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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 301

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 301 (sequence 37)
Language
German
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Flavius Josephus. 301 Griechische zu übersetzen, und noch ein mehreres zu leisten, damit der Leser erkenne, daß die, welche in Gottes Wegen wandeln, glücklich, die aber davon abweichen, unglücklich sind. Aus der Gesetzgebung Mosis mag der Leser auch erkennen, daß der Gesetzgeber von der Furcht Gottes geleitet werden müsse. Alls Moses seine Bürger belehren wollte, war seine Absicht, auch das Recht und die Gerichte nicht wie andere Gesetzgeber auf Menschen, sondern auf Gott zu beziehen. Es war also die Absicht Josephus, das Gesetz Gottes, das durch Moses den Israeliten kundgegeben ward, in seiner Vortrefflichkeit zu zeigen, um das Judenthum mit einer Strahlenkrone zu umgeben, und zu zeigen, daß, wenn auch der jüdische Staat gebrochen war, der Geist der jüdischen Gesetze an Vortrefflichkeit nichts einzebüßt hat; er wollte zeigen, daß selbst die jüdischen Staatsgesetze von dem göttlichen Gesetzgeber Herrühren und mit den eigentlichen Religionsgesetzen einerlei Ursprung haben; er wollte zeigen, daß nur der Ungehorsam der Juden gegen diese göttlichen Gesetze ihren Stur; herbeigeführt habe, daß sie aber vollkommen würdig seien, in das sociale Leben des römischen Volks ausgenommen zu werden. Josephus versichert zugleich, daß er ganz objectiv, ohne Falsch und Trug, diese Arbeit unternahm. Durch die „Alterthümer" wollte er eben die Differenz zwischen göttlicher und menschlicher Gesetzgebung zu erkennen geben. Die Religion der Römer diente einzig und allein dem Staate. Wenn die Religion der Griechen eine poetische war, so war die der Römer eine kalt-prosaische. Nicht Dichter, nicht Priester: Staatsmänner hatten, sie entworfen, sie in Glaubenssätzen und Gebräuchen systematisch geordnet und durchaus zur politischen Maschine gemacht. Im Judenthum ist die Religion die Leiterin des Staats, ist Gott Gesetzgeber. Das Judenthum enthalte also Glaubenssätze, Lehren der Sittlichkeit, der Gesellschaft und des Staats. Hiermit bezeichnet Josephus die Mission des Judenthums. Nicht der Glanz weltlicher Herrschaft, nicht kriegerische Großthaten, nicht mächtiger Reichthum soll es zur Geltung bringen, nein, seine zeitlichen Factoren sind der Verwesung anheimgefallen, aber der Sieg der Gotteslehre ist aus seiner Fahne geschrieben, der vom nationalen Israel und seinem Heiligthume nicht abhüngt und die weltbeherrschendeu Dynastien, den höchsten Völkerruhm und die ausgedehnteste Völkermacht nicht zur Devise hat. Josephus schcuit sich auch nicht, die Rede Judas' des Makkabäers vollkommen zu reprvduciren, in welcher dieser löwenmuthige Held seinen todesmuthigen Jüngern die denkwürdigen Worte zürnst: „Brüder, es gibt keine schönere Gelegenheit wie diese, unsere Tapferkeit und die Verachtung der Gefahren an deil Tag zu legen. Bereitet liegt der Lohn für den Tapsern, die edle Freiheit! Sie, schon ihrem eigenen Wesen nach jedem wünschenswerth, ist für uns noch schätzbarer, weil nur von ihr die Möglichkeit abhängt, unfern Glauben aufrecht zu erhalten. Bedenket, daß ill vielem Kampfe es darum sich handelt, ob ihr eueres frühem Glückes wieder theilhaftig werden sollet, nach väterlichen Gesetzen und Gewohnheiten zu leben, oder ob mich, wenn ihr nicht heldenmüthig kämpfet, die Ueberreste eueres Volks schimpflich zu Grunde gehen sollen. Mit solcher Gesinnung eröffnet die Schlacht. Der Feige wie der Tapfere entflieht nicht dem Tode, aber ewig blüht der Ruhm dem Vertheidiger der Gerechtigkeit, der Gesetze, der Freiheit, des Vaterlandes!" und es ist eine ungerechte Anklage, daß Josephlls beim Kriege mit Eestius Sympathie für die Freiheit heuchelte, sich aber heimlich freute, daß Eestius bald mit seiner gesammten Macht Heranrücken und dem Freiheitsschwindel ein Ende machen werde. (Grütz 3, 40l). Josephus liebte die Freiheit, wenn auch nicht den Freiheitsschwindel. Er zeigte, daß Freiheit die Seele des jüdischen Gesetzes sei, und wollte, daß sein Volk unter den: römischen Scepter nicht in Ketten gefesselt liege. Das religiöse Leben des ganzen Judenthums stellt Josephus im Lichte der Freiheit dar, denn eine Religion des Wissens und der!Erkenntniß, als welche Josephus das

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