Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 313 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Otto Ludwig, der Dichter der „Makkabäer". Literatur. Otto Mivtz, der Dichter der „Makkabaer". Am 25. Februar, Samstag früh halb 10 Uhr, hat nach fünfunddreißig Jahre langen körperlichen Leiden ein "Dichter die Augen geschlossen, um den sich die deutsche Nation, solange er lebte, verhältnismäßig wenig gekümmert, in dem sie aber hellte an seinem Grabe einen schmerzlichen Verlust zu betrauern hat, es ist der Dichter der „Makkabäer": Otto Ludwig, lieber den äußern Lebensgang desselben ist bisher wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen; nur sch viel war bekannt, daß seine Lebensgeschichte eine Leidensgeschichte sei. Die vertrauten Freunde des Dichters, zu denen namentlich Robert Waldmüller und Or. Aprer gehören, haben kurz nach seinein Tode einige Mittheilungen über den Entwickelungsgang Ludwig'S im „Dresdner Journal" veröffentlicht. Wir erfahren daselbst, was für Studien, Fragmente, Skizzen, unvollendete und der Vollendung entgegenreifende Werke den Dichter in einer langen Reihe von Jahren beschäftigten, wül>- rend welcher nur vier größere Arbeiten, zwei Erzählungen: ,^Die Heiterethei und ihr Widerspiel", ferner „Zwischen Himmel lind Erde" und zwei dramatische Werke: „Der Erbförster" und „Die Makkabäer", allgemein bekannt wurden. Der interessanteste Umstand in der künstlerischen Entwickelung Ludwig's ist wol der, daß er für Musik und Poesie eine gleich große Neigung zu haben, daß er, von beiden Musen in gleicher Weise ungezogen, ziemlich lange schwankend schien, mit welcher er sich fürs Leben verbinden solle. Er ging bei Mendelssohn - Bartholdp in die Schule, studirte fleißig seinen Contrapunkt, componirte und dichtete; endlich trug bei ihm die Muse der Dichtkunst, der er sich doch mehr wahlverwandt fühlen mochte, den Preis davon, und seine fernere Laufbahn war ent- Hilberg'S IllustrirLe Monatshefte. I, 4. — Juli schieden. Ein ähnliches Schwanken zwi schm Munk und Poesie finden wir auch bei dem größten musikalischen Dramatiker der Gegenwart, bei Richard Wagner, der wie Ludwig im Jahre 1813, geboren ist. Nur daß letzterer die entgegengesetzte Wahl traf und sich nach mancherlei Versuchen auf dem Gebiete des reeitirenden Dramas schließlich der Musik gänzlich irr die Arme warf. Ein Hegel-Asse, wie es deren in Deutschland leider viele gibt, würde sich hier die günstige Gelegenheit, sich zu blamiren, kaum entgehen lassen. Beide und Sachsen, beide Hn demselben Jahre geboren, beide schwankten lange zwischen Munk und Poesie: flugs wäre ein neues Naturgesetz deeretirt. Wir erwähnen des Zusammentreffens dieser Umstände blos als eines Zufalls, ohne uns in das Gebiet der Notbwendigkeit zu verneigen, und legen auch weiter kein Gewicht darauf. Aber es wurden im Jahre 1613 noch mehr Kinder geboren, und indem beute vielgenannten Schleswig - Holstein, im Dithmarsischen in Wesselburn stand eine Wiege, in welcher einKnüblein lag, welches wir wol mit Ludwig in einen nähern Zusammenhang bringen müssen, als dies bei Richard Wagner der Z-all in. Wir meinen Friedrich Hebbel. Reben Berthold Auerbach ist Hebbel vorzüglich derjenige, mit dem im Zusammenhänge Otto Ludwig betrachtet werden muß. Mit Auerbach stand Ludwig in vertrautem persönlichen Verkehr; an ihn ist anzuknüpfen, wenn von den Erzählungen des Dichters die Rede ist; seine dramatischen Werke hingegen haben ihre directen Vorbilder in Hebbel's dramatischen Schöpfungen. Ludwig bewegt sich zwischen beiden hin und her. Es soll hiermit keineswegs Ludwig als ein bloßer Nachahmer, der sich zu den bei den andern in sklavischer Abhängigkeit verhielte, dargestellt werden. Es soll Ludwig seine Eigenthümlichkeit nicht im 2l