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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 266

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 Jllustr. Monatsh. für die ges. Jntereffen des JudenLhuins. merksamkeit der Polizei zu erregen, nur höchst selten zu einer persönlichen Beratung zusammentraten und gewöhnlich durch Vermittelung der jungen Dame ihre Ansichten, Rathschläge und Berichte austauschten, Befehle gaben und empfingen. Es war hier der Centralpunkt der Bewegung, welche, aus dem Auslande kommend, durch Warschau und Polen ging; hierher wurden die Parole-, die Proclamationen, die Oärss äo bataills-geleitet, von wo sie die Sous-Chefs des Aufstandes abholten; hier entledigten sich die Commis-Voyageurs der Revolution, die aus Frankreich geschickten Emissäre ihrer Aufträge und gaben ihre Beglaubigungsschreiben und Packete ab; hier flössen, aus tausend Röhren geleitet, alle Gelder zusammen, die das Land freiwillig oder gepreßt an die Kriegskasse der Jnsurrection abgab, und hier waren die Behälter, in denen die wichtigsten Papiere wohlverwahrt ruhten. So groß war die Vorsicht, so gediegen die Organisation, so fein die Fäden, daß die an allen Ecken und Enden wachende Polizei keine Ahnung hatte, daß hier in diesem zahlreich bewohnten und lebhaft frequentirten Hause, in dem reizenden Mädchenkopfe, der oft lächelnd aus dem zweiten Stock auf das Leben da unten in der Straße blickte, das Geheimniß verborgen liege, nach welchem hunderttausend Augen Tag und Nacht späheten, nach welchem eine ganze Armee von Polizisten ausging, und für dessen Auffindung der russische Staatsschatz sich erschöpfen wollte! Sie, die reizende Jungfrau, lehnt auf dem Sofa, die Augen an der Thür, eine französische Zeitung in der Hand zerknitternd, ungeduldig mit dem Fuß auf den Teppich stampfend und die klare Stirn runzelnd. Offenbar erwartetsie jemand, der nicht kommen will. Wer wol freiwillig, eine im Frühling des Lebens blühende und glühende Frau warten ließe? Wer wol kommen könnte und nicht käme, wo er mit so vieler Ungeduld erwartet wird? Endlich kommt er, behend wie ein Verfolgter auf der Flucht, rasch, ohne Gruß, und die Schwelle überschreitend, sagt er kurz: „Die Röhre, Aurelia." Das Mädchen eilt in ein Seitenzimmer, in welchem sie auf einen hinter einem Bild verborgenen Knopf drückt, und im Gemach, wo der Ankömmling wartet, springt rasch ein Deckel oberhalb des Kamins zur Seite, eine Röhre entblößend, in die der Fremde ein verborgen gehaltenes Packet schiebt, wo dann sich die Klappe wieder schließt und das Fräulein wieder ins Zimmer tritt, langsamer, ruhiger, als sie es verlkeß. Beide sitzen sie nun auf dem Sofa, das Glück in Aug' und Miene. „Erzähle", sagt Aurelia, ihre Hand auf seinen Arm legend. „Wir trugen gestern den Sarg hinaus, feierlich und zahlreich gefolgt. Die Geistlichen beteten, das Volk sang. Die Polizei und das Militär gaben uns das Geleit. Der Sarg wurde versenkt, und alles kehrte in aufgelösten Gruppen in die Stadt zurück. Ich allein blieb zurück. Hinter einem Monument versteckt, wartete ich, den Revolver in der Hand." „Allein?" „ Allein. Der Küster hielt vor dem Thor Wache. Endlich kam die Nacht mit ihren schwarzen Schatten. Kein Mond und kein Stern drang aus den finstern Wolken. Die Dunkelheit war tief wie das Schweigen. Ich wartete lange. Endlich kamen sie; nein, sie kamen nicht, sie entstiegen leise wie die Schatten den Gräbern, und ich hörte hart vor mir das verabredete Zeichen, dem ich sogleich antwortete, und drei Männer standen vor mir. Wir wechselten wenige rasche Worte, und acht Hände griffen hurtig nach den Spaten und entblößten das frisch geschaufelte Grab, sprengten den versenkten Sarg und leerten ihn. Ein jeder der Abgesandten beschwerte sich mit seinem Pack gedruckter Proclamationen und Steuerbogen; dann stoben sie rasch hinaus aus dem Friedhofe, ihre Pferde zu besteigen, nachdem sie mir die eingeflossenen Gelder und ihre Rapporte zurückgelassen." „Was erzählten sie aus den Provinzen?" „Zum Erzählen war keine Zeit.

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