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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 305

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 305 (sequence 41)
Language
German
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Flavins Josephus. 305 erzählt ferner, Antiochus fand im Tempel einen aus einem Bette liegenden Mann; neben dem Bette stand ein Tisch mit Gerichten von Land- und Seevögeln. Der König war hierüber erstaunt, doch jener, dem der Eintritt des Königs Hülfe versprach, siel ihm zu Füßen und bat mit aufgehobenen Händen um seine Freiheit. Der König befahl, daß er sich fetze und sage wer er sei, warum er sich hier aufhalte, und wozu hier diese Speisen. Der Mann erzählte hierauf unter Thränen und Seufzern sein unglückliches Geschick. Er sei ein Grieche, und als er wegen Ankaufs von Lebensrnitteln durch das Land gereist, so sei er von fremden Männern ergriffen, in den Tempel geführt und daselbst eingesperrt worden; hier bekam er niemand zu Gesichte, doch wurde er mit den besten Speisen versehen. Im Anfänge hatte dieses unverhoffte Wohlleben ihm Vergnügen gemacht, hierauf erweckte es in ihm Verdacht und endlich Bestürzung. Er befragte zuletzt einen der zu ihm kommenden Diener, und da habe er vernommen, daß er nach einein Gesetze der Juden hier genährt werde, und daß die Juden solches jedes Jahr zu einer gewissen Zeit thun. Sie sangen nämlich einen griechischen Reisenden auf, füttern ihn eine gewisse Zeit und führen ihn dann in einen Wald, ivo sie ihn tödten und seinen Körper nach ihren Feierlichkeiten opfern. Und da kosten sie die Eingeweide und legen bei der Opferung des Griechen den Schwur ab, daß sie gegen die Griechen Feindschaft hegeir wollen; hieraus werfen sie die Ueberbleibsel des Geinordeten in eine Grube und entfernen sich. Der Mann erzählte nun, daß ihm nur noch wenige Tage bis zu der Opferung übrig seien, und er bat den König, daß er als Verehrer der Götter der Griechen die Absichten der Juden gegen sein Blut hintertreibe und ihn aus diesem traurigen Zustande befreie. Indem Apion die Juden für Götzendiener und Bluttrinker hielt, ist es kein Wunder, daß er fragt, warum sie nicht die Religion der Alexandriner annehmen. Apion wirst ferner den Juden vor, daß sie Thiere opfern. kein Schweinefleisch essen, und lacht darüber, daß sie sich beschneiden.*) Es war Josephus ein Leichtes, diese und ähnliche Lappalien des Apion llild anderer heidnischer Judenfeinde zu widerlegen, lind er erfüllte seine Aufgabe auf eine siegreiche Weise und zeigte, daß die Gesetze des Judenthums nicht Lehreil der Gottlosigkeit, sondern der wahrhaftesten Gottesfurcht sind, daß sie nicht zu Menschenhaß, vielmehr zu Gleichheit des Besitzes anregen; daß sie Feinde der Ungerechtigkeit sind, eifrige Vertreter der Gerechtigkeit, Gegner des Müssiggangs und der Verschwendung, Einschärser der Genügsamkeit und des Fleitzes, Vergrößerungskriege misbilligend, Heldenmuth für das Gesetz aber befördernd, unerbittlich im Bestrafen, lind dies nicht durch Worte, sondern durch Thaten. Darum möchte ich auch behaupten, sagt Josephus, daß wir mit dem meisten Trefflichen andern vorangeleuchtet haben. Denn was ist trefflicher als die Nichtverletzung der Gottesfurcht? Was gerechter, als den Gesetzen gehorchen? Was nützlicher, als in Eintracht miteinander leben, sich weder im Unglück veruneinigen, noch ün Glücke Aufruhr stifteil, sondern im Kriege den Tod verachten, im Frieden aber Gewerben oder dem Ackerbau obliegen und die Ueberzeugung haben, daß ein vorsehender Gott über alles und allenthalben wache? Haben nun andere diese Gesetze entweder früher geschrieben oder besser gehalten, so sind wir ihnen als Schüler Dank schuldig; zeigt sich aber, daß wir sie am meisten halten, und habe ich nachgewiesen, daß sie sich bei uns zuerst fanden, so sind die Apione und Molvne und wer sollst immer Freude daran hat, über uns zu lügen und uns zu schmähen, überführt. Josephus hatte gezeigt, daß im mosaischen Gesetze Gott der Mittelpunkt des ganzen *) Die heidnischen Schriftsteller erklärten sich den Abscheu der Juden vor dem Fleische des Schweines dadurch, daß sie diese Thiere als Gottheit verehren, daher Petrucius: ^uän6U8 lieet et xoi-einuni aitonet. Besondern Stoff zur Verspottung der Juden gab die Beschneidung; man hieß sie: Verxi, Ourti.

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