Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 297 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Jos. Jak. Flatau und der Hopfenbau in Preußen. 297 das letzte Wort wegen der Beschränktheit des Raums durch die verständliche! Abbreviatur 'r-2 ausdrückte. Die ganze Inschrift lautet nach meiner Ansicht: riuii?? 8221 71571 2i?22 2°>7w '71g Es sei Friede in diesem Orte und in allen Orten Israels. Joseh der Lewi.te, Sohn Lewi's, hat gemacht diese Schwelle. Es komme Segen in die Wohnung des Friedens. Renan verlegt aus paläographischen Gründen die Inschrift in das 2. Jahrhundert. Von Frankel's Gegengründen bat nur der eine, daß der Name -21' erst dem 4. Jahrhundert angehört, einige Kraft. Das Nichterwähnen von 21-12 22im Talmud beweist nichts, da wir in dem Fall, daß alle, Ortschaften, die Synagogen hatten, im Talmud erwähnt werden, eine Topographie Palästinas dort hätten. Auch ist sehr zu bezweifeln, daß Kasyun in Abot 6, 9 unter der Form ^222 vorkommt, den X227 war ein Personenname, der Ler. mb. e. 61 in der Form 22'? vorkommt. Wäre übrigens Kasynn die „große Stadt, voll von Weisen und Schriftgelehrten," gewesen, so wäre sie gewiß mehrmals im Talmud erwähnt worden.*) Auch finde ich in 2222 X22 nichts Mittelalterliches, sondern eine ganz einfache Reminiscenz aus Deut. 28, 2. Die Inschrift dürfte aber dennoch nach dem einen stichhaltigen Beweise Frankel's und meiner Bemerkung (S.296, Sp.1, Note**) in das ^Jahrhundert zu versetzen sein. Wischt IlAlMük und Dmdimrcht. Jos. Jak. Flatau und der Hopfenbau in Preußen. Von allen den in ihrem gewöhnlichen Vorkommen bekannten Producten der Landwirthschaft bedarf wol keines solch reicher Erfahrung und Sachkenntniß als der Hopfenbau. Bei ihm heißt es nicht: „Ich habe gesäet, der liebe Gott läßt es wachsen", vielmehr bietet jeder Tag dem Sachverständigen und auf¬ *) Vielleicht ist das Le-a II, a erwähnte z-'^p Kasmn. Hilberg's Jllustrirte Monatshefte. I, 4. — Zarti 1565. merksamen Beobachter auf diesem Felde neue Erfahrungen dar, um durch geeignete Mittel der 'Natur nachzuhelfen und das Gedeihen wesentlich zu fördern. Nach dieser Richtung hin dürfte wol in Preußen, vielleicht auch über die Grenzen dieses Landes hinaus, kein Mann praktischere Erfahrungen besitzen und augenscheinlichere Erfolge erzielt baben, als Jos. Jak. Flatau, ein Israelit, geboren in Posen, gegenwärtig in Berlin, der in Achtung und Reichthum angesehensten Familie der Provinz Posen angehörend. Wir erinnern hier nur an das von Flatau seit einem Jahrzehnt und weit darüber eingeführte Versahren, den Hopfenstvck in holzarmen Gegenden am Drahtgestell zu ziehen, Hopfenextraet zu gewinnen, Anwendung des Salzes zum Düngen, Brennen der Hopfenstangen, um das Ungeziefer nicht aufkvmmen zu lassen, Pinciren der Spitzen der Hopfenranken, um größere Ernten und bessere Produete zu erzielen. Abräuchern großer Hopfenanlagen, um die Pflanzen von schädlichen Insekten zu reinigen, und so mehreres, welches erst später vom Auslande anerkannt und Nachahmung gefunden hat. Während in den frühem Jahrhunderten der Hopfenbau, zuletzt noch unter der Regierung Friedrich's des Großen, in verschiedenen Gegenden Preußens befördert wurde, ist derselbe bis vor ungefähr dreißig Jahren fast bis zur Nullität herabgesunken. Merkwürdig! Zu einer Zeit, wo das Bier, folglich auch der Hopfenbau, noch nicht wie heute eine Bedürsnißfrage der Bevölkerung war, ward dem Hopfenban eine grvßere Aufmerksamkeit geschenkt als in spätem Zeiten, wo Bier, flüssiges Brot für Arm und Reich, eine Lebensfrage geworden. Herrn Flatau, dem uneigennützigen Einführer und unermüdlichen Beförderer des Hopfenbaus, verdankt Preußen in der Gegend von Neutomysl, Provinz Posen, trotz der dortigen sehr ungünstigen Bodenverhältnisse (Sandboden), einen Hopfenbau, der ein Zweig des Nationalreichthums Preußens geworden ist. Im Jahre 1838 mit Einführung geeigneter Fächser beginnend, war Flatau bis auf den heutigen Tag 20