Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 289 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig August Frankl. 289 dem Ideal des Schönen und Guten zu nähern, daß er nach Vollkommenheit strebte, davon geben die meisten seiner Werke erwünschtes Zeugniß. So nahte ihm denn, ihm, dem Strebenden, Hoffenden und Sorgenden, das Jahr 1832 und brachte dem deutschen Publikum eine in Nibelungenstrophen gedichtete Romanzenreihe unter dem Titel: „Das Habsburgslied". Diese Romanzen lenkten die allgemeine Aufmerksamkeit auf den bis dahin in weitern Kreisen noch sehr unbekannten Dichter und wurden verschiedenartig beurtheilt. Man hat mit Unrecht in sehr gehässiger Weise die Gesinnung des Dichters damals als eine feile, servile bezeichnet. Waren auch nicht alle Helden des „Habsburgsliedes" wirkliche Heldeil, Gesetzgeber oder Wohlthäter der Menschheit, und hat über die meisten derselben die Geschichte, dieses Weltgericht, ein anderes Urtheil gefällt als der damals kaum zweiundzwanzigjährige, noch politisch unmündige Dichter, so war doch sein Gedanke, in diesem Buch ein poetisches Spiegelbild der Geschichte Oesterreichs zu geben, ein ganz löblicher, und es verrieth dieses Erstlingswerk „trotz alledem und alledem" so viel Talent und sittliches Schönheitsgefühl, daß es eine schonende Beurtheilung verdient hätte. Es ist bekannt, daß Frankl heute noch nur ungern von dieser jugendlichen poetischen Verirrung spricht, allein sowenig man einen Tag nicht Tag nennen darf, weil er statt in Heilerin Glanz, in trüben Wolken verging, so wenig ist man berechtigt, einen Dichter deshalb nicht Dichter zu nennen, weil sein poetisches Schaffen auch Schatten warf. In prächtigen Stanzen und Canzonen folgte fünf Jahre darauf das Poem „Christophoro Colombo", nachdem die inzwischen veröffentlichten „Epische und lyrische Dichtungen", „Parisina" und die phantasiereichen „Sagen aus dem Morgenlande" den Dichter rasch berühmt gemacht hatten. „Christophoro Colombo" ist eine schöne Huldigung, dem Manne dargebracht, der den Theil der Erde entdeckte, darauf, um mit Lenau zu sprechen : . . . Die Freiheit im Vorüberflug Bezaubernd ihren Schatten fallen läßt. Und der ihn hält in tausend Bildern fest,... und Genua lohnte den Dichter, der den größten und unglücklichsten Sohn der alten Republik besungen, in hochherziger Weise durch Ertheilung des Bürgerrechts, indeß Kaiser Franz von Oesterreich dem Dichter des „Habsburgsliedes" seinen Dank durch die Ertheiluug einer Freikarte für das Hofburgtheater abstattete, wie dies Frankl selbst in ergötzlicher Weise in einer seiner für das geistige Leben Wiens hochwichtigen Skizzen „Aus halbvergangener Zeit" geschildert. Eben im Jahre 1837 erhielt er in Padua das Doctorat der Medicin, bereiste sodann Italien und lernte in Mailand Joseph Emanuel Hilscher, den Poeten im Corporalrock, kennen, über dessen düsteres Geschick er durch innige Theilnahme einen nur zu flüchtigen Strahl der Freude warf, und dem er, da er dessen poetischen Nachlaß 1840 herausgab, ein schöneres und dauernderes Denkmal setzte, als dies aus seinen Antrieb die Bürger von Leitmeritz (Hilscher's Geburtsstadt) durch Errichtung eines Standbilds inr Jahre 1863 thaten. Uni als Arzt in Wien zu wirken, kehrte er 1838 nach der Residenz zurück; da traf ihn eine Freudenbotschaft, die Ernennung zum ersten Secretär und Archivar der jüdischen Gemeinde. Er wurde dadurch nicht nur vor Entbehrungen geschützt, sondern zugleich in jene Wohlhabenheit versetzt, die der Entwickelung jedes Talents so günstig ist. Seine amtlichen Arbeiten ließen ihm außer der Muße zu poetischen Schöpfungen auch noch Zeit, durch die 1842 erfolgte Herausgabe der trefflichen„Sonntagsblätter" sich ein großes Verdienst um die geistige Entwickelung nicht nur Oesterreichs, sondern Deutschlands überhaupt zu erwerben, indem er jugendliche Talente aufsuchte, sie aufmunterte und in seinem Blatt wie in einem geistigen Salon um sich versammelte, denn von einer seltenen Uneigennützig-