Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Warschau zur Zeit der letzten Bewegung. 267 Männer, die arbeiteil wollen, dürfen nicht plaudern. In den Provinzen glimmt es, sagten sie kurz, bald wird es brennen. Leute haben wir und Geld. „Baron Marinski und Graf Kronowski waren heute hier", sagte Aurelia nach einer Pause; „sie haben sich nach deiner Rückkunft erkundigt. Sie erzählten mir von den neuesten Fortschritteil unserer gemeinschaftlichen Sache. Die Wälder beleben sich immer mehr, die Jugend 'folgt freudig dem Rlife und sammelt sich im Dunkel der Forste; Waffendepvts sind errichtet, wo ein hohler Baum steht und ein sicheres Verließ vorhanden; auf jedein Edelhofe sind Poststationen angelegt für Briefe und Boten; jede Provinz, jeder Kreis, jeder Bezirk, jede Stadt, jedes Dorf habeil ihre Militärcommandanten, ihre politischen und ihre Polizeichefs, ihre Staatskassen für Ein- und Allsgaben lind ihre Lieferanten. Für den Fall entstehender Lücken durch Tod, Absetzung, Verhaftung oder Abfall sind Reservemünner bestellt, die den Posteil sogleich übernehmen, wie er vacant geworden, und hinter diesen vorgerückteil Reservisten stehen abermals dienstbereit andere designirte Männer. So zieht sich ein weites, weites Netz über das ganze Land, und wir hier", sagte Aurelia lächelnd, „halten die Schnüre." „Du strahlst vor Glück, liebe Aurelia!". erwiderte der junge Mann, in das Feuer ihrer Augen blickend. „Sei ehrlich, Aurelia, steigt nie an deinem Horizont eine Wolke auf, siehst du nie einen Sturm kommen, der unfern großen Bau zusammenwirft und uns unter seine Trümmer begräbt?" „Niemals! Solche Besorgnisse wären Schwäche und würden unsere Thatkraft nur lähmen. Wir müsfen zuversichtlich sein, wenn wir reusfiren wollen, und reufsiren müssen wir, wenn wir nicht elendiglich zu Grunde gehen wollen! Hinter uns, mein lieber Karl, sind die Brücken abgebrochen, es gibt niemals eine Umkehr für uns; wir müssen vorwärts, vorwärts, bis die Russen aus diesem Lande verjagt sind und in Polen Polen herrschen!" „Ich bewundere wahrhaftig an dir. der Frau, dem jungen Mädchen, diese eherne Energie, die selten dem Manne eigen ist. Ich, der ich leiste, was ich eben, was eben ein beherzter Mann leisten kann, theile deine Zuversicht nicht; ich werde nie auch nur uni eine Haarbreite zurückweichen, denn ich habe mich unserer Sache gewidmet, an die mich überdies die Liebe zu dir fesselt; aber bei aller Dpferwilligkeit ist mir der Erfolg durchaus nicht gesichert, weil wir Elemente hineingezogen, die die gute Sache nicht fördern können, und was mir weh thut, ist, daß ich meinen alten Vater ebenfalls hineinzog, ohne daß er es auch nur ahnt." „Wie meinst du es?" „Nun, indem wir in seinem Hause, in feiner Betstube eine geheime Presse anlegten." Anrelia lachte. „Im Hause eines Russophilen, einer Leuchte des conservativen orthodoxen Jndenthums, legt der entartete, auf Abwege gerathene, in dem Netz einer christlichen Jungfrau zappelnde Sohn eine revolutionäre Presse an!" „Und dieser Gedanke, Aurelia, läßt mir auch keine Ruhe. Stünde ich allein, ich würde mit jedem Gedanken meiner Seele, mit jedem Tropfen meines Blutes euerer Sache gehören, wie ich mit allem Gefühl meines Herzens dir gehöre. Aber meinen greisen Vater, einen Mann, der auf ein untadelhaftes Leben zurückblickt, möglicherweise in die Citadelle bringen, diese Furcht ist, ich gestehe es, größer als mein Patriotismus!" „Aber sei kein Kind, Mann!" sagte die junge Dame; „wer wird auch so beängstigende Gedanken haben! Wird es je unserer Polizei einfallen, in jenen krummen, dunkeln Gaffen, wo dein Vaterhaus steht, in jenem Gotteshause, wo dein Vater mit seiner Gemeinde sich alltäglich zum Gebet versammelt, eine unserer revolutionären Maschinen zu suchen, mit denen wir den Moskowitismus in die Luft sprengen wollen?" „Die Polizei hat tausend Augen und wir ebenso viele Verräther", erwiderte Karl, „und dies beängstigt mich so oft und so sehr; über meine Person 18*