Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 290 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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- Capua 1× ep/1047865
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2S0 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. keit als Mensch und Schriftsteller beseelt, ward er jedem mehr als gerecht, und vielen, die sich hülfesuchend an ihn wandten, Berather, Förderer und Freund. Nachdem er sich durch seine im Jahre 1843 in Prag erfolgte Vermählung einen behaglichen häuslichen Herd gegründet, ging er mit neuer Lust ans Dichten. Diesmal besang er den glänzenden, ritterlichen Bastard Karl's V., den hochsinnigen Don Juan d'Austria, in Stanzen, die mit der Anmuth der Form und Kraft der Sprache aucy noch den Vorzug verbinden, daß in ihnen der schönste Hymnus klingt: Geklirr der Ketten, die von Sklaven fallen, und so durfte Frankl mit Recht von diesem, einem seiner melodiereichsten Gesänge sagen: Ein tiefer Zauber wohnt in einem Liede, Das Freiheit singt, . . . doch wenn er in diesem Liede von Freiheit, Licht, Lenz und Liebe, von Heldenthum und von Zeiten sang, die längst dahin waren, wenn er, der Jude, vorurtheilsfrei in beschränkter Zeit, den „Sieg des Kreuzes" besang, so dachte er doch auch seiner unterdrückten Glaubensgenossen, erwachte an ihre Schmach und ihre Schmerzen, er fühlte sie mit, und so entstaitd sein rührendes Gedicht „Rachel", in dem es heißt: Land der Harfen, Land der Psalmen, Gottverheihnes Wunderland, Aus dem Schatten deiner Palmen Ist dein Volk verbannt, verbannt! In der Erde heißen Wüsten, Ueber die Gebirge weit Und an alle Meeresküsten Jst's verweht und hingestreut. Aber dem Schmerz folgt der Trost, wie der Tag her dunkeln Nacht entquillt, und so tröstet er alle, .. . Welche noch die Hüter Des gesunknen Tempels sind. Eben mit „ Rachel" begann Frankl's „Poesie der Vermittelung" zwischen hem herrischen, dem Volk der Denker, und dem Mischen, dem Volk der Dulder. Indem der Dichter Gefühle der Versöhnung und des Schmerzes aussprach, trat er ausgleichend und rührend zwischen die Parteien und ward einer von denen, die durch ... unsichtbare Strahlenfäden Knüpfen Herz an Herz gelind; ... er ward also einer von denen, die mächtig beitrugen zur Erkenntniß, daß die sich nie befehden und kränken sollten, die, wenn auch unter verschiedenen Formen, vor dem Hocherhabenen, Unwandelbaren anbetend sich beugen, denn Flammen Gottes glänzen allen. Nur dem Glaubenlosen nicht! Später veröffentlichte Frankl lyrische Gedichte, die zwar vielen Beifall fanden, aber mehr das Product hes Geistes als des Herzens sind und deshalb auch nicht in das Volk drangen. Sein häusliches Stillleben in Wien erhielt Reiz und Abwechselung durch die Verbindungen, in welche er mit den trefflichsten Männern und mit geistreichen Frauen aller Länder und Stände trat, sowie durch Reisen, die er in Deutschland machte. Einen Namen tragend», den man unbedingt zu den gefeierten zählen konnte, erlangte sein ganzes Wesen eine Harmonie, die sich auch in seinen spätem Schöpfungen auf die wohlthuendste Weise aussprach. Wien, dieses Capua der Geister, wurde ihm zur Quelle, die seinen Geist und seine Empfindungen schärfte und veredelte. So kamen die glorreichen Märztage des Jahres 1848, und Frankl, unbekümmert um das, was Nachtheiliges für ihn daraus entstehen konnte, warf has erste censurfreie Blatt, sein berühmtes, während» des Wachesteheils gedichtetes Lied: „An die Universität", in die Bewegung, denn Die Stunde war des Lichts gekommen, und der Dichter, der Zugleich erwacht mit Lerchenliedern, bleibt fortan mit Oesterreichs Geschichte des Freien Worts, das sie gefangen, Seit Joseph arg verhöhnt, verschmäht, untrennbar verbunden für alle Zeit. Wie ernst er es mit der Freiheit meinte, beweist der Umstand, daß er nach dem Einzug des Fürsten Windischgrätz in das eroberte Wien seine „Sonntagsblätter" nicht mehr heraus-! geben durfte, ja daß er sogar von einem! Verbannungsbefehl bedroht wurde, der