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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 281

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 281 (sequence 17)
Language
German
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Die Karäer. 281 vorigen Jahrhundert nur noch Simcha Isaak aus Luzk, der zu Tschufut-Kale in der Krim Chacham und ein gründlicher, fruchtbarer Schriftsteller war, dessen Hauptwerk, „Der Weg der Frommen", ein für jene Verhältnisse noch jetzt schätzenswerthes bibliographisches Handbuch der karäischen Literatur ist. Außer diesem tauchte keiner auf, der Erwähnung verdiente, und es sank die literarische Bedeutung der Karäer auf das niedrigste Niveau. Bis 1830 hatte keine der zahlreichen Gemeinden in der Krim, in Odessa, Konstantinopel, Kahira, Luzk, Halicz u. s. w. eine hervorragendere Persönlichkeit aufznweisen. Seit diesemJahre entstand, zum Theil hervorgerufen durch I. M. Jost's Briefwechsel mit den Häuptern der Gemeinde zu Äoslow, auch seitens der Karäer wieder literarische Bewegung. Begeistert lauteten die Antworten des greisen Chacham Simcha Salomo in Koslow und des Chacham Libbar ben Isaak Kaplatowski zu Torok, welche für klares Bewußtsein und lebhaftes Streben sprachen. Zwar bekundete ihr Eingehen auf Jost's Anfragen nicht mehr jenen hohen wissenschaftlichen Sinn, den man früher antraf, aber der Eifer, der die Karäer jetzt beseelte, war nicht zu verkennen. Bemüht, ihre werthvollen Handschriften aufzusuchen, zu sammeln, zu sichten und durch den Druck zu veröffentlichen, ließen sie 1834—35 mit großen Opfern Druckereien aus 'Konstantinopel und Luzk nach Koslow kommen. Jetzt entstand bald wieder eine lebhaftere Entfaltung des gelehrten Schaffens, das jedoch großentheils im Publiciren schon vorhandener Manuscripte sich bekundete. Unter denen, die sich auf diesem Felde besonders hervorthaten, ist der 1787 zu Luzk geborene Abraham Firkowitfch, der jetzt zu Kahira lebt und mit Verständniß und Ausdauer eine große Menge werthvoller karäischer Manuscripte gesammelt hat. Ebenso wurde dessen Schwiegersohn durch glückliche Funde von Handschriften bekannt, von welchen die kaiserliche Bibliothek in Petersburg namhafte Ankäufe machte, die sie zu einer förmlichen karäischen Bibliothek, einer reichen Fundgrube neben der leydener Hilberg's Jllustrirle Monatshefte, l, 4. — Juli 1865. Bibliothek, gestaltete. Leider sind die meisten dieser Manuscripte noch unbenutztes Material, indem der geschichtliche Sinn im Judenthum erst allmählich zu erwachen beginnt. So kommt es, daß bisjetzt nur wenige sich gründlicher mit dem Karaismus abgegeben haben, nämlich I. M. Jost, A. Geiger, S. Pinsker und I. Fürst, deren Arbeiten nun schon manche neue Anregung gegeben haben. So liegt die Geschichte dieser, wir dürfen es trotz des jetzigen schwachen Aufflackerns sagen, erloschenen Sekte abgeschlossen vor uns, und es bleibt uns nichts übrig, als noch einiges über den jetzigen religiösen und socialen Zustand der Karäer hinzuznfügen, wobei wir uns jedoch ebenso kurz fassen wie bei der vorstehenden anspruchslosen Skizze. Wenn wir, was die heutige Verbreitung betrifft, den Angaben vonKohl und Presset folgen dürfen, so finden sich derzeit Karäer besonders in Rußland (etwa 12000), Oesterreich, der europäischen Türkei, Kleinasien, Persien und Aegypten. In der Krim sind hauptsächlich Simferopol, Tschufut-Kale (Judenburg) mit circa 1500, Koslow (Eupatoria) mit 800, Baktschisarai mit 1100, Kertsch und Kassa die Wohnsitze von Karäern. Von andern russischen Städten sind in dieser Hinsicht zu nennen: Cherson, Odessa mit 200, Luzk (Gouvernement Volhynien), Torok (Gouvernement Wilna). Oesterreich hat Karaiten meist in Galizien, z. B. in Halicz; die türkischen Karäer finden sich zumal in Konstantinopel, die palästinensischen in Jerusalem, die ägyptischen in Kahira und Alexandrien. In allen diesen Städten bilden die Karäer noch jetzt festgeschlossene Gemeinden, die im Sinne der Vorältern, halb unbewußt, die ererbte Karäerlehre weiter beobachten, ohne dieselbe durch neue Reformen und' einsichtsvolle Forschungen einer höhern Stufe zuzuführen. Noch immer steht demnach der Lehrbegriff der Karäer fest, wie ihn schon deren alte Glaubenssätze aussprachen: „Die ganze Körperwelt ist aus nichts gebildet von Gott, der weder sich selbst geschaffen hat, noch geschaffen worden ist. Dies Wesen hat keine Gestalt, ist in jeder 19

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