Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 310 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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310 JLlustr. Monatsh. für die ges. seien, welche Juden sein müssen, da die Chinesen Kopf- und Varthaar abrasiren. Es sei auch s o n n e n k l a r (?), berichtet Jafe weiter, daß sich zwei Monatsreiseir von Kanton ein Strom befinde, der sechs Tage Steine, Sand und Wasser wühle und spritze, und blos am Sabbat ruhe und überfahren werden könne. Doch die Leute getrauen sich nicht weiter in das Land hinein. Darum lassen sie ihre Maaren am jenseitigen Ufer stehen, ziehen sich dann zurück und finden am andern Sabbat entweder das Geld oder ihre unberührte Waare. Die eifrigeil Sucher beschränkten sich aber nicht auf Asien: man glaubte die Spuren der verlorenen Söhne Israels in allen Erdtheilen gefunden zu haben. Das früher erwähnte cochinische Manuskript soll die Angabe enthalten, daß eine große Anzahl Emigranten nach Spanien getrieben worden sei; diese landeten in Andalusien und gründeten daselbst Lusina am Tagus, welchen Namen man von Lus Meilen will, Toledo, das sie wegen ihres unsteten Manderns von rn so genannt hätten, Maqueda und Eskaloma, nach den philistäischen Städten Makeda und Askalon benannt. Nach den untrüglichsten Quellen reicht die Ansiedelung der Juden in Spanien in das graue Alterthum, lange vor Entstehung des Christenthums, zurück. Toledo ist die älteste Stadt in Spanien, und das älteste Gebäude daselbst ist eine in eine Kirche umgewandelte Synagoge. Der gelehrte Soucy berichtet: Als Alfons VI. die Sarazenen aus Toledo vertrieben hatte, wendeten sich die dortigen Juden um Schutz an denselben, indem sie sich darauf beriefen, daß sie keine Abkömmlinge derjenigen seien, die sich an dem Tode des Stifters des Christenthums betheiligten, sondern der zehn Stämme, welche Nebukadnezar als Colonisten hierhergeschickt hätte. Ihre Bitte wurde huldvoll ausgenommen und die bezüglichen Verhandlungen und Nachweise in dem Archive von Toledo auf Befehl des Königs niedergelegt. Wir sehen hier und können dies in orientalischen Schriften öfters bemerken, daß Nebukadnezar häufig als Urheber der Verban¬ Jnteressen des Judenthums. nung und Ansiedelung gilt, indem die Verbannung durch Salmanasser, als früher erfolgt, hinter der durch Nebukadnezar völlig verschwindet. Abyssinien oder Habesch in Afrika gehört auch zu jenen Ländern, in deren Bevölkerung man seit alten Zeiten Abkömmlinge der zehn Stämme erblicken wollte. Eine alte Verbindung zwischen Abyssinien und den Juden bezeugen schon die Sagen von der Königin von Saba und der alten, angeblich salomonischen Dynastie der äthiopischen Kaiser. Mehrere jüdische Gebräuche sind bis heute beibehalten, so die Beschneidung. Die Abyssinier essen kein Schweinefleisch und feiern den Sabbat neben dem Sonntag. Doch gibt schon der preußische Arzt vr. Jafe in einem von Aden im Januar 1848 an Rabbiner Schwarz gerichteten Schreiben an, daß die Meinungen über die jüdischen Bewohner von Chabesch, die Falaschan, nicht übereinstimmen. Manche hielten sie für Karaiten, andere für Christen, welche die Beschneidung und sonstige jüdische Gebräuche angenommen haben, noch andere für Heiden. Auch in den amerikanischen Stämmen glaubte man in ältern wie neuern Zeiten die verlorenen Stämme zu finden. Bald erblickte man sie in den Rothhäuten Nordamerika's, bald hatte man sie in den Eingeborenen von Aucatan und Mexico vor sich. Ich verweise in dieser Beziehung auf das Merkchen „Mikwe Israel", das den durch seine Unterhandlungen mit dem Protektor Cromwell wegen Zulassung der Juden in England berühmt gewordenen Rabbi Menasse ben Israel, geboren in Portugal 1604, gestorben zu Middelburg in den Niederlanden 1657, zum Verfasser hatte. Derselbe knüpft an eine abenteuerliche Reiseskizze des Jnquifitionsflüchtlings Aaron Halewh (Antonio Montezumos) an, der in Südamerika Reste der zehn Stämme aufgefunden haben wollte, und stellt dann mit einer erstaunlichen Belesenheit alle bis zu seiner Zeit von jüdischen und nichtjüdischen Autoren gemachten Angaben über die zehn Stämme zusammen. Ich will blos das Auffallendste über den