Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 280

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 280 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2417805-2417806-2417810--292-2418131
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

280 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Mantel" tritt uns Elijja Baschiatschi, der Nachkomme einer sehr gelehrten Familie, entgegen. Geboren um 1420 zu Adrianopel, genoß er eine vorzügliche Ausbildung, besonders in der Gesetzlehre, der Kalenderkunde- und Astronomie, erhielt in Konstantinopel den Unterricht des Rabbaniten Komtino und verwaltete von 1460 an das Amt eines Chacham zu Adrianopel bis zu seinem 1491 erfolgten Tode, der ihn mitten in seiner Gelehrtenthätigkeit überraschte. Sein obenerwähntes Hauptwerk, ein Nomokanon, worin die mosaischen Vorschriften ausführlich erläutert wurden, fand man unvollendet vor; es war klar und durchsichtig, nur etwas breit gegehalten, nach Art Abravanel's. Sein Landsmann und Schwager Kaleb Efendipulo vervollständigte 1497 das Werk im Geiste des Verfassers, was ihm als kenntnißreichem Schriftsteller am ehesten möglich war. Obwol den Titel Chacham führend, hatte dieser keine bestimmte Anstellung, sondern lebte bald in Konstantinopel und Karsaria, bald in Belgrad und Adrianopel als Lehrer und Literat. Nicht minder im Sinne Elijja Baschiatschi's wirkte dessen 1554 zu Konstantinopel geborener Urenkel Mose Baschiatschi, ein äußerst begabter und belesener Gelehrter, der schon als sechzehnjähriger Jüngling mehreres Treffliche geschrieben hatte. Infolge von Verleumdung aus seiner Heimat vertrieben, lernte derselbe die Karäer zu Palästina, Aegypten, Syrien, Irak und Persien aus eigener Anschauung kennen und studirte überall die Werke der Alten. Die prächtige Karäerbiblothek in Kahira fand er jedoch im Jahre 157 l nicht mehr vor; sie war ein Jahr früher vom arabischen Pöbel verbrannt worden. Schon im Alter von 18 Jahren starb er, dessen hohe Begabung die schönsten Erfolge verheißen hatte und nochaus den erhaltenen Schriften uns entgegenleuchtet, besonders aus seinem „Stab Gottes", einer Art Religionsgeschichte des Karäerthums. Mittlerweile war der Trieb für Kenntnisse unter dem Druck der besonders in der europäischen Türkei auftauchenden Verfolgungen untergegangen. Die Gemeinden in Palästina und Aegypten waren zurückgekommen, es bildeten sich bereits mehr nach Westen hin Gemeinden, theils in der Krim, theils in Polen (Halicz, Luzk, Torok), ohne daß jedoch diese neuen karäischen Colonien zu literarischer Bedeutung gelangten. Sterne erster Größe kommen überhaupt von jetzt an unter den Karäern nicht mehr vor. Was von dieser Seite nun geschrieben wurde, entbehrte aller Originalität, sodaß das 17. Jahrhundert, wenn man die Gelehrtenfamilie Maruli zu Konstantinopel ausnimmt, sich äußerst steril verhielt. Dessenungeachtet zogen die Karäer von jetzt an die Aufmerksamkeit christlicher Gelehrten in Schweden und Holland auf sich und wurden zum Gegenstand eingehender Erörterringen, denen gegenüber leider ihre wissenschaftliche Bedeutungslosigkeit um so greller hervortrat. Im Jahre 1690 unternahm auf Befehl Karl's XI. von Schweden der Graf Peringer in Upsala eure Reise nach Litauen, um die dortigen Karäer kennen zu lernen und Bücher von ihneir zu kaufen. Er wandte sich an deir Chacham Salomo ben Ahron in Torok, woselbst der Sitz der damaligen karäischen Gelehrsamkeit war. Erst später antwortete dieser mit einer ausführlichen Darstellung des Wesens der Karäer. Kurze Zeit nachher schrieb Prof. Trigland aus Leyden einen hebräischen Brief an das Oberhaupt der Karäer zu Luzk, um sich über den Karaismus aufzuklären. Ihm antwortete der Chacham Mardechai ben Nissan zu Luzk in Volhynien, der nach Berathung mit andern polnischen Karäern eine Abhandlung von sehr zweifelhaftem Werth ausarbeitete. Diese von außen kommenden Anregungen hatten einigen belebenden Einfluß auf die gesunkene Produktivität der Karäer, ohne daß sie derselben jedoch mehr hätten bieten können als den Antrieb. Die lateinischen Schriften von Peringer, Trigland, Schupart, Steuber, Wolf, Peter Beer und Augusti, welche das 18. Jahrhundert entstehen sah, beweisen, daß es den Karäern nicht an theilnehmendem Interesse mangelte. Wir erwähnen indeß aus dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.