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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 282

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 282 (sequence 18)
Language
German
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282 Jllustr. Monatsh. für die gef. Beziehung eins nud keinem der 'vorhandenen Wesen ähnlich. Moses ist der Gesandte Gottes, und dieser hat uns durch ihn die unbedingt wahrhaftige Schrift verliehen. Diese in ihrer Ursprache zu erlernen, sowol in sprachlicher Hinsicht als auch in Bezug auf richtige Auslegung, ist Pflicht eines jeden. Auch den übrigen Propheten hat Gott sich offenbart. Er wird am Tage des Gerichts die Todten wieder beleben, jedem nach seinem Thun vergelten und Israel durch den Sohn David» aus dem Elend erlösen." In diesen Sätzen concentrirt sich die noch heute bestehende Lehre der Karäer. Sie ruht auf diesen: schlichten, geheiligten Fundament sicher und fest, ein Zeugniß der Dauer/ welche einer auf strenge Beobachtung des Gotteswortes gestützten Genossenschaft nicht fehlen kann. Wie die Lehre, so sind auch die Gesetze, die dem Cultus als Richtschnur dienen, möglichst bibelgemäß, wiewol sich hier manches- Ererbte eingeschlichen hat. Die strenge Heilighaltung des Sabbats, an welchem so ziemlich jede Thätigkeit verboten ist, könnte man besonders hervorheben; ebenso die Unterlassung des Fasttags Esther, des Makkabäerfestes, die Nichtbenutzung des Feststraußes an: Hüttenfeste, des Hornblasens und sonstiger in der Bibel nicht begründeter Bräuche. Die Schaufäden und Betmäntel sind ihnen nur Symbole, daher von ihnen weniger streng beobachtet. Betriemen und Thürpfostenamulcte haben sie nicht; auch diese sind ihrer Meinung nach nur als bildliche Vorschriften aufzufassen. Das Gebet wird mit der Richtung nach de»: Tempel zu Jerusalem andächtig abgehalten, meist hebräisch, theils aber auch aramäisch, stets begleitet von allen äußern Zeichen der Andacht, die auch im Islam üblich sind. Es gilt hierbei das Princip, nur das zu beten, was klar und verständlich ist. Am Sabbat wird frommem Gebrauch zufolge eine Gedächtnißfeier aller derer, welche sich um die Karäergemeinde verdient gemacht haben, abgehalten. In: allgemeine:: zeigen die Formen des karäischen Gottesdienstes einen düstern Ernst, Bekanntschaft Interessen des Judenthums. mit der Schrift und ein Anhängen an den durch Jahrhunderte heiligen Geboten. Frei von kabbalistischem Geheimnißkram sind die Karäer, von Frömmigkeit und von Liebe zu ihrem Bekenntniß erfüllt geblieben, was in allen Theilen ihres gottesdienstlichen Lebens noch jetzt Bewunderung einflößt. Um die Karäer in ihren: heutigen Zustande kennen zu lernen, können wir nicht besser thun, als sie dort aufzusuchen, wo sie im wahrsten Sinne zu Hause sind, nämlich zu Tschufut-Kale (Judeuburg) ü: der Krim. Wir steigen die steilen Felsen hinan und stehen vor einer kleinen Festung, deren Mauern meist in den Stein gehauen sind, und deren zwei Thore die einzige Verbindung mit der Umgebung bilden. In der That eine sichere Befestigung! Wir treten ein in die etwa dreihundert Häuser enthaltenden, sehr sauber gehaltenen Straßen, wo nur Karäer wohnen, die uns in tatarischer Kleidung umgeben. Dort begrüßt uns Reisende ein angesehener weltlicher Ortsvorsteher in: seidenen Hemd (Kulmek) und seidenen Beinkleidern (Kontschak oder Schalvar), der seinen weiten Ueberwurf (Ton) mit vielen silbernen Häkchen bis hoch hinauf verschlossen hat und die Hand aus seinem Gürtel (Knschak) zieht, um sie uns zu reichen. Pantoffeln (Pagusche) und ein Fes, bei seinen schlicht und dunkel gekleideten Begleitern, meist Kaufleuten, eine Pelzmütze (Kalpak) vollenden den Anzug. Er führt uns zur Erquickung in sein Haus, das mit einen: verhältnißmäßig überraschenden Comfort ausgestattet ist. Hier empfängt uns seine Frau. Sie trägt ein Fes, in welchen hebräische Bibelsprüche mit Gold und Perlen eingestickt sind, sowie ein purpurrothes Sammtgewand, und ist nicht minder reich gekleidet wie die Tochter, deren Gestalt von violettem Sammt umflossen ist, während von ihrem Haupt das Haar in einer großen Zahl bandgeschmückter Flechten herabhängt. Türkische Münzen, holländische Dukaten, spanische Dublonen schmücken, zu Ketten verbunden, beide Frauen; den Nacken umgibt eine Perlenschnur; kurz, wir blicken erstannt auf diesen orientalischen Prunk. Un-

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