Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 302 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Jllustr. Monat sh. für die ges. Interessen des Judenthums. Judenthum darstelleu wollte, darf ihre Bekenner nicht mit Finsterniß umgeben, kann voll ihnen nicht unverstandene und unverständliche Ceremonien fordern; die Religion der Freiheit und des Selbstbewusstseins kann den Menschen nicht zu einem blinden, todten Werkzeuge, zu einer bloßen Maschine herabwürdigen wollen. Auch schon zu Josephus' Zeiten hatte man den Juden, bald mit Recht, bald mit Unrecht, Formendienst und Werkheiligkeit vorgeworfcn. Josephus sucht daher die mosaischen Vorschriften soviel als möglich zu motiviren, sie vernünftig auszulegcn, mit den Gesetzen der Sittlichkeit in Einklang zu bringen und ihnen überhaupt eine rationalistische Färbung zu geben. Und hierin bewährte er sich als echter lind rechter Pharisäer, denn diese waren cs ja, welche das Gesetz frei, ohne von dem Buchstaben gefesselt zu sein, behandelten, in den Geist des Mosaismus eindrangen und ihn mit dem Leben in Einklang zu bringen sich bestrebten, und ist der Name Peruschim von imra8eli, „erklären", herzuleiten, indem sie die Gesetze erklärten, nach den Gründeil derselben forschten, lim mit der Entwickelung des Judenthums und dem religiösen Volksleben Hand in Hand zu gehen. Josephus war überhaupt durch und durch Pharisäer, jeder Zoll au ihm war Pharisäer, er war vom Pharisäismus so durchdrungen, daß er die Sadducäer schlechter schildert, für schlechter hielt, als sie wirklich waren, denn sie haben keineswegs, wie er angibt, die göttliche Vorsehung geleugnet, haben auch nicht die Vergänglichkeit der Seele behauptet. Von den Pharisäern gibt Josephus folgende Beschreibung : Ihre Lebensart war im allgemeinen einfach, ursprünglich entfernt von Weichlichkeit und Ueppigkeit, sie zeichneten sich durch Hartnäckigkeit und Consequenz aus in alleil Dingen, welche sie durchzusetzen trachteten. Sie schrieben alles, was geschieht, der Bestimmung zu, dennoch wäre dem Menschen Freiheit des Willens gegeben, die seine Handlungen leite und ihn zum Bösen oder Guten führe (^ut. 18, 1, 3; I. Kr. 2, 8, 14fi Das für die göttliche Einwirkung gebrauchte Wort ist ein Kunstausdruck. „Man sieht es", sagt Grätz (3, 508), „dem Worte an, daß es dem Geschichtschreiber Schweiß gekostet hat, ein passenderes für die eigenthümliche jüdische Anschauungsweise zu finden, und er froh war, ein leidlich zutreffendes aus der hellenischen Gedankenwelt gefunden zu haben." Sie glaubten die Unsterblichkeit der Seele, daß die Seele in einer andern Welt gerichtet und nach Tilgend und Laster belohnt oder bestraft werde, daß die Seelen der Bösen auf ewig in jener andern Welt zur Bestrafung cingeschloffen bleiben, die der Frommen aber ins Leben zurückkehren (Xnt. 18, 1,. 3). Durch diese Glaubenslehre, durch die Sorgfalt, mit welcher sie sich der Erklärung lind Deutung der Gesetze widmeten, durch den Schein der Frömmigkeit, den sie um sich zu verbreiten verstanden, durch die Aufmerksamkeit, welche sie alleil politischen Bewegungen schenkten, wußten /ie sich dermaßen in die Gunst des Volks zu setzen, daß sie den größten Einfluß auf das bürgerliche und öffentliche Leben gewannen und in der Geschichte des jüdischen Volks bedeutend hervortraten (Lut. 13, 10, 5). Das Dogma voll Lohn und Strafe, von Gottes Vorsehung und Allgerechtigkeit hat Jvsephus nicht selten benutzt, gewiß um die Römer von Unterdrückung der besiegten, unterworfenen und untergebenen Juden abzuhalten. Antiochus' qualvolleil Tod erzählt er mit folgenden Worten: „Als er längere Zeit im Bette gehalten wurde, und die Qualen sich mehrten, da merkte er das nahende Ende und berief seine Freunde, stellte ihnen die Gefahr seiner Krankheit vor und erklärte, daß alles ihm deswegen widerfahren, weil er das Volk der Juden so schrecklich gezüchtigt, den Tempel beraubt und Gott gelästert habe: bei diesen Worten entfiihr sein Geist. Deswegen wundere ich mich, wie Polhbius, der Megalopolitaner, sollst ein redlicher Mann, behaupten konnte, daß Antiochus darum zu Grunde gegangen sei, weil er in Persien der Diana Tempel berauben wollte. Das Wollen ohne Ausfuhren hätte keine solche Strafe