Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. konnte ich verfügen, aber ich hätte nicht sollen meinen Vater meuchlerischerweise hineinziehen." „In der großen Sache müssen Individuen aufgehen, und über Leichen führt der Weg zum Sieg. Was gelten wir, was unser Besitzthum, unsere Angehörigen, was das Leben von Tausenden, was all die unzähligen Opfer, die wir bringen, wenn jdurch sie die Regeneration des Vaterlandes, die Wiederherstellung Polens erkauft würde? Wir Individuen fallen wie die Steine ins Wasser; es spritzt auf, es bilden sich einige Ringe, und bald ist die Spur verwischt. Ein zerrissenes Vaterland aber klafft ewig und schreit ewig um Rache. Nichts ist so theuer, so groß und so heilig, das nicht wohlfeil genug wäre, um Polen zu rächen und zu erwecken!" „So nahe mir das Vaterland geht, der Vater geht mir näher, nächst dir am nächsten, Aurelia! Wärst du nicht der Preis, nie würde ich drein gewilligt haben, unter den arglosen Schritten meines Vaters eine Mine anzulegen, die jeden Augenblick explodiren kann. Meine Liebe aber ist stärker als ich, und wenn meine Vernunft über mein Herz eine Kruste zu legen sucht, da fällt ein Strahl deines Auges nieder, und was zu Eis werden wollte, das wird zu Feuer." Und der junge Mann schlingt seine beiden Anne um den Nacken der Dame, die jetzt in der That mit einem Blick auf ihm weilt, der trägeres Blut in Wallung und einen kühlern Verstand aus seiner Ruhe bringen könntel „Siehst du", fuhr er fort, „wenn du mir sagtest: hier gähnt die Hölle, spring in ihren Schlund, da steht ein Tyrann hinter einem zehnfachen Wall von Bajonneten, greif ihn an, ich würde gehorchen, und wenn du mir nur ein Lächeln und eine Thräne versprächst. Würde die Allgewalt, die du über Individuen hast, sich auf Völker ausdehnen, meine Aurelia, du würdest eine Welt beherrschen! Daher dies glühende Verlangen, diese verzehrende Ungeduld, das Willensstärke, königliche Weib mein zu nennen, mein für immer!" „Bis Polen frei geworden, lieber Karl, bis dahin unermüdlich ans Werk! Gehe jetzt zu Pater Franz und beauftrage ihn namens der Nationalregierung, übermorgen, Sonntag, abermals eine Predigt zu halten, wie erste vor vierzehn Tagen hielt; nur könnte er mehr Zunder noch hineingeben, mehr Donner und Blitz." „Ich kenne den Pater Franz nicht." „Er kennt dich und weiß, daß du Mitglied der Regierung bist. Adieu, Karl. Morgen bin ich nur in sehr dringenden Fällen zu sprechen; ich erwarte dich übermorgen." „In einem solchen Zeitraum ungeduldiger banger Erwartung hat eine Ewigkeit Platz, Aurelia. Adieu. Sage dem Kriegsminister, daß unsere Kasse sich wieder gefüllt habe und er seine Einkäufe wieder aufnehmen könne. Wir besprechen es übermorgen, ob wir einen Theil unsers Baarvorraths nach Brüssel übermachen. Vor allem Waffen! Lebewohl, meine Geliebte; auf Wiedersehen!" Sie steht mitten im Salon, ein spöttisches Lächeln um den Mund, das stolze Haupt aufgeworfen und die Arme gekreuzt, als sich die Thür hinter Karl schließt. „Blöder Thor!" sagte sie, „du wähnst mich schwach genug, dir zu erliegen, und während du an meinem Gängelbande zappelst, vermißt du dich, der Herr deiner Gebieterin zu werden! Du bist eitel genug zu glauben, daß die Tochter einer polnischen Patricierfamilie ihr Herz an einen Juden verlor, der dafür nichts bieten kann als höchstens sein Leben! So wohlfeil vergeben wir uns nicht, und über unser Herz wacht die Vernunft. Warte, Herr Goldheim, bis das blutige Drama zu Ende, welches wir spielen, und mit dem Vorhang fallen auch die Schuppen von deinen geblendeten Augen, und du wirst froh seiu, wenn man dir für deine vermeintlichen großen Dienste gestattet, einen Laden im unbefugten Bezirke zu eröffnen!" In einer krummen, dunkeln Gasse des Judenquartiers, in welchem das