Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 274 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Basra 1× ep/1044138
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274 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. baniten. Neuhebräische Poesie, Heilkunde und Astronomie leiteten ebenfalls von dem bisher vorgeschriebenen Lehrgegenstande ab, ebenso das Studium des Arabischen, welches bedeutend um sich griff. Den verketzerten Namen der Sadducäer scheuend, traten diese Antirabbaniten noch nicht zu offenem Kampfe zusammen, wenngleich bereits einige aus ihrer Mitte sich als messianische Sendboten an die Spitze der Bewegung zu stellen versuchten, wie Serini in Syrien (720) und Abu Jsa zu Jspahan (745). Es war eine in diesem Reformstreit nicht ungewöhnliche Erscheinung, daß jeder dieser Reformatoren, um die Sympathien der Menge zu gewinnen, vorgab, ein messianischer Sendling oder der Messias selbst zu sein; damit sollte die populäre Erwartung des Messias befriedigt und diese Frage abgeschlossen werden. Es lag in dem Druck, dem die damaligen Juden ausgesetzt waren, daß sie mit Freuden jenen Männern zuströmten, welche meistentheils nach hartnäckigem Kampfe tragisch untergingen, während die Idee, welche sie verbreitet hatten, weiter zündete, die Idee, Israel -aus geistiger und leiblicher Knechtschaft zu befreien. Um diese Zeit (760) lebte der eigentliche Begründer des Karäerthums, An an ben David aus Basra, östlich von Bagdad, der Sproß eines Exilarchengeschlechts. An der berühmten arabischen Hochschule zu Basra, wo die Mutaziliten die freiesten Anschauungen über Gott und Religion lehrten, herangebildet, war er ein vorzüglicher Kenner des Aramäischen und Arabischen und machte sich binnen kurzem hier und in Bagdad, wohin er um 754 übersiedelte, durch reformatorische Auslegungen der mosaischen Gesetze so bekannt, daß er sich bereits einen Anhang gewann. Wegen seiner Freisinnigkeit fand er bei den Rabbaniten Opposition, als er 760 die Uebertragung der erledigten Exilarchenwürde für sich in Anspruch nahm. Statt seiner wählte man seinen Bruder. Sofort scharte Anan seine Anhänger um sich und ließ sich unter Beistimmung des ihm wohlwollenden Khalifen El Mansur zum Gegenexilarchen erwählen. Es gelang seinen Gegnern jedoch bald, ihn beim Khalifen zu verdächtigen, sodaß Anan genöthigt war, nach Jerusalem zu entweichen. Hier begründete er die erste Karäergemeinde, veröffentlichte sein arabisch geschriebenes „Summarium der Dogmatik", worin er seinesadducäische Auffassung der mosaischen Vorschriften niederlegte und der grammatisch-logischen Schriftauslegung, die bisher in den Fesseln des Autoritätsglaubens gelegen, das Wort redete. Um den zahllosen Traditionserweiterungen den Charakter göttlicher Gesetze zu nehmen, den sie durch Willkür von Gelehrten erhalten hatten, sah er sich veranlaßt, zwei Werke zu schaffen, die, von der talmudifchen Tradition absehend, nach karäischem Princip die Schrift erläuterten: seine „Auslegung des Pentateuch" und seine „Zusammenstellung der mosaischen Vorschriften ". Es könnte scheinen, als trügen diese Anfänge des Karaismus einen innern Widerspruch in sich, indem sie neben einem Bibelpuritanismus zugleich eine freie, auf Grammatik gestützte Auslegung entstehen sahen. In der That ist ein Widerspruch zwischen Schriftglauben und rationeller Exegese vorhanden, da letztere nur dann ihr Ziel vollständig erreichen kann, wenn sie die biblischen Schriften völlig objectiv als älteste Urkunden unserer Geschichte betrachtet. Was man kritisch untersuchen will, kann man nicht gleichzeitig als heilig verehren, nicht mit dem Verstände und mit dem Herzen zugleich betrachten. ' Es wäre dies im Hinblick auf die bisherige talmudische Einschränkung ein Riesenschritt gewesen, wie ihn Culturepochen in ihrer selbständigeil Entwickelung nicht machen. Ueberdies bedurfte, das fühlte Anan, der Israelit jenen Anhaltepunkt, der in der Schrift geboten ist. Nur sollte der Schrifttext nicht durch kanonisch - talmudische Dogmen getrübt werden. Lauter und unverfälscht mußte Gottes Wort künftigen Geschlechtern als Gesetz dienen. Darum aber war es nöthig, den Wortsinn in grammatisch-exegetischen Forschungen festzustellen, in rationeller Weise zu erklären und das Extract in Gestalt von Glau-