Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 315 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Otto Ludwig, der Dichter der „Makkabäer". 315 wo Felix den Polyeuktes auffordert, den falschen Göttern zu opfern: Felix. Nun weicht gerechtem Zorne meine Güte, Bet' an sie, oder stirb! Polyeuktes. Ich bin ein Christ. - Felix. Gottloser Mensch! Bet' an sie, sag' ich, oder Bereite dich zum Tod. Polyeuktes. Ich bin ein Christ. Felix. Du bist es? O du verstocktes Herz! Vollstreckt, Soldaten, was ich euch befohlen. Paulina. Wo wird er hingesührt? Felix, Zum Tod. Polyeuktes. Zum Siege. In dieser Stelle liegt Kraft und Erhabenheit. Das zweimal wiederholte „Ich bin ein Christ", die Kürze der Ausdrücke, der barsche, kurz angebundene Ton, der nicht viel Wesens macht, sagt weit mehr, als wenn Polyeuktes in langen Declamationen bethellern würde, daß er von seinem Glauben nicht ablasse. In den „Makkabäern" Ludwig's findet sich keine auf das eigentliche Motiv bezügliche Stelle, die sich mit der hier angeführten vergleichen ließe; und wenn wir die „Makkabäer" erst gegen Hebbel's „Judith" halten, so muß der ihr beizulegende Werth noch viel mehr zusammenschrumpfen. Von der berühmten, kürzlich verstorbenen Crelinger wird erzählt: Als sie zum ersten mal die Mutter der Makkabäer spielen sollte, befand sie sich in höchster Aufregung. „Ich fürchte", sagte sie, „daß meine Kräfte nicht für eine solche Rolle ausreichen. Mir thllt nur der arine, so talentvolle Dichter leid." Daß die Rolle der Leah in der That einer Schauspielerin Furcht einzuflößen im Standeist, finden wir sehr begreiflich, nur vielleicht aus der entgegengesetzten Ursache wie die meisten andern, die mit uns diese Ansicht theilen; denn die Leah ist nach unserer Ansicht mehr Zerrbild als Charakter; uns macht sie den peinlichen Eindruck der Caricatur. Wol finden sich in Ludwig's Stück einzelne Schönheiten im ersten, zweiten lind fünften Act. Der Moment z. B., wo Juda auf den Götzen tritt, ist ein vortrefflicher Effect, die Erzählung von den griechisch redenden Juden wirkt sehr gut und ruft namentlich das in der modernen Zeit so bevorzugte Französisch jedermann in Erinnerung, und noch manch anderes ließe sich als gelungen anführen, wenn wir ins Detail uns einlassen wollten, allein das ganze Stück macht doch mehr einen peinlichen als erfreuenden Eindruck. Ganz anders verhält es sich mit dem „Erbförster". Die ursprüngliche Caprice verwandelt sich in einen tiefen psychologischen Conflict; denn nachdem einmal das entscheidende Wort „Absetzen" gefallen ist, handelt es sich nicht mehr um Alisroden oder Nichtausroden, sondern jetzt handelt es sich um Recht und Unrecht, und der alte Förster, der die Welt nicht kennt, reißt uns mit der schlichten Dialektik seines einfachen Verstandes so fort, daß wir gebannt sind wie von der Macht einer wahrhaft großen Persönlichkeit, und daß selbst wir glauben, die Welt hänge an dieser Absetzling, und sie müsse aus den Fugen gehen, wenn das schreckliche Schicksal nicht noch rechtzeitig abgewendet wird. Wie klar und bestimmt heben sich hier die Charaktere voneinander ab, und wie verblaßt und Verblasen sind sie in den „Makkabäern". Im „Erbförster" zeigt sich Ludwig's Talent in seiner wirklicheil Bedeutung, in den „Makkabäern" macht er den Eindruck einer krampfhaften Sucht nach derselben. Wenn auch der „Erbförster" sich keinesfalls mit Hebbel's „Maria Magdalena" messen kann, so muß man doch gestehen, daß nach dieser erschütternden Tragödie der „Erbförster" das bedeutendste sociale Drama der Gegenwart ist. Die „Makkabäer" aber schwinden gegen die „Judith" gehalten so zusammen, daß sie gar nicht mehr gesehen würden, wenn sie sich mit so vielem Winde nicht selber aufblühten. Ter „Erbförster" ist keine directe Copie des Meister Anton, wenn auch durch diese Kerngestalt vielleicht hervorgerufen, die Juden der „Makkabäer" aber verhalte« 21*