Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 292 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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292 Jlkustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. tigen, farbeglühenden Orient selbst gesehen, kommt das Buch trotzdem zu blendend, zu licht gehalten vor, und wir erinnern uns dabei stets des Liedes, das wir unter den Palmen Smyrnas geschrieben und das mit der Strophe schließt: Vom Orient die Perlen all. Des Ambras und der Cedern Dust, Das Lied von Asiens Nachtigall, Gern tauscht' ich sie für deutsche Luft. Hat der Dichter des „Helden- und Liederbuchs", der sich sogar ein lebendes Stück Orient, den Neger Musa, mit nach Wien brachte, nie ähnliches Heimweh empfunden? Und vergaß er, daß all der zauberische Glanz, der Paläste und Moscheen überfliegt, nur „ein ersterbend Abendroth" ist? Frankl traf steine treffliche Gattin erschöpft und kränker, als sie bei seinem Scheiden war. Es schien, als habe sie seine Rückkehr abgewartet, um ihm Lebewohl zu sagen für immer, denn bald starb sie, und der Dichter, dem es schrecklich schien, so allein dazustehen in der Welt, vermählte sich, wie dies Wurzbach berichtet, schon im Herbst 1857 mit der schöneil, geistvolleil Nichte seiner ersteil Gattin. Nachdem er seinem geliebten Bruder Bernhard David Frankl, mit dein er in den Jugendtagen Freud' lind Leid getheilt, sowie seiner edeln Mutter, die beide ihm der unerbittliche Tod entriß, in einer Biographie Der Thränen Zoll, den nichts vermag zu lindern, in treuem Gedenken gegeben, wandte er sich wieder poetischen Arbeiten zu und ließ 1860 den „Primator" erscheinen. Diese Ghettogeschichte in Versen ist voll Schwung und Wärme, stellenweise aber auch voll heiligen Zorns geschrieben. Sic schildert die Zustände der Prager Juden im Mittelalter. Heil uns, daß die Zeit aus Nimmerwiederkehr verschwunden, von der es im Liede heißt: Sie lassen ihren Hund nicht trinken Vom Quell, aus dem ein Jude trank; Faßt ihn beim Bad der Strom, versinken Ihn lassen sie um Gottes Dank. Wir haben diesen Zeilen nur wenig mehr beizufügen, denn es ist Frankl, voil dem die Literatur noch manche schöne Gabe zu erwarten hat, gegönnt, an der Seite seiner geliebten Gattin ein glückliches Familienleben zu führeil, ein Leben der Thätigkeit, der Ehre und des Behagens, und so erfüllte sich an ihm wie an seinen Brüdern Eduard, der iil Chrast als Stadtrath, und Wilhelm, der als kaiserlicher Rath in Wien lebt und ersprießlich wirkt, das schöne Wort der Schrift, „daß der Aeltern Segen das Glück der Kinder begründe". Alfred Teniers. G lM M IchMH lek. O halte an Jehovah fest Und traue seinem heil'gen Wort, Du weißt, daß er dich nie verläßt. Und daß dir winkt die Heimat dort! Und irrst du auch, mein armes Volk, Verfolgt, verrathen hier umher, Sei ruhig, bei Jehovah dort Fühlst du dich nicht als Fremdling mehr! Dort findest du wol manchen Feind, Der dich gequält mit Trug und List, Und der dir dort zu Füßen sinkt, Vergebung flehend dich begrüßt. Dort findest du den Bruder wol, Der hier von dir sich abgewandt. Und der mit reu'ger Miene dort Versöhnung bietend reicht die Hand. Und was du schmerzlich hier vermißt: Ein Vaterland, ein eigen Reich, Die Sehnsucht wird es finden dort. Denn dort vor ihm sind alle gleich! Auf! auf! erhebe drum dein Herz Zu ihm in glühendem Gebet, Der mächtig thront im Ltrahlenglanz, Um den der Chor der Engel steht! Und denk daran, mein theures Volk, Daß er, der hier dir stets ein Hort, Dich einst voll Lieb' empfangen wird In seinem Paradiese dort! O sei getrost, verzage nicht! Was du auch hier gelitten hast,. Dort oben in dem ew'gen Licht Wird deiner Seele süße Rast! O schließ dich immer fester an, An ihn, der über dir dort wacht. Und der dich schützt auf deiner Bahn, Der bald verscheucht die Leidensnacht.