Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 291 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig August Frankl. 291 aber an dem Sänger des „Habsburgsliedes" nicht zur Ausführung kam. Doch auch ander Leid traf ihn. Seine geliebte Gattin fing zu kränkeln an, und seine witzigen Satiren über ärztliche Charlatanerie wurden wol viel gelesen, schafften ihm aber auch so manchen Feind. Dazu kam, daß es damals in Oesterreich gewaltig trübe aussah. Die Luft roch nach zertretenen Freiheitsblüten, und in Italien und Ungarn dampfte das nichs blos auf dem Schlachtfeld vergossene Blut gegen den Himmel empor. Wieder war die Zeit gekommen, in der eine Poesie der Versöhnung lind Vermittelung dringend noththat. Da erschien in Leipzig ein kleines Büchlein von einem ungenannten Autor. Es hieß „Ein Maggyarenkönig". Ach, alle die Geiseln, die das unglückliche Land damals zerfleischten, waren darin geschildert, und der Erfolg dieser großherzigen „Thal in Worten" wäre damals ein ungeheuerer gewesen, wenn man das Buch nicht in Oesterreich verboten hätte. Erst später, als Im Lande der Magyaren, Wo Engel Kronenhalter, die Revolution niedergeworfen war, als Rachsucht und Leidenschaft sich darin ausgetobt hatten, erfuhr man, daß der Dichter, der einem König die Worte zurief: Du mußt dich jetzt ermutbigen. In der Geschichte Blättern Einschreibst du dich mit blutigen, Vielleicht mit goldenen Lettern. Ob zu der Menschheit Heroen, Dich einst die Nachwelt weiht. Ob sie an die Nerven Mit einem Fluch dich reiht . .. Noch bist du Herr des Geschickes! daß dieser unerschrockene Dichter von Gottes und der Freiheit Gnaden Ludwig August Frankl war. Aber erschütternder noch als das Erkenntniß, daß: Wer herrschen will vom Throne, Muß Ketten schmieden lernen; Sie halten ihm fest die Krone, Nicht Engel über den Sternen, ... Wirkte auf unfern Dichter die Kunde vom Tode Lenau's. Sie veranlaßte ihn zu einer Biographie, die, obgleich sie nur das enthält, was nach Schiller's Meinung das Höchste ist, nämlich Wahrheit, doch Lenau's und Frankl's Freunde gleich unangenehm berührte. ES zeugt für die Vielseitigkeit des Frankl'schen Talents, daß beinahe gleichzeitig mit dem Buch „Ueber Lenau" ein schätzenswerther Beitrag „Zur Geschichte der Juden" sowie über „Die Inschriften des alten jüdischen Friedhofs in Wien" von ihm erschienen war. Auch das treffliche Buch „Libanon", das in keiner jüdischen Familie fehlen sollte, wurde um diese Zeit, um das Jahr 1854, von ihm zusammengestellt. Doch weit größere Verdienste um sein Volk, ja um die Menschheit, erwarb sich Frankl, als er, ein Bote des Lichts und der Aufklärung, im Mürz 1856 seine berühmte Reise nach Jerusalem antrat. Erschütternd wirkte es auf ihn, als er die Wahrheit der Vision des Jesaias erfüllt sah, der Weissagung, die da lalltet: „Wie sank sie zur Buhlerin herab, die Burg der Treue!" Unter unzähligen Schwierigkeiten erfüllte er seine schone Sendung, unter Schwierigkeiten, die ihm der Unverstand und Fanatismus seiner Glaubensbrüder in der Stadt des Haders und der Zerrissenheit, in Jerusalem, bereitete. Endlich war die edle Absicht seiner Auftraggeberin, der Frau Elise Herz, geborenen von Lämel, erfüllt, die Schule in Jerusalem war errichtet, und Frankl, der, ein moderner Pilger, voll Begeisterung und Glauben hingezogen, kehrte mismuthig und enttäuscht zurück von der Stadt, „welche die Krone der Schönheit, des Erdballs Wonne" war. Ein interessantes, reichhaltiges Reisewerk: „Aus Jerusalem", dem das belehrende Buch: „Ueber Aegypten" folgte, Werke, in denen Dichtung und Wahrheit wundersam ineinanderfließen, war die literarischeAusbeute, die Frankl heimbrachte, und das Bedeutendste, was Frankl bisjetzt in Prosa geschrieben. Das Buch fand ungemeinen Beifall bei jenen, die den Orient kennen, und erweckte die Sehnsucht danach bei jenen, die ihn nicht kennen. Uns aber, die wir den präch-