Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 304 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. wenn andere Schriftsteller, wie Hieronymus, ein Zeitgenosse des Hekatäus, die Juden mit Stillschweigen übergingen, so geschah dies aus Haß oder einer sonst verwerflichen Ursache. Josephus kommt nun seiner andern Aufgabe nach, die gegen das jüdische Volk gerichteten Verleumdungen zu entkräften. Er weist die Abgeschmacktheit und Lächerlichkeit der ehrenrührigen Berichte des Manethon nach, der früher versprochen, eine ägyptische Geschichte aus den heiligen Schriften der Aegypter wiederzugeben, und daselbst gesagt, unsere Vorfahren seien in vielen Tausenden nach Aegypten gekommen, hätten die Einwohner unterworfen, hierauf Judäa erobert u. s. w., später aber angibt, es habe sich eine Menge Aussätziger und mit andern Krankheiten behafteter Aegypter, die das Land zu verlassen gezwungen waren, mit uns vermischt, und hierzu einen falschen Namen, einen König Ainenophis erfindet. Auf diesen Manethon stützte sich dennoch Schiller und in neuerer Zeit Brunner (s. Kuranda gegen Brunner). Josephus zeigt dann den Unsinn der Schriftsteller Chäremon und Lysimachus. Letzterer berichtet sogar, Jerusalem habe früher Jerosyla geheißen, was auf griechisch Tempelschändung heißt, weil nämlich jene Aussätzigen unter Moses Tempel und Heiliges geschändet hatten; später habe man sich des Namens geschämt, und ihn in Jerusalem umgewandelt. Der kindische Mensch, sagt Josephus, merkt in seiner Schmähsucht nicht, daß er von Juden und nicht von Griechen spricht, und bei den Juden heißt doch Tempelschändung nicht Jerosyla. — Im zweiten Buche wird der eigentliche Kampf beschrieben, welcher gegen den Glauben und die Ehre des Judenthums geführt ward und dessen Repräsentant Apion ist, welcher von den Alexandrinern nach Rom zu Caligula geschickt ward, um gegen Philo zu polemisiren, der an der Spitze der jüdischen Gesandtschaft stand. Dieser närrische Apion behauptete: Moses war ein Heliopolitaner, und darum führte er, den väterlichen Sitten anhängend, ein, daß innerhalb der Mauern der Stadt (Jerusalem) Gebete unter freiem Himmel gehalten werden sollten; und er richtete sie (die Stadt) völlig nach Osten, denn dort liegt Heliopolis. Statt der Obelisken stellte er Säulen auf, unter welchen eine Art Nachen war, auf den der Schatten von der Höhe (der Säulen) herabfiel, der also den Lauf, den die Sonne machte, zugleich mit durchging. Die Israeliten, welche Moses aus Aegypten führte, waren aussätzig, blind und lahm; es geschah dies um die siebente Olympiade, und zwar in deren erstem Jahre, in welchem die Phönizier- Karthago gründeten.*) Die Anzahl der Vertriebenen war 110000. Als sie sechs Tage in der Wüste reisten, bekamen sie an gewissen Theilen Geschwüre, und darum ruheten sie, als sie wohlbehalten in das jetzt Judäa genannte Land kamen, am siebenten Tage aus und nannten ihn Sabbat. Sie behielten das ägyptische Wort bei: dieses schmerzliche Geschwür nennen die Aegypter Lnbbatasw.**) So thöricht, wie Apion die Religion der Juden angreift, ebenso thöricht bekämpft er ihre Nationalität. Sie sind, sagt er, Fremde, Eingewanderte mit Sonderinteressen und separatistischen Tendenzen. „Wenn sie Alexandriner sind, warum verehren sie nicht dieselben Götter wie die Alexandriner? Warum stellen sie nicht die Bildsäulen der Imperatoren auf?" In ihrem Heiligthume, erzählt Apion, haben die Juden den Kopf eines Esels aufgestellt, den sie verehren lind mit großer Ehrfurcht anbeten. Dieses wurde bekannt, als Antiochus Epiphanes den Tempel plünderte; er fand darin den von Gold verfertigten, sehr kostbaren Kopf. Apion *) Jos. sagt bei dieser Gelegenheit: „Salomo errichtete den Tempel 612 Jahre nach dem Herauszuge der Juden aus Aegypten", im Widerspruche mit 1 Kön. 6,1, und mit sich selbst, Alterth. 6, 3. lieber die Zahlenabweichungen haben wir oben unsere Meinung gesagt. **) Welche lächerliche Ansichten die Heiden vom Sabbat und den Festtagen hatten, ersieht man auch aus Plutarch. Cr klagt die Juden der Bacchanalien an, heißt das Laubhüttensest (waäexliorm und leitet Sabbat von Bacchus ab.