, und wie er in die geheimsten Falten des Menschengemüths zu dringen versteht. Namentlich „Die Heiterethei", dieses wunderbare Mädchen, und der Holder's Fritz, ihr Geliebter, sind zwei Figuren, an deren herrlicher Zeichnung man sich nicht satt sehen kann. In der Erzählung ist Ludwig hinter Auerbach keineswegs zurückgeblieben.; der Zahl nach ivol; aber dem Gehalt nach können sich Ludwig's Erzählungen den besten Producten Auerbach's kühn an die Seite stellen, ja an Kühnheit der Composition und Kraft 'der Zeichnung überragen sie dieselben oft um ein Beträchtliches. Das Endurtheil über den Heimgegangenen wird freilich erst festgestellt werden, wenn die Werke seines Nachlasses in die Oesfentlichkeit gelangen. Er hat, wie wir erfahren, ein Drama: „Die Rechte des Herzens", geschrieben, ferner vier Acte einer Tragödie „Agnes Bernauer", ein Lustspiel unter dem Titel „Herr Frey" und endlich sehr umfangreiche literarisch-ästhetische Studien über Shakspeare. Was er sonst noch geschrieben, wissen wir nicht; so viel ist nach einer Mittheilung Robert Waldmüller's gewiß, daß er viele seiner Manuscripte verbrannt hat. Wenn aber auch das Urtheil der Literaturgeschichte über Ludwig auf die Herausgabe des Nachlasses zu warten die . Interessen des Judenthums. Pflicht hat, so wird man doch kaum irren, wenn man zu behaupten wagt, daß das bereits bestehende Urtheil über den Dichter durch die Bekanntschaft mit dem Nachlaß nicht wesentlich alterirt werden dürfte; aber so viel schien uns dringend geboten, bei der Betrachtung des Bildes nicht einseitig die „Makkabäer" als Ausgangspunkt anzunehmen, wenn Licht und Schatten in demselben nach Gebühr vertheilt sein sollen. Eduard Kulkc. NttLNLiülttN. DsZ Men Im. Für das deutsche Volk bearbeitet von David Friedrich Strauß.*) Besprochen von vr. M. DuschaK. Die Exegese wird nach der Quelle der Rede eingetheilt in die offenbarungsgläubige und in die vernunftgläubige oder rationalistische. Jene stützt sich auf den Grundsatz, daß die Verfasser der Heiligen Schrift nicht aus eigener Eingebung reden, sondern aus unmittelbarer Eingebung Gottes, und daher ihre Reden göttliche Offenbarungen enthalten; diese stützt sich auf den Grundsatz, daß die Verfasser der Heiligen Schrift nicht aus unmittelbarer Eingebung Gottes reden, sondern aus ihrer eigenen, und daher ihre Reden keine göttlichen Offenbarungen enthalten, sondern das Erzeugniß ihrer eigenen Verminst. Da es nun eine allgemeine menschliche Vernunft nicht gibt, von welcher der einzelnen etwas mitgetheilt werden könnte, sondern nur jeder Mensch Vernunft hat, welche dem Grade oder der Ausbildung nach von der des andern verschieden ist, so gibt es auch keinen allgemeinen Vernunftglauben, sondern jeder Mensch macht sich seinen eigenen, und wenn er ihn von einem andern annimmt, so paßt er ihn seiner eigenen Vernunft an; folglich kön- *) Zweite Auflage. Leipzig, F.A. Brockhaus, 1864.

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